Mittwoch, 1. Oktober 2008

Anspannung im Radsport hält weiter an:
Doping-Ergebnisse lassen auf sich warten

  • Tour-Spitzenfahrer mit neuer Methode untersucht
  • Radsport: Armstrong soll erneut kontrolliert werden

Die Ergebnisse der Nachuntersuchungen von Dopingproben der heurigen Tour de France lassen auf sich warten. "Es gibt noch keine Resultate", sagte ein Sprecher der Französischen Anti-Doping-Agentur AFLD der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es könne noch zehn bis 15 Tage dauern, ehe die Resultate vorliegen würden. Während der Tour waren auffällige Werte bei einigen Radprofis festgestellt worden, deren Blut nun mit einer neuen Methode noch einmal untersucht wird.

Bisher war von 14 Fahrern, darunter die Top-Platzierten der Gesamtwertung mit Bernhard Kohl sowie die Etappensieger, die Rede, deren Blut im Labor in Chatenay-Malabry bei Paris speziell auf das Produkt CERA getestet wird. Die Sportzeitung "L'Equipe" schrieb von zehn Profis. Laut der französischen Sportzeitung ist am Freitag oder Montag mit ersten Ergebnissen von drei Fahrern zu rechnen. "Wir werden keine Resultate publik machen, sondern direkt die Fahrer und die nationalen Anti-Doping-Agenturen informieren", sagte der AFLD-Sprecher.

Auch um den siebenfachen Tour-Sieger Lance Armstrong will sich die französische Anti-Doping-Agentur kümmern. Der Texaner solle sich damit einverstanden erklären, "dass die sechs Proben vor der Tour de France 1999 einer kompletten EPO-Analyse unterzogen werden dürfen", sagte AFLD-Präsident Pierre Bordry der "L'Equipe". Nachträglich vorgenommene Analysen hatten 2005 Spuren von EPO in Armstrongs Urin-Proben von 1999 nachgewiesen. Dies blieb aber ohne juristische und sportrechtliche Konsequenzen, weil keine B-Probe vorlag.

Chance für Armstrong?
"Vielleicht wäre das die Gelegenheit zu bestätigen, dass er in seiner großartigen Karriere nie betrogen hat", sagte Bordry. Der AFLD-Chef bot Armstrong an, die damaligen Proben im Beisein einer Person seines Vertrauens von einem akkreditierten Labor in Europa untersuchen zu lassen.

Unterdessen schloss Armstrongs persönlicher Anti-Doping-Experte Don Catlin nicht völlig aus, dass der 37-Jährige unter seiner Kontrolle dopen könnte. "Es wird sehr schwer für ihn, und er wäre sehr dumm, wenn er das versuchen würde. Aber natürlich wissen wir in der Dopingbekämpfung, dass immer jemand unter unseren Augen etwas machen kann", sagte Catlin. Armstrong habe aber "ohne mit der Wimper zu zucken" seine weitgehenden Bedingungen akzeptiert. Der Doping-Experte ließ sich zusichern, Armstrong auf alles zu testen, "was ich möchte", dessen Proben einzufrieren und die Test-Ergebnisse im Internet zu veröffentlichen. (apa/red)

1.10.2008 14:53