Noch einen Monat bis zur großen US-Wahl:
Obama und McCain liefern sich harten Kampf
- Präsidentschaftskandidaten wollen Finanzkrise nutzen
- Demokratischer Kandidat Barack Obama liegt voran

·Biden und Palin
mit harten Bandagen
Heftiger Schlagabtausch bei der TV-Debatte
·Palin laut Umfrage
besser als erwartet
Demokrat Biden trotzdem
haushoher Gewinner
·Umfragen: Obama zieht an McCain vorbei
4 Wochen vor der Wahl liegt Obama bei 48 %
Einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen am 4. November dominiert die Finanzmarktkrise den Wahlkampf in den USA. Sowohl der demokratische Kandidat Barack Obama als auch der Republikaner John McCain haben den Kongress zu einer schnellen Zustimmung für das 700-Milliarden-Dollar- Rettungspaket für die Finanzbranche aufgerufen. Obama mit seiner Kampagne des Wandels kann die Krisenstimmung offenbar besser nützen, in allen aktuellen Umfragen zieht er McCain deutlich davon. Uneinholbar ist er damit aber nicht. Mit Spannung erwartet werden daher die zwei ausstehenden TV-Konfrontationen der Präsidentschaftskandidaten.
Sowohl Obama wie auch McCain stimmten im Senat für das milliardenschwere Hilfspaket. Obama vertritt im US-Oberhaus den Bundesstaat Illinois, McCain Arizona. Auch Joe Biden, der demokratische Kandidat für das Vize-Präsidentenamt und Senator für Delaware, schloss sich an. Trotz der Einigkeit der Kandidaten über das Rettungspaket haben die dramatischen Entwicklungen im US-Finanzsektor den Ton im Wahlkampf verschärft. In den Mittelpunkt rückte die Wirtschaftskompetenz der Bewerber um das Präsidentenamt.
Dass McCain am Tag der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers erklärt hatte, die US-Wirtschaft sei im Grunde stark, kommentierten die Demokraten sofort mit einem neuen TV-Spot mit der Frage: "Wie kann John McCain unsere Wirtschaft reparieren, wenn er nicht versteht, dass sie kaputt ist?" Obama warf seinem republikanischen Rivalen außerdem vor, seit 20 Jahren gegen eine Regulierung des Finanzsystems gekämpft zu haben. Auch McCain versprach, "Gier und Korruption" an der Wall Street auszumerzen - wirkte dabei aber nicht zuletzt deshalb weniger glaubwürdig, weil es die Vertreter seiner Partei im Repräsentantenhaus waren, die zu zwei Drittel gegen das Hilfspaket für die Finanzbranche stimmten, während eine Mehrheit der Demokraten dafür war.
Dass das Thema Wirtschaft den Wählern am Herzen liegt, zeigte eine schon Anfang September eine von CNN durchgeführte Telefonumfrage. Dort hatten 56 Prozent der Befragten "die Wirtschaft" als wichtigstes Anliegen bei ihrer Wahlentscheidung genannt. "Nichts zu tun ist keine Alternative", warb McCain daher für den Rettungsplan der Regierung. "Das ist nicht die Zeit, sich als Politiker Sorgen um die nächste Wahl zu machen", erklärte auch Obama seinen Anhängern. "Es ist für uns alle Zeit, uns Sorgen um die Zukunft des Landes zu machen, das wir lieben. Es ist Zeit zu handeln."
Direkte Fragen
Am Dienstag stellen sich Obama und McCain in Nashville (im US-Staat Tennessee) direkt den Fragen der Wähler. Die letzte Debatte mit CBS-Moderator Bob Schieffer am 15. Oktober in Hempstead (New York) wird sich dann auf die Innenpolitik konzentrieren. Schieffer leitete schon 2004 das TV-Duell zwischen George W. Bush and Senator John Kerry.
Das erste TV-Duell zwischen Obama und McCain - nur Tage vor dem größten Einbruch des Dow Jones-Index in der US-Geschichte - hatte keiner der beiden klar für sich nutzen können. Lösungsvorschläge für die Finanzmarktkrise blieben beide Bewerber um das US-Präsidentenamt schuldig. Beim Krieg im Irak und der US-Politik gegenüber dem Iran gingen die Meinungen zwar wie erwartet auseinander, aber ein klarer Sieger ließ sich nach Ende des Streitgesprächs nicht ausmachen. Selbst Obama, der als charismatischer Redner bekannt ist, gab ungewohnt langatmige Antworten.
Demokraten punkten beim Vize-Kandidaten
Das einzige Duell der Vize-Präsidenschaftskandidaten Joe Biden und Sarah Palin wurde Umfragen zufolge vom Demokraten eindeutig mit 51 zu 36 Prozent gewonnen, obwohl sich Palin für 84 Prozent der Zuseher besser schlug als erwartet. Freilich überraschten beide nicht mit neuen Positionen. In die Defensive wurde Palin von Biden beim Thema Außenpolitik gedrängt, während sie in Sachen Steuerpolitik sehr versiert und selbstbewusst auftrat. Beiden Kandidaten wurde mehr "Wärme" und "Nähe" als Obama und McCain attribuiert, auch der Gesprächston zwischen ihnen war freundlicher.
Die überraschende Nominierung der Gouverneurin von Alaska Ende August hatte die republikanische Basis mobilisiert; Palin erwies sich als wahre Wahlkampf-Lokomotive für McCain. Bemerkungen wie die, sie kenne sich mit Russland aus, weil es nahe bei Alaska liegt, und Vorwürfe wegen Amtsmissbrauchs in Alaska ließen aber selbst bei Republikanern Zweifel keimen. Nichtsdestotrotz: Palins Heimat Alaska wird ein Heimspiel für die Republikaner, wenngleich es nur sehr wenige Wahlmänner stellt.
"Bible Belt" klar republikanisch
Aller Voraussicht nach mehrheitlich republikanisch wählt auch die große Mehrheit der Südstaaten ("Bible Belt"), die nördlichen Rocky Mountain-Staaten Montana und Wyoming, North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas und Oklahoma im Mittleren Westen. Bastionen der Demokraten sind die bevölkerungsreichen Ost- und Westküstenstaaten sowie Hawaii und im Südwesten New Mexico. Als umkämpfte Staaten ("Battleground" oder "Swing States") im Westen gelten Nevada und Colorado, an den Großen Seen Minnesota, Wisconsin, Michigan und Ohio, an der Ostküste New Hampshire sowie die beiden Südstaaten Virginia und Florida.
CNN rechnete 250 Wahlmännerstimmen Obama zu und 189 McCain, 99 wären demnach "offen". Für einen Sieg muss ein Kandidat 270 der 538 Wahlmänner auf sich vereinigen. Am 4. November öffnen die Wahllokale zuerst in New Hampshire. In Hawaii und Alaska wird noch gewählt, während die Hochrechnungen der ersten Staaten schon bekannt sind. Am 20. Jänner wird der neue Präsident ins Weiße Haus einziehen.
(apa/red)
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