Palin behauptet sich gegen den Veteranen:
Joe Biden gewinnt TV-Debatte aber dennoch
- US-Vize-Kandidaten liefern sich spannendes Duell
- Schlagabtausch zu den Themen Irak und Wirtschaft
·Palin laut Umfrage
besser als erwartet
Demokrat Biden trotzdem
haushoher Gewinner
·Noch einen Monat bis zur großen US-Wahl
Obama und McCain liefern sich harten Kampf
·Umfragen: Obama zieht an McCain vorbei
4 Wochen vor der Wahl liegt Obama bei 48 %

Sarah Palin hat sich behauptet, aber Joe Biden insgesamt doch gewonnen: So stuften die Mehrheit der US-Medien und Experten sowie Schnellumfragen die erste und einzige Fernsehdebatte der beiden Kandidaten für das Vizepräsidentenamt vor der Wahl am 4. November ein. Die 90-minütige Fernsehdebatte der beiden US-Vizepräsidentschaftskandidaten ging in St. Louis (Missouri) ohne Eklat über die Bühne.
Die Republikanerin Palin konnte sich als politischer Neuling nach Ansicht von Analysten gut gegen den demokratischen Politveteranen Biden behaupten. Sie vermied frühere Fehler in ihrer außenpolitischen Argumentation, während sich Biden mit bissigen Bemerkungen zurückhielt, für die er allgemein bekannt ist. Beobachter sprachen denn auch von einer ausgeglichenen Debatte.
Das Hauptaugenmerk bei der Debatte galt der jungen, konservativen Gouverneurin aus Alaska (44), deren Nominierung Ende August als Nummer Zwei von John McCain die Basis mobilisiert und das demokratische Wahlkampflager um Spitzenkandidat Barack Obama zunächst außer Tritt gebracht hatte. Nach mehreren krassen Interview-Pannen waren jedoch auch in konservativen Kreisen ihre Qualifikationen angezweifelt worden und McCains Umfragewerte gesunken.
"Frau von nebenan"
In der TV-Debatte mit dem langjährigen Senator Biden (65) wiederholten sich diese Fehler nicht. Palin zeigte sich im Gegenteil zunehmend selbstbewusst und zwang Biden mit ihrer Angriffslust wiederholt in die Defensive. Die fünffache Mutter trat als "Frau von nebenan" auf, als jemand, der weiß, welche Sorgen die Familien "am Küchentisch" plagen. Fernsehkommentatoren stellten übereinstimmend heraus, dass die Gouverneurin gut vorbereitet war. Allerdings bemängelte viele von ihnen auch, dass Palins Antworten manchmal einstudiert gewirkt und an den Fragen vorbeigegangen seien.
In einer landesweiten Umfrage des Senders CNN sahen denn auch 51 Prozent Biden als Sieger, nur 36 Prozent sprachen sich für Palin aus. Ihr wurde indessen bescheinigt, dass sie die - nach Ansicht von Kritikern allerdings von vornherein niedrigen - "Erwartungen weit übertroffen" habe. 54 Prozent fanden sie laut CNN-Umfrage sympathischer als Biden.
Schlagabtausch zum Thema Irak
Zum heftigsten Schlagabtausch kam es beim Thema Irak. So hielt Palin Biden vor, dass er selbst anfangs für den Irakkrieg gestimmt habe und im Vorwahlkampf einmal offen angezweifelt habe, dass der demokratische Spitzenkandidat Obama als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte geeignet sei. Energisch vertrat Palin auch McCains Forderung, dass es im Gegensatz zu Obamas Auffassung kein Treffen ohne Vorbedingungen mit dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad geben dürfe.
Den ersten Teil der Debatte beherrschten die Wirtschaftspolitik und die aktuelle Finanzkrise. Palin verwies auf die Sorgen der Bürger und versicherte, sie und McCain seien in der Lage, das krisengeschüttelte Finanzsystem zu reformieren. Biden sagte dagegen, McCain habe die amerikanische Wirtschaft noch als fundamental stark bezeichnet, als die Finanzkrise schon ausgebrochen sei. "Das beweist, dass er nicht weiß, was passiert", sagte Biden.
Palin: Erderwärmung nicht nur durch den Menschen
Zum Klimaschutz erklärte Palin, die Erderwärmung sei nicht ausschließlich auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen zurückzuführen. Es habe in der Erdgeschichte schon immer zyklische Temperaturschwankungen gegeben. Biden wies dies zurück. Für die jetzige Situation sei eindeutig der Mensch verantwortlich, und wer diese Ursache nicht verstehe, könne auch keine Lösungen anbieten.
Für Palin ging es in der Debatte in erster Linie darum, ihre Eignung für das angestrebte Staatsamt unter Beweis zu stellen. Laut einer am Tag vor dem Fernsehduell veröffentlichten Umfrage hielten zu diesem Zeitpunkt nur noch 25 Prozent der Wähler die Gouverneurin von Alaska für erfahren genug. Kurz nach ihrer umjubelten Nominierung Ende August waren es 41 Prozent. Der 65-jährige Biden dagegen hat mit 35 Jahren Senatserfahrung den Ruf eines sachkundigen Politprofis.
(apa/red)
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