Freitag, 3. Oktober 2008

7 Tote bei Bombenexplosion in Südossetien:
Friedenstruppen nicht weit davon stationiert

  • Russland ortet einen "Anschlag auf den Friedensplan"
  • Auswirkungen auf geplanten Truppenabzug unklar

Bei einer Bombenexplosion in dem von Georgien abtrünnigen Gebiet Südossetien sind nach Behördenangaben sieben russische Soldaten ums Leben gekommen. Der Sprengsatz detonierte neben dem Kommandostab der russischen Truppen in der Hauptstadt Zchinwali, meldete die Agentur Itar-Tass. Die Gebietsführung sprach von einem Anschlag des georgischen Geheimdienstes. Vier Menschen wurden verletzt. Nach ersten Berichten war die Bombe in einem zuvor auf georgischem Gebiet konfiszierten Geländewagen versteckt gewesen. Russland nennt die Explosion einen "Anschlag auf den Medwedew-Sarkozy-Friedensplan".

Bei einer zweiten Explosion in Südossetien wurden mehrere Menschen verletzt. "Wir haben keinen Zweifel, dass diese Terroranschläge vom georgischen Geheimdienst verübt wurden", sagte der südossetische Präsident Eduard Kokojty. Nach seinen Angaben sei die Autobombe in Zchinwali explodiert, als sich sowohl Soldaten wie auch Zivilisten in dem Fahrzeug aufhielten. Die Nationalität der Opfer stehe noch nicht fest. Sechs Menschen kamen am Tatort ums Leben. Auf dem Weg zum Krankenhaus starb ein weiteres Opfer.

Vor einer Woche war in der Provinz Abchasien nach Angaben der dortigen Führung ein Sprengstoffanschlag auf den Geheimdienst verübt worden. Dabei entstand lediglich Sachschaden.

Beinahe wöchentlich Anschläge auf beiden Seiten
Bereits vor dem Südkaukasus-Krieg waren in der Konfliktregion beinahe jede Woche Anschläge auf beiden Seiten verübt worden. Georgien griff Anfang August das abtrünnige Gebiet Südossetien an der Grenze zu Russland an. Daraufhin holte Russland zu einem groß angelegten Militärschlag gegen Georgien aus und besetzte Teile des georgischen Hinterlandes. Südossetien hat nach der Anerkennung durch Russland Ende August Moskau um dauerhaften militärischen Beistand gebeten.

"Anschlag auf Friedensplan"
Russland hat die Bombenexplosion mit sieben Toten in dem von Georgien abtrünnigen Gebiet Südossetien als "Anschlag auf den Medwedew-Sarkozy-Friedensplan" für den Südkaukasus bezeichnet. Die Detonation neben dem Kommandostab der russischen Truppen am Freitag in der Hauptstadt Zchinwali sei "ein sorgfältig geplanter Terrorakt", der gegen das Abkommen von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und Kremlchef Dmitri Medwedew gerichtet sei. Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau laut der Agentur Interfax mit. Es war zunächst unklar, ob der Anschlag Auswirkungen auf den im Abkommen festgelegten Truppenabzug aus der Region hat.

Das Verteidigungsministerium machte für die Explosion der rund 20 Kilogramm starken Autobombe georgische Kräfte verantwortlich. Dies wies das Innenministerium in Tiflis am Abend scharf zurück. Georgien halte die Detonation vielmehr für eine Provokation russischer Geheimdienste, sagte ein Ministeriumssprecher laut Interfax.

Mit dem Anschlag wolle sich Moskau einen Grund für einen späteren Abzug seiner Truppen aus Georgien als zum vereinbarten Termin, dem 10. Oktober, verschaffen, behauptete er. Hingegen macht Südossetien Georgien für die Explosion verantwortlich, bei der am Mittag sieben russische Soldaten ums Leben kamen und mindestens vier weitere Personen verletzt wurden.

(apa/red)

3.10.2008 21:52