Drei Bewerber um Beckstein-Nachfolge:
Seehofer mit besten Chancen auf das Amt
- Schmid verzichtet überraschend auf Kandidatur
- Erste Sondierungen mit der FDP verliefen positiv

Das Feld der Kandidaten für die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein lichtet sich. Der CSU-Fraktionschef, Georg Schmid, erklärte im Münchner Landtag seinen Verzicht. Somit verbleiben noch drei der ursprünglich vier Bewerber: Die bayerischen Landes-Minister Joachim Herrmann (Inneres) und Thomas Goppel (Wissenschaft) sowie der designierte CSU-Chef und deutsche Landwirtschaftsminister Horst Seehofer.
Seehofer scheint die besten Karten zu haben. Er hat zwar erklärt, er werde nur antreten, wenn es keine breite Mehrheit für einen Bewerber aus der Landtagsfraktion gebe. Allerdings mehren sich inzwischen die Stimmen dafür, die Ämter des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten unter Seehofer wieder in einer Person zu vereinen, wie es bis zum Vorjahr unter Edmund Stoiber der Fall war. In vier der zehn CSU-Bezirksverbände gibt es inzwischen eine klare Präferenz für Seehofer, darunter die beiden größten Oberbayern und Oberpfalz sowie auch in Niederbayern und München.
Schmid verzichtet überraschend
Schmid gab seinen überraschenden Kandidaturverzicht in München bekannt. "Nach reiflicher Überlegung und nach zahlreichen Gesprächen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich am besten in meiner bisherigen Funktion als Fraktionsvorsitzender zur notwendigen Geschlossenheit der CSU beitragen kann", heißt es in seiner Erklärung. Zugleich kündigte Schmid an, erneut für das Amt des Landtagsfraktionschefs zu kandidieren.
Der amtierende Ministerpräsident Beckstein hatte mit Blick auf das schlechte CSU-Wahlergebnis und mangelnden Rückhalt in der Partei am Mittwoch angekündigt, er werde sich bei der Neuwahl Ende Oktober nicht mehr zur Wahl stellen. In einer turbulenten Fraktionssitzung hatten sich daraufhin zunächst vier Bewerber um die Nachfolge Becksteins gemeldet.
Beckstein ermahnt zur Geschlossenheit
In einem Gespräch mit der "Mittelbayerischen Zeitung" ermahnte der scheidende Ministerpräsident die CSU zur Geschlossenheit: Es sei immer eine ganz besondere Stärke der CSU gewesen, dass sie ganz Bayern repräsentiere. Sein Nachfolger müsse jemand sein, "der sowohl personell wie auch sachlich überzeugend CSU-Politik der Bevölkerung vermitteln kann".
Der gestürzte Ministerpräsident will als einfacher Abgeordneter im Landtag bleiben; der 64-Jährige schloss gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus, ins Kabinett zurückzukommen. Beckstein betonte, dass er keine Rache an seinem Amtsvorgänger Edmund Stoiber nehmen wolle. Stoiber hatte nach übereinstimmenden Angaben aus der CSU hinter den Kulissen bei seiner Oberbayern-CSU auf den Sturz des Franken Beckstein gedrängt. Er selbst hätte deutlicher herausstellen müssen, dass er andere Akzente gesetzt habe als Stoiber, strich Beckstein im Rückblick auf den Landtagswahlkampf nun hervor. "Es ist aber nicht so, dass ich irgendwelche Rachegelüste gegenüber Stoiber empfinde. Schließlich haben wir über Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet."
Vor dem Hintergrund der massiven Wahlverluste am Sonntag erinnerte die CSU mit einem Gottesdienst und Kranzniederlegungen in Rott am Inn an ihren langjährigen Vorsitzenden Franz Josef Strauß, der vor 20 Jahren starb. Anwesend waren u.a. Seehofer und der wie Beckstein zurückgetretene CSU-Chef Erwin Huber, während sich Beckstein vertreten ließ. Strauß war von 1961 bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1988 CSU-Vorsitzender und seit 1978 zusätzlich bayerischer Ministerpräsident.
Erste Sondierungsgespräche mit der FDP
Unterdessen fanden in München die ersten Sondierungsgespräche der CSU mit der FDP zur Bildung einer neuen bayerischen Regierung statt, für welche die CSU nach Jahrzehnten der Alleinregierung einen Koalitionspartner braucht. Huber bewertete das Treffen positiv. "Ich sehe eine gute Chance zur Vertiefung der Gespräche mit der FDP." Es gebe Übereinstimmung in einer ganzen Reihe von Punkten. Die FDP habe bestätigt, dass sie mit keiner anderen Gruppierung Gespräche führe. Franz Maget gab bekannt, er wolle trotz Wahlverlusten seiner Bayern-SPD bei der Landtagswahl als Fraktionsvorsitzender im Amt bleiben wolle. "Wenn die Fraktion es wünscht, stehe ich auch weiterhin als Vorsitzender zur Verfügung", schrieb Maget in einem Brief an die 39 Abgeordneten der neuen SPD-Fraktion.
Die deutsche Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel sieht sich beim ersten Treffen der Koalitionsspitzen nach der Sommerpause am Sonntag mit Huber einem geschassten CSU-Chef auf Abruf und mit Kurt Beck einem kommissarischen SPD-Chef, der im Oktober von Franz Müntefering abgelöst werden soll, gegenüber.
(apa/red)
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