Grüner Rekordhalter Van der Bellen geht:
Fast elf Jahre lang als Bundessprecher tätig
- Länger Parteichef als alle Vorgänger zusammen
- Mit ihm schafften Grünen Sprung über zehn Prozent

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·Grüner Rekordhalter Van der Bellen geht
Länger Parteichef als alle Vorgänger zusammen
Alexander Van der Bellen hat als Bundessprecher alle Rekorde gebrochen: Mit fast elf Jahren war er ebenso lang an der Spitze wie alle seine Vorgänger zusammen. Denn bis zu seiner Kür im Dezember 1997 wechselte die seit 1986 im Parlament vertretene Partei ihre Frontleute alle zwei Jahre. Mit Van der Bellen schafften die Grünen den Sprung von der "Existenzgrenze" über die Zehn-Prozent-Marke, verankerten sich in allen Ländern und wandelten sich von der Oppositionstruppe zu einer Partei, die in Oberösterreich in einer schwarz-grünen Koalition regiert und dies gerne auch im Bund täte.
Zuletzt - nach den sehr erfolgreichen Jahren unter Schwarz-Blau-Orange - war allerdings der Schwung draußen. Nach ersten Misserfolgen bei Landtagswahlen verpassten die Grünen bei der heurigen Nationalratswahl bei weitem ihre Ziele, Dritte und Regierungspartei zu werden. Van der Bellen gelang es bei seiner vierten Spitzenkandidatur nicht, die von der Großen Koalition frustrierten Wähler für die Grünen zu gewinnen. Sie verloren sogar (erstmals mit Van der Bellen) Stimmen, während FPÖ und BZÖ massiv zulegten. Aber sie haben zum zweiten Mal in Folge die Zehn-Prozent-Marke genommen, die bei Van der Bellens Start 1997 - wo sie nur 4,8 Prozent hatten - in weiter Ferne schien.
Mit 82,3 Prozent zum Bundessprecher gewählt
Parteiintern gelang es dem Wirtschaftsprofessor, den Grünen - die zuvor meist das Bild eines zerstrittenen Haufens abgaben - das Aussehen einer vergleichsweise geeinten, professionellen Partei zu geben. Dies, obwohl 1997 einige Parteikollegen - u.a. Karl Öllinger, Monika Langthaler, Eva Lichtenberger - Nachfolger Christoph Chorherrs werden wollten, der entnervt das Handtuch geworfen hatte. Letztlich ließen sie aber dem damaligen stv. Klubchef Van der Bellen den Vortritt und der Bundeskongress wählte ihn mit 82,3 Prozent. Bei der zweiten Wiederwahl 2002 kam er sogar auf 90,5 Prozent. Heuer, bei der fünften Wiederwahl, reichte es bei zunehmendem Unmut über die "One-Man-Show" nur mehr für 80,7.
Van der Bellen seit 1997 an Parteispitze
Die Funktion des Bundessprechers wurde bei den Grünen erst 1992 geschaffen, der erste in dieser Funktion war Peter Pilz. Nach zwei Jahren löste ihn Madeleine Petrovic ab, die nach dem schwachen Abschneiden bei der Wahl 1995 im Frühjahr 1996 Christoph Chorherr weichen musste. Der hielt sich nur eineinhalb Jahre, im Dezember 1997 begann die Ära Van der Bellens. Vor den "Bundessprechern" hatte es schon Parteisprecher gegeben, die die Grünen nach außen vertraten: Erste beim Einzug ins Parlament 1986 war Freda Meissner-Blau. 1988 übernahm der jetzige EU-Abg. Johannes Voggenhuber diese Funktion, 1990 folgte Franz Floss.
Bei den Klubchefs gab es mit Madeleine Petrovic neben Van der Bellen eine Grüne, die schon einmal länger als zwei Jahre eine Spitzenfunktion innehatte: Sie war 1992 bis 1999 - als Van der Bellen auch diese Funktion übernahm - Klubobfrau.
(apa/red)
