Reformen bei Grünen sind "unvermeidlich":
Für Van der Bellen ist "Neustart" notwendig
- Eva Glawischnig gibt "jetzt geht's los" als Parole aus
- VdB sichert seiner Nachfolgerin absolute Loyalität zu

·Grüne werfen ÖVP
"Fahrlässigkeit" vor
Glawischnig stellt Partei auf Oppositionsrolle ein
·Reformen bei Grünen sind "unvermeidlich"
Van der Bellen sieht Neu- start als notwendig an
·Grüner Rekordhalter Van der Bellen geht
Länger Parteichef als alle Vorgänger zusammen
Der zurückgetretene grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen hat sich für Reformen in seiner Partei ausgesprochen. "Ein Teil ist unvermeidlich", sagte er nach dem rund siebeneinhalbstündigen Bundesvorstand. Seiner Nachfolgerin, Eva Glawischnig, sicherte er absolute Loyalität zu. "Was sie gerne möchte, werde ich tun", sagte Van der Bellen über seine eigene politische Zukunft.
"Das Ergebnis insgesamt legt es nahe, dass die Grünen einen Neustart machen", wünscht sich Van der Bellen den Beginn einer neuen Ära in seiner Partei. Trotzdem solle man den Verlust der Grünen bei der Nationalratswahl "nicht allzu großreden". Ausreichend, um ein "Tamtam" zu machen, sei er aber allemal gewesen. Die Zustimmung zu seiner Nachfolgerin Glawischnig hätte nicht größer sein können. "Sie war einstimmig mit Ausnahme eines Mandatars", spielte er auf die Gegenstimme Johannes Voggenhubers an.
"Jetzt geht's los"
Für Glawischnig selbst ist der Rücktritt des Grünen-Chefs "emotional bewegender Moment" gewesen. "Meine Wertschätzung für Van der Bellen ist jedermann bekannt." Beim Bundesvorstand habe man nochmals eine ausführliche Wahlanalyse betrieben - "jetzt geht's los", so Glawischnig.
Für die niederösterreichische Grünen-Landesobfrau Madeleine Petrovic ist der Rücktritt Van der Bellens unerwartet gekommen: "Heute war das völlig überraschend für mich. Ich hatte große Tränen in den Augen." Auch sie beteuerte die "volle Unterstützung" für Glawischnig und forderte Reformen. "Es ist ja nicht nur ein Austausch an der Spitze." Van der Bellen wie Glawischnig hätten deren beste Wahl geschlagen. "Natürlich kann man es immer besser machen." Petrovic hält es für möglich, dass es bei der Wahl der Nachfolge Van der Bellens - am noch zu veranstaltenden außerordentlichen Bundeskongress - Gegenkandidaten geben kann.
Glawischnig "kein Mann mit Bart"
Eine andere Gangart bei den Grünen sieht nun der Kärntner Landesgeschäftsführer Frank Frey bei den Grünen einziehen: "Es wird sicher ein anderer Stil mit Eva Glawischnig werden, weil sie ist kein Mann mit Bart." Keinen Kommentar nach dem Bundesvorstand wollten die beiden Abgeordneten Karl Öllinger und Peter Pilz abgeben. Mit Bedauern reagierte Georg Willi, Chef der Tiroler Grünen: "Mit dem heutigen Rücktritt geht eine äußerst erfolgreiche Ära an der Grünen Bundesspitze zu Ende", sagte Willi. Er habe die Grünen geprägt wie kein Zweiter. Die Kandidatur von Eva Glawischnig sei eine "große Chance".
(apa/red)
