Van der Bellen wirft doch das Handtuch:
Eva Glawischnig übernimmt Grünen-Spitze
- Professor war elf Jahre Bundessprecher der Grünen
- Rückzug von Parteispitze kein Abschied aus Politik

·"Kronprinzessin" ist
am Ziel angekommen
Eva Glawischnig folgt als Grünen-Bundessprecherin
·Grüner Rekordhalter Van der Bellen geht
Länger Parteichef als alle Vorgänger zusammen
·Grüne unter Van der Bellen verdoppelt
In den Ländern um 50 Prozent gewachsen
Alexander Van der Bellen tritt nach fast elf Jahren als Grüner Bundessprecher ab. Ihm soll seine derzeitige Stellvertreterin Eva Glawischnig folgen. Das teilte Van der Bellen in einer Pressekonferenz anlässlich des Erweiterten Bundesvorstandes der Grünen mit. Glawischnig wird die Agenden Van der Bellens sofort übernehmen.
Beim Erweiterten Vorstand gab es zu dieser Lösung nur eine Gegenstimme, die vom EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber kam. Ausständig ist nun noch die Bestätigung Glawischnigs durch einen außerordentlichen Bundeskongress.
Ein Abschied aus der Politik ist Alexander van der Bellens Rückzug von der Parteispitze nicht. Er legt lediglich die Funktion des Bundessprechers zurück.
Van der Bellen stand den Grünen seit Dezember 1997 vor. Größter Erfolg des 64-Jährigen war die Wahl 2006, wo die Grünen Platz drei erreichten und dadurch in der Folge erstmals in der Volksanwaltschaft und im Präsidium des Nationalrats vertreten waren. Die leichten Verluste beim Urnengang am Sonntag bedeuteten die ersten Einbußen der Grünen unter der Führung Van der Bellens, der viermal als Spitzenkandidat angetreten war - und als solcher die Grünen von 4,8 auf auf über zehn Prozent geführt hat.
Zeit für einen Neubeginn
"Es war eine interessante und schöne Zeit", resümierte der scheidende Parteichef. In den vergangenen elf Jahren habe es die Partei in alle Landtage geschafft, die österreichischen Grünen zählten zu den erfolgreichsten Europas, hob er die Erfolge seiner Amtszeit hervor.
Am Wahlabend habe er bereits gewusst, dass es Zeit für einen Neubeginn in der Partei sei, erläuterte Van der Bellen. Er habe aber mit der Verkündung seiner Entscheidung auf den erweiterten Bundesvorstand warten wollen, sagte er. Nachdem er auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz seinen Rücktritt offiziell mitgeteilt hatte und Eva Glawischnig zu seiner Nachfolgerin erklärt hatte, beschloss er sein Statement mit "Liebe Eva, ich wünsche Dir alles Gute".
"Danke für die schöne Zeit"
Glawischnig dankte es ihm mit den Worten, es tue ihr sehr leid, dass er gehe: "Danke Sascha, danke für die schöne Zeit". In ihrer Stellungnahme hob sie Van der Bellen als einen Politiker hervor, der Rituale in der Politik hinterfragt habe. Dafür würde er über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt, so Glawischnig.
Aus der Politik gänzlich ausscheiden will Van der Bellen offensichtlich nicht. Auf die Frage, ob er auch sein Nationalratsmandat niederlegen wolle, meinte der Professor: "Ich bin ein begeisterter Parlamentarier und sehe keinen Grund, warum ich nicht im Parlament bleiben soll."
(apa/red)
