Mittwoch, 1. Oktober 2008

Wahlkarten bringen Mandatsverschiebung:
FPÖ verliert einen Nationalratssitz an ÖVP

  • Rot-blaue Mehrheit wäre nur mehr hauchdünn
  • Grüne kommen doch noch knapp über zehn Prozent

Die in einer Zwischenauswertung ausgezählten Briefwahl-Stimmen haben die Verschiebung eines Mandats bewirkt: Die FPÖ muss von ihren am Wahlsonntag ausgewiesenen 35 Mandaten eines an die ÖVP abgeben, die nunmehr auf 51 kommt. Die Grünen haben zwar durch die Brief-Wahlkarten die Zehn-Prozent-Marke genommen, den erhofften Mandatszuwachs haben sie aber nicht erreicht. Indes wäre eine Rot-blaue Mehrheit im Parlament nur noch hauchdünn möglich. Noch sind jedoch nicht alle Wahlkarten und Briefwahl-Stimmen ausgezählt. Das endgültige Ergebnis wird erst kommenden Montag vorliegen.

Die neue Briefwahl bewirkt ähnliche Veränderungen, wie sie von den früher schon eingesetzten Wahlkarten bekannt sind: ÖVP und Grüne legen gegenüber dem Ergebnis vom Wahlsonntag um einige Zehntelprozentpunkte zu, SPÖ, FPÖ und BZÖ verlieren etwas. So kommt die SPÖ nach der Zwischenauswertung auf 29,4 Prozent (Sonntag: 29,7), die ÖVP auf 26,0 (25,6), die Grünen auf 10,1 (9,8), die FPÖ auf 17,7 (18,0) und das BZÖ auf 10,8 (11,0). Der Mandatsstand: 58 S, 51 V, 34 F, 21 B, 19 G.

Rot-blaue Mehrheit schmilzt
Nach der Zwischenauszählung hätten SPÖ (58) und FPÖ (34) gemeinsam gerade noch genau die 92 Mandate, die für die absolute Mehrheit erforderlich sind. Das ist für eine Koalition in der Praxis eigentlich zu wenig - abgesehen davon, dass die SPÖ auch nach der Wahl dabei blieb, mit der FPÖ keine Koalition eingehen zu wollen.

Die FPÖ hat in der Zwischenauszählung eines ihrer am Sonntag errungenen 35 Mandate verloren. Mit der Auszählung der restlichen Wahlkarten am Montag könnte Rot-Blau überhaupt unter die 92er-Grenze rutschen. Denn das 58. SPÖ-Mandat wackelt und könnte zu den Grünen wandern. Damit gäbe es außer Rot-Schwarz überhaupt keine Zweier-Mehrheit mehr.

Grüne mit Chance auf 20. Mandat
Die Grünen haben indes noch Chancen, das 20. Mandat zu machen. Dies ginge zulasten der SPÖ, deren bei der Nationalratswahl erobertes 58. Mandat wackelt. Voraussetzung ist, dass bei der endgültigen Auszählung am kommenden Montag noch 30.000 gültige Stimmen von Brief- und Wahlkartenwählern dazukommen, hat die ARGE Wahlen errechnet.

Diese 30.000 Wähler müssten ähnlich abstimmen wie die gestern, Dienstag, ausgezählten Briefwahlstimmen. Die Grünen müssten bei ihnen also auf rund 14,6 Prozent kommen, die SPÖ auf 25,7.

Öllingers Platz wackelt
Gemäß den bisherigen Verschiebungen war bei den Grünen nur ein Mandat intern hin- und her gewandert. In Oberösterreich wurde doch ein dritter Sitz erobert, den Verkehrssprecherin Gabriela Moser einnehmen wird. Dafür ging ein Mandat auf der Bundesliste verloren, womit Sozialsprecher Karl Öllinger draußen wäre. Dieser kann aber noch auf das 20. Mandat hoffen.

In der Zwischenauswertung wurden 324.566 für die Briefwahl eingesetzte Wahlkarten ausgezählt, das sind 55,32 Prozent der heuer insgesamt angeforderten 586.759. Ein Teil der Wahlkarten - jene geschätzt 140.000, die am Sonntag im eigenen Wahlkreis abgegeben wurden - war bereits in dem am Wahlabend verkündeten vorläufigen Endergebnis enthalten.

(apa/red)

1.10.2008 11:59