Gibt es in Österreich zu wenig Fluglotsen?Massive Kritik von Seiten der Berufspiloten
- Justiz behindert Arbeit von Flugunfall-Untersuchern
- ACA: Personalnot in Flugunfall-Untersuchungsstelle

Der Verband Österreichischer Berufspiloten ortet eine prekäre Personalnot bei Fluglotsen. "Es fehlen in Österreich zwischen 60 und 70 Lotsen. Wegen Personalknappheit wurden Flugsektoren geschlossen", kritisierte der Präsident der Austrian Cockpit Association (ACA), Christoph Mair.
Die ICAO (Internationale Zivilluftfahrt-Organisation) habe Österreich mehrfach überprüft und fehlendes Personal und Mittel festgestellt. "An diesem Umstand wurde bis zum heutigen Tag nichts geändert. Verkehrsminister Werner Faymann ist untätig geblieben." Im letzten Audit seien um die 40 Mängel festgestellt worden, betonte der Verbandspräsident.
Keine Stellungnahme des Verkehrsministerium
Die Flugunfalluntersuchungsstelle (FUS) sei ebenfalls personell unterbesetzt. "Nur mehr drei Unfalluntersucher stehen zur Verfügung. Am Wochenende kann kein 24-Stunden-Dienst gewährleistet werden", sagte Mair. Es gebe zwar einen Telefondienst, doch keine Experten, die zu den Unfallstellen fahren könnten. Auch finanziell sei die FUS in letzter Zeit massiv beschnitten worden. Das Verkehrsministerium gab trotz mehrmaligen Nachfragens keine Stellungnahme zu den inhaltlichen Vorwürfen ab.
Anlässlich des Kompetenzstreits zwischen der Staatsanwaltschaft und der FUS, der nach dem Flugunfall in Zell am See vom 5. März 2007 mit acht Toten ausgebrochen war, hat die ACA eine Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel eingebracht. Sie sah im Vorgehen der Justiz einen Verstoß gegen internationale Vorschriften und das EU-Recht.
Justiz behindert Arbeit von Flugunfall-Untersuchern
Die Justiz habe die Arbeit von Flugunfall-Untersuchern in drei bekannten Fällen behindert, kritisierte der Berufspilotenverband. Die Staatsanwaltschaft habe die Wracks von Luftfahrzeugen für den gerichtlich beeideten Sachverständigen beschlagnahmen lassen und damit den Flugunfalluntersuchern den sofortigen Zugang verwehrt. Die Experten der FUS müssten aber zum frühestmöglichen Zeitpunkt an Ort und Stelle sein, sonst könnten keine sicherheitsrelevanten Ergebnisse erzielt werden.
Die Abteilung für Energie und Transport der EU habe in einem Schreiben an den Generalsekretär der europäischen Pilotenvereinigung (European Cockpit Association) vom 4. März 2008 einen möglichen Verstoß gegen ein EU-Direktive erkannt und Österreich um Stellungnahme gebeten, erläuterte Mair. Mittlerweile hat das Justizministerium in einem Erlass das gleichzeitige, koordinierte Vorgehen von gerichtlich beeideten Sachverständigen und Flugunfalluntersuchern detailliert erläutert, um Kompetenzstreitigkeiten in Zukunft zu vermeiden.
Der nach dem Flugunfall in Zell am See entfachte Streit hatte sogar ein Strafverfahren gegen einen Flugunfalluntersucher zur Folge, das nach drei Monaten aber eingestellt wurde. Der Experte ließ sich karenzieren, was die Personalnot in der Flugunfallkommission laut Mair noch verschärft hat.
(apa/red)
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