Freitag, 3. Oktober 2008

Kasachischer Ex-Geheimdienstchef sollte in Wien entführt werden: Kein Polizeischutz

  • Mussajev von Unbekannten angegriffen und verletzt
  • Ermittlungen der Staatsanwalt seien schon im Gange

Der ehemalige kasachische Geheimdienstchef Alnur Mussajev ist Ende September in Wien von bisher unbekannten Tätern angegriffen und verletzt worden. Das bestätigte das Innenministerium. Bei der Staatsanwaltschaft Wien geht man von einem Entführungsversuch aus, entsprechende Ermittlungen seien im Gange. Mussajev, der wie der ehemalige kasachische Botschafter Rakhat Alijev (Aliyev) in Wien lebt, wurde in seinem Heimatland wegen versuchten Staatsstreichs zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Behörden dementieren Medienberichte, wonach Mussajev unter Polizeischutz stehe.

Zu dem Überfall kam es am Montag, dem 22. September, in der Nähe der Wiener Universität. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, der APA auf Anfrage mitteilte, seien Alnur Mussajev und seine Begleiterin von drei Männern angegriffen und verletzt worden. Die Täter seien flüchtig, die Ermittlungen zu dem Fall laufen noch. "Es könnte ein Entführungsversuch gewesen sein", so Jarosch. In diesem Falle sei er "jedenfalls gescheitert". Mussajev wird mit Alijev, dem abgesetzten kasachischen Botschafter in Österreich, in Verbindung gebracht. Beide wurden in ihrem Heimatland in Abwesenheit unter anderem wegen versuchten Staatsstreichs verurteilt - Mussajev zu 20, Alijev zu 40 Jahren Haft.

Dem Geschäftsmann und Ex-Diplomaten Alijev, der, bis er in Ungnade fiel, Schwiegersohn des kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew war, wird in seiner Heimat überdies die Entführung von zwei Bankmanagern zur Last gelegt. In österreichischen Medien hatte er stets seine Unschuld beteuert und von politischen Intrigen gesprochen. Die von Kasachstan geforderte Auslieferung Alijevs wurde im August 2007 von Österreich abgelehnt mit der Begründung, dass der Ex-Diplomat in seiner Heimat nicht mit einem fairen Verfahren rechnen könne. In österreichischen Medien wurde daher spekuliert, Präsident Nasarbajew versuche nun auf illegalem Weg, Mussajev und Alijev nach Kasachstan zu holen.

Im vergangenen Sommer wurden nach Angaben des Innenministeriums auch der Leibwächter Alijevs und seine Familie Opfer eines Angriffs. Entgegen anderen Medienberichten stehen aber weder Alijevs Leibwächter noch Alnur Mussajev unter Personenschutz der Polizei. "Ob es einen privaten Personenschutz gibt, weiß ich nicht - Polizeischutz gibt es jedenfalls nicht, da wir keine Veranlassung dazu sehen", so ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag gegenüber der APA. Berichte, wonach das Haus von Alijevs Leibwächter in Wien seit Sommer von WEGA-Beamten bewacht werde, wurden von den Behörden als unwahr bezeichnet.

(apa/red)

3.10.2008 17:22