"Rettet Österreich" besetzt das Parlament:
Virtueller Gebäudesturm via Web-Plattform
- "whatsyourplace.at" feierte Launch in Österreich
- Community ermöglicht symbolischen Besitz von Orten

Umfragen prognostizieren für die beiden Volksparteien und Koalitionäre Verluste die Chance für kleinere Parteien, die bisher nicht im Nationalrat vertreten sind? Die Bürgerinitiative Rettet Österreich möchte die Bürger laut Spitzenkandidat Wilfried Auerbach davor retten, dass sie selber nichts mehr selber entscheiden dürfen. Um dieses Ziel zu unterstreichen, hat die Partei nun kurzerhand das Parlamentsgebäude und damit das oberste Entscheidungsorgan erworben.
Die Übernahme des Parlamentes fand zwar nur virtuell auf dem Internetportal www.whatsyourplace.at statt, dafür wurde das Gebäude jedoch ehrlich erstanden und der volle Kaufpreis in Höhe von 9,95 Euro bezahlt. Mit einem Augenzwinkern sieht Auerbach in der virtuellen Übernahme das ideale Symbol für sein zentrales Anliegen: "In einigen Jahren soll die Macht wieder an das Volk zurückgegeben werden".
Neuer Besitzer für Tierschutzministerium
Tatsächlich scheint das Beispiel Schule zu machen: Die Tierrechtepartei, die in Wien antritt, hat das Gesundheitsministerium und damit auch das Tierschutzministerium erworben. Spitzenkandidat Ralph Chaloupek freut sich, dass das Grundstück auf WhatsYourPlace noch frei war. "Mit der virtuellen Besetzung möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Tierrechte bei etablierten Parteien keine Lobby haben". Auch bei den Nachbarn aus Bayern scheint sich die virtuelle Landnahme herumgesprochen zu haben: Zur ebenfalls am Sonntag
stattfindendenen Bayernwahl hat die Linkspartei die Staatskanzlei gekauft.
Facebook für Grundstücke
Möglich werden diese virtuellen Hausbesetzungen durch die Communityplattform whatsyourplace.at, die diese Woche Ihren Launch in Österreich feiert. Bei WhatsYourPlace können Mitglieder auf Google Maps Basis jeden Ort der Welt symbolisch besitzen und virtuell darstellen. Der Spaß und der Austausch der Mitglieder stehen dabei im Vordergrund. Im Unterschied zu anderen Community-Plattformen geht es auf WhatsYourPlace nicht darum, wer oder was man ist, sondern um die eigenen Ländereien. "Der gemeinsame Bezug zu einem bestimmten Ort bildet die unkomplizierte Gesprächsgrundlage", erläutert Geschäftsführer Tobias Lampe. So können die Mitglieder Nachrichten oder sogar passende Bilder zu den Grundstücken anderer Landbesitzer hinterlassen.
Mittelfristig möchte die Plattform die erste Anlaufstelle für alle Onliner werden, die Freude daran haben, einen bestimmten Ort nach außen darzustellen. So soll eine Weltkarte entstehen, die sich auf die Mitglieder verteilt und mit deren Erlebnissen, Meinungen und Emotionen gefüllt ist - ein Facebook für Grundstücke.
Von Teenager bis Silver Surfer
Durch die einfache Bedienbarkeit richtet sich WhatsYourPlace an eine breite Zielgruppe. Die bisherige Nutzerstruktur weist einen Altersdurchschnitt von etwas über 30 Jahren aus, jedoch mit großer Streuung vom Teenager bis zum Silver Surfer. Durch den steigenden Bekanntheitsgrad wird der virtuelle Landbesitz natürlich auch für Institutionen wie Parteien, aber auch Unternehmen interessant. Um in Österreich schnell Fuß zu fassen, wurde bereits eine Kooperation mit dem führenden Sozialen Netzwerk Szene1.at geschlossen. Der Erwerb des Parlamentes dürfte somit nicht die letzte Hausbesetzung 2.0 gewesen sein. (red)
