Montag, 29. September 2008

Dollar-Millionen für die US-Pleitebosse:
Bankenchefs erhielten fürstliche Gehälter

  • FORMAT: 71,9 Mio. Dollar für den Lehman-Boss Fuld
  • Firmenbosse erhalten 345 mal so viel wie Angestellte

Die Chefs der US-Banken streifen abenteuerliche Gagen ein. Auch jene Bosse, die ihr Unternehmen an die Wand gefahren haben. Eine Summe von 71,9 Millionen Dollar, wie sie Lehman-Boss Richard S. Fuld im vergangenen Jahr einstreifen konnte, ist für Otto Normalverbraucher jenseits aller Vorstellungskraft. Damit es leichter geht: 71,9 Millionen Dollar bedeuten einen Stundenlohn von 8.208 Dollar - für jede Stunde und jeden Tag im Jahr. Erfolg muss man bei dieser Gehaltshöhe nicht unbedingt nachweisen, denn Lehman Brothers suchte im September um Gläubigerschutz an.

Sein eigenes Geld hat Fuld (Spitzname: "Gorilla") nicht nur an der Börse investiert: Ihm gehört ein 11-Millionen-Dollar-Anwesen mit 16 Zimmern und eigenem Squash-platz in Greenwich, Connecticut. Fuld und seine Frau Kathleen haben zehn Autos und drei Kinder. Für 21 Millionen Dollar leistete sich der 62-Jährige vor drei Jahren zudem ein Vier-Zimmer-Apartment an der Park Avenue in Manhattan. Seine Frau ist Kunstsammerlin und Vizechefin des Museum of Modern Art.

Der 50-jährige Daniel H. Mudd, Ex-Chef von Fannie Mae, ist weniger kunstbeflissen. Sein Unternehmen wurde wie der US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac durch eine Verstaatlichung gerettet. Mudd und Freddie-Boss Richard F. Syron verdienten im Vorjahr trotz Krise gut - nun werden sie aber um ihre Abfertigung umfallen. "Es wäre skrupellos, diese aufgeblasenen Zahlungen zu leisten, vor allem, da die Führung von Fannie und Freddie wohl kaum gute Noten verdient hat", wird US-Senator Charles Schumer zitiert. Mudd hätte 8,4 Millionen Dollar erhalten sollen, Syron 15,5 Millionen, errechneten Unternehmensberater.

Auch die Versicherung AIG konnte nur vom Staat gerettet werden. Im Juni wurde dort Martin J. Sullivan als Chef verabschiedet, nachdem er die schlechtesten Ergebnisse seit 89 Jahren präsentiert hatte - mit 47 Millionen Euro Gage (inklusive vier Millionen Euro Bonuszahlungen).

Relation hat sich verschoben
Zu Beginn der 80er-Jahre lag das Gehalt eines Unternehmenschefs rund 30- bis 40-mal höher als das Einkommen eines durchschnittlichen Mitarbeiters. Mittlerweile hat sich diese Differenz in den amerikanischen Großunternehmen auf das 345fache vergrößert. Im Durchschnitt verdienten die Generaldirektoren von 410 Unternehmen aus dem Aktienindex S&P 500 im Vorjahr 8,4 Millionen Dollar.

Dass die amerikanischen Steuerzahler nun für die Rettung des Finanzsektors herhalten müssen, während die Bankenbosse bestens entlohnt wurden, hat in den USA zu heftigen Diskussionen geführt. Aus diesem Grund hat AIG-Boss Robert Willumstad, der die Assekuranz von Juli bis September 2008 leitete, den Golden Handshake ausgeschlagen. Vertraglich stünden ihm 22 Millionen Dollar zu. In einer Mail erklärte er aber, es wäre nicht richtig, die Zahlung anzunehmen, wenn so viele Aktionäre und Mitarbeiter ihr Geld verloren haben. Immerhin etwas.

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29.9.2008 09:42