Montag, 22. September 2008

Sozialpartnerschaft blüht heiße Lohnrunde:
Gewerkschaften fordern kräftige Erhöhung

  • Arbeitgeber wollen eine einmalige Lohn-Abgeltung
  • Teuerung, Finanzkrise & Konjunkturschwäche präsent

Am kommenden Freitag zwei Tage vor der Nationalratswahl fällt der Startschuss für die richtungsweisende Metallerlohnrunde: Überschattet werden die Verhandlungen von der hohen Teuerung und der schwächelnden Konjunktur und der Finanzmarktkrise. Die Gewerkschaft will mit Verweis auf die guten Unternehmensergebnisse für die Beschäftigten kräftige Lohnerhöhungen erkämpfen. Die Unternehmer verweisen unter anderem darauf, dass auch sie von der rohstoffgetragenen Inflation betroffen sind.

Einig sind sich die Sozialpartner darüber: Die Verhandlungen werden heuer sehr schwierig. Es gebe keinen Grund für Lohnzurückhaltung, hatte Metaller-Chef Erich Foglar zur APA im Vorfeld der Verhandlungen betont. Und auch Angestellten-Verhandler Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck Journalismus, Papier (GPA-DJP) sieht einen deutlichen Spielraum für Abschlüsse über der Inflationsrate. Ein Abschluss unter der Inflationsrate ist für die Gewerkschaft nicht vorstellbar und hat es auch seit 1990 nicht gegeben.

Theoretische Anhebung von 4 Prozent errechnet
Grundsätzlich werden für die Lohnfindung immer die gleichen Eckdaten herangezogen, nämlich: Inflation, Wirtschaftswachstum, Produktivität und die Entwicklungen der einzelnen Branchen, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Die Inflationsberechnung für die KV-Verhandlungen basiert auf einem Durchschnittswert für den Zeitraum November 2007 bis Ende Oktober 2008. Dieser beträgt 3,5 Prozent (Für 2009 wird von den Wirtschaftsforschern eine Teuerung von 2,7 Prozent prognostiziert). Dazu kommt ein erwartetes Produktivitätsplus von rund 1,0 Prozent, so dass für die Arbeitnehmer bei den Verhandlungen rund 4 Prozent mehr Lohn herauskommen müsste.

Arbeitgeber-Verhandler und Leitz-Geschäftsführer Hermann Haslauer warnt, die Inflation sei vor allem von den Rohstoffen getragen und betreffe die Arbeitgeber genauso wie die Arbeitnehmer. Die Unternehmen, die mit Fixpreisen arbeiten können die Rohstoffverteuerungen nicht weitergeben. Eine "vernünftige Lösung", so Haslauer wären neben der prozentuellen Erhöhung keine nachhaltigen Einmalzahlungen - wie bereits in den vergangen beiden Jahren vereinbart.

3,6-prozentige Erhöhung im Vorjahr
Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner bei einer Inflation von 2,1 Prozent auf eine Erhöhung der Mindestlöhne und -gehälter um 3,6 Prozent, die Ist-Löhne wurden um 3,5 Prozent angehoben, davon können 0,3 Prozent individuell im Betrieb verteilt werden. Zusätzlich zur prozentuellen nachhaltigen Lohn- und Gehaltserhöhung wurde eine Einmalzahlung von 200 Euro, fällig mit der März-Abrechnung 2008 vereinbart. Die Einmalzahlung wird an den Betriebserfolg der jeweiligen Unternehmen gekoppelt: In Betrieben mit einem Betriebserfolg (EBIT) von weniger als 6 Prozent der Betriebsleistung beträgt die Einmalzahlung nur 150 Euro. Ist das EBIT null oder negativ, entfällt die Einmalzahlung ganz. Eine ähnliche Paketlösung wäre auch bei den kommenden KV-Verhandlungen denkbar.

Metallergewerkschaft und GPA-DJP werden am Freitag um 13:30 im Haus der Industriellenvereinigung den Arbeitgebern ihr Forderungspaket überreichen. Traditionell werden darin noch keine prozentuellen Forderungen enthalten sein. Im Anschluss daran findet traditionell ein Wirtschaftsgespräch statt, bei dem die Eckpunkte abgesteckt werden. Die erste echte Verhandlungsrunde startet am 3. Oktober, für den 17. Oktober wurde ein weiterer Termin anberaumt.

Die Metallerverhandlungen haben traditionell Signalwirkung für alle weiteren Verhandlungen. Größte KV-Gruppen sind der Handel und die Beamten.
(apa/red)

22.9.2008 12:38