Hochspannung vor dem ersten Nacht-GP:
In Singapur wird Flutlichtpremiere steigen
- 1.600 Projektoren lassen die Rennstrecke erstrahlen
- Fahrerlager befürchtet Niederschläge und Lichtausfall
·"Will Angelegenheit
hinter mir lassen"
Hamilton gibt sich nach
Monza-Urteil kämpferisch
·Einspruch von Lewis Hamilton abgewiesen
Gericht weist Einspruch von McLaren zurück
·In der Formel 1 wird es jetzt finstere Nacht
Premiere für Flutlicht am Renncircuit von Singapur

Die Spannung vor dem ersten Flutlicht-Rennen der Formel-1-Geschichte hat in Singapur kurzfristig sogar den aktuellen WM-Kampf in den Hintergrund gedrängt. "Es ist das erstmalige Fahren in der Nacht, das uns alle ganz aufgeregt macht", sagte WM-Leader Lewis Hamilton vor dem ersten "Nightrace" in der Motorsport-Königsklasse. Der vier Rennen vor Schluss mit 78:77 Punkten vor Felipe Massa (Ferrari) führende Brite würde am Sonntag liebend gerne als strahlender erster Sieger eines Formel-1-Nachtrennens aus seinem McLaren steigen.
Das hatte Hamilton zuletzt zwar ohnehin schon vor drei Wochen in Spa getan, aber durch die umstrittene 25-Sekunden-Strafe war der junge Engländer dann doch nur Dritter und Ferrari-Rivale Massa Sieger geworden. An diesem unverständlichen Urteil änderte auch die Farce von Paris nichts, wo die FIA zwei Tage benötigte, um festzuhalten, was sie vorher schon gewusst hatte. Nämlich, dass gegen das Urteil kein Einspruch möglich war, weil es sich an sich um eine Durchfahrtsstrafe gehandelt hatte.
Ein angesichts der fundamentalen Auswirkung - Hamilton hätte sonst mit acht statt mit nur einem Punkt geführt - "weltfremdes" Urteil. Doch Hamilton blieb trotz seiner Jugend ganz britischer Gentleman und ließ sich in Singapur nichts Kritisches entreißen. "Ich bin nicht enttäuscht. Wir sind hier, um Rennen zu fahren und nicht, um zu reden", ließ sich der 23-Jährige nur entlocken.
Strecke heller als Fußballstadion
Tatsächlich überstrahlte die Aufregung vor dem ersten Flutlicht-GP in der 59-jährigen Formel-1-Geschichte bei praktisch allen Fahrern selbst die aktuelle WM-Diskussion. Keiner der Piloten konnte seine Neugier auf das erste Training für das nach Melbourne, Monaco, Montreal und Valencia bereits fünfte Stadt-Rennen der Saison, das am Sonntag um 20.00 Uhr Ortszeit (14.00) nur 281 Kilometer südlich des Malaysia-GP in Sepang in Szene geht, verbergen.
Auch nicht, nachdem sie am den im gleißenden Kunst-Licht liegenden Kurs zu Fuß, per Rad oder auf dem Scooter umrundet hatten. Was sie sahen, beeindruckte sie tief. 1.600 Projektoren machen den spektakulären und von Leitschienen eingerahmte Stadt-Kurs mit seinen 23 Kurven viermal heller als ein Fußballstadion. Der 5,062 km lange Marina-Bay-Street-Circuit, der gegen den Uhrzeigersinn durch Wolkenkratzer-Schluchten, vorbei am Wasser, über die enge Anderson-Brücke und sogar unter einer Zuschauer-Tribüne hindurch führt, ist einzigartig. "Man hat hier einen wirklich guten Job gemacht", lobte Red-Bull-Pilot David Coulthard.
Hamilton zeigt kindliche Vorfreude
Alleine das Rennfahren war bis zuletzt die große Unbekannte. "Wir wissen nicht wirklich, was auf uns zukommt. Aber es wird bestimmt einmalig, wir sind wegen dieser Sache hier alle sehr aufgeregt", zeigte Hamilton fast schon kindliche Vorfreude auf das Flutlicht-Spektakel zu später Stunde, das den Formel-1-Tross freilich dazu zwingt, die Nacht zum Tag zu machen.
Weil der 800. Grand Prix der Formel-1-Geschichte am Sonntag erst um 20.00 Uhr Ortszeit und das Qualifikationstraining am Samstag gar erst um 22.00 Uhr beginnt (Pressekonferenz mit u.a. Gerhard Berger um 23.15 Uhr!), müssen Fahrer und Teams in der Europa-Zeitzone weiterleben, um am Abend in Höchstform zu sein.
Eine Herausforderung, der die Piloten nicht nur mit abgedunkelten Hotelzimmern, sondern auch mit Humor begegnen. "Red Bull macht ohnehin jeden Abend Party, wo ist das Problem?", meinte etwa Coulthard-Teamkollege Mark Webber und Coulthard selbst hatte die Lacher auf seiner Seite als man ihn fragte, wie er sich denn bis vier Uhr früh sinnvoll die Zeit vertreibe. "Ganz einfach. Ich habe meine Frau Karen mit", so der Schotte.
Kovalainen zu Scherzen aufgelegt
Auch im McLaren-Lager gab man sich vor den vielen Nachtschichten "aufgeweckt". "In Finnland ist es den ganzen Tag finster, ich bin das gewohnt", scherzte Hamiltons finnischer Teamkollege Heikki Kovalainen, ehe er etwas ernster anfügte: "Ich sehe in den kommenden Tagen nur auf meine Uhr und nicht, ob es draußen hell oder dunkel ist."
Was blieb, war die Angst vor dem Regen, auch wenn die Wetterpropnosen zumindest bis Samstag Trockenheit versprechen. Denn Niederschläge sind am Äquator gerade am späten Nachmittag fast schon an der Tagesordnung. "Was dann auf uns zukommt, kann sich noch keiner vorstellen", rätselte Coulthard. Hamilton machte hingegen nur eines Sorge: "Dass plötzlich die Lichter ausgehen. Das ist ja kein Fußballspiel, wo du von einer Sekunde auf die andere einfach stehen bleiben kannst."
(apa/red)
