Donnerstag, 25. September 2008

Soeder will Radsport doch erhalten bleiben:
Entscheidung über Karriere fällt demnächst

  • Arbeit als Sport- oder Präventivmedizinerin denkbar
  • Soeder: "Doping kommt für mich nicht in Frage"

Christiane Soeder hat leicht lachen. Am Tag nach dem Gewinn von WM-Silber, ihrer zweiten WM-Medaille im Einzelzeitfahren, plauderte die 33-Jährige in bester Stimmung über ihren Weg zur erfolgreichsten ÖRV-Aktiven im Straßenrennen und ihre Zukunft. Über die Fortsetzung der Spitzensport-Karriere will sie in den nächsten zwei Wochen entscheiden.

Dem Radsport wird die Ärztin aber jedenfalls erhalten bleiben. Soeder schwebt eine Tätigkeit in der Sport- und Präventiv-Medizin vor. Etwa um Konzepte für Kinder zu entwickeln. "Da ist Radsport ideal, das würde mir Spaß machen."

"Fräulein Immerfröhlich", wie sie von ihrer Oma genannt wurde, war mit ihrer Leistung am Mittwoch voll zufrieden. Das sei, unabhängig vom Ergebnis, für sie persönlich immer das Wichtigste. "Nach Peking (Rang sieben, Anm.) wollte ich unbedingt ein gutes Zeitfahren bestreiten - und es war wirklich ein gutes Rennen", betonte die Wahl-Wienerin.

"Natürlich ist es schön, wenn man dann belohnt wird für die harte Arbeit, eine Medaille ist toll, jeder will Anerkennung." So wird das Standard-Edelmetall der UCI, auf dem nicht einmal der Name des WM-Schauplatzes Varese aufscheint, in Soeders Wohnung neben den anderen Medaillen einen Ehrenplatz erhalten.

"Doping kommt für mich nicht in Frage"
Einen großen Anteil an den Erfolgen schrieb die gebürtige Deutsche ihrem Team zu. Im Cervelo-Rennstall sei alles perfekt. "Doping kommt für mich nicht in Frage, daher ist es wichtig, alles andere auszuschöpfen, wie Material und Ernährung", erklärte Soeder. Im Zeitfahren rollte sie mit einem Prototyp einer Cervelo-Zeitfahr-Maschine bis auf 7,56 Sekunden an Gold heran. Dabei wurde sie von einem Kameramann begleitet, die Bilder wurden live nach Las Vegas übertragen. "Ich war die Erste, die dieses Rad eingesetzt hat", meinte Soeder stolz.

Ihr Team gibt ihr auch Zeit, über die Zukunft zu entscheiden. "Ich muss jetzt einmal zur Ruhe kommen", sagte Soeder, die immer noch großen Spaß am Training hat. Es stelle sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. "Nach einem guten Ergebnis denkt man sich natürlich, vielleicht ist noch mehr drinnen." Radsport nimmt den Großteil der Zeit der seit vielen Jahren mit dem Ex-Leichtathleten Bernhard Richter liierten Athletin in Anspruch, doch es gibt auch Anderes - den Beruf und den Wunsch, eine Familie zu gründen.

Mehrere Stationen auf Weg zu WM-Silber
Als Kind konnte Soeder daheim in Remscheid (Nordrhein-Westfalen) nie ruhig sitzen. Daher hat auch die Klavierlehrerin empfohlen, sie solle Sport betreiben. So wurde der Grundstein für eine Karriere in der Leichtathletik (deutsche Jugend- und Juniorenmeisterin auf der Mittelstrecke), im Duathlon (zweimal WM-Bronze) und schließlich im Radsport (WM-Silber und Bronze) gelegt.

Dass heute viele Kinder übergewichtig sind und in weiterer Folge krank werden, schmerzt Soeder. "Aber ich bin zuversichtlich, es ist ein Umdenken da, dass sich Kinder wieder mehr bewegen müssen." Radsport biete sich da perfekt an, sie würde gerne Konzepte entwickeln.
(apa/red)

25.9.2008 13:39