CSU bangt in Bayern um absolute Mehrheit:
SPD will bei Landtagswahl 25 % erreichen
- Zumindest offiziell herrscht Zuversicht auf allen Seiten
- Beckstein überzeugt, auf über 50 Prozent zu kommen

·CSU-Parteichef Huber auf "Politik-Kreuzzug"
Größte Gefahr für CSU: Geringe Wahlbeteiligung
·Wahlkampfthemen der einzelnen Parteien
Klicken: Programme von CSU bis FDP im Überblick
·Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien
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·Die Besonderheiten im Freistaat Bayern
Landtagswahlrecht: Zwei Stimmen für einen Bürger
·Die Bayern-Wahl als Stimmungsbarometer
Weitreichende Folgen für Bundestagswahl 2009
·Bayern jenseits von Bier und Weißwurst
Modernisierungsmotor aber zutiefst traditionell
·Letzte Landtagswahl: Das Ergebnis von 2003
Infografik: Sitzverteilung im bayerischen Landtag
Hochspannung in Bayern vor der Landtagswahl: Der seit 1966 alleinregierenden CSU droht an diesem Sonntag Umfragen zufolge der Absturz unter die 50-Prozent-Marke. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Christsozialen künftig einen Koalitionspartner brauchen. Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) demonstrierte dennoch Siegeszuversicht und kündigte an, bis 2013 im Amt bleiben zu wollen. Sein SPD-Herausforderer Franz Maget setzt dagegen weiter auf eine Mehrheit für eine SPD-geführte Regierung. Auch in Berlin wird der Ausgang der Wahl mit Spannung erwartet, die als Stimmungstest für die Bundestagswahl 2009 gilt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte bei der zentralen CSU-Abschlusskundgebung in München, Bayern müsse weiter allein von der CSU regiert werden. "Bayern ist da, wo der Bund noch hin will. Da bin ich ein bisschen neidisch", sagte sie. "Die Politik der CSU hat Bayern stark gemacht und damit auch ganz Deutschland." Die Kanzlerin rief die Bürger auf, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Viele Menschen auf der Welt, die in Diktaturen lebten, träumten von freien Wahlen.
Müntefering nennt Gegner "Waschlappen"
Der designierte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte bei der Abschlusskundgebung der bayerischen SPD in Nürnberg, Bayern stehe vor einer historischen Entscheidung. Er gehe davon aus, dass die CSU-Verluste am Sonntag so hoch ausfallen, dass bei den Hochrechnungen der schwarze Balken unten aus dem Fernseher herauskommen werde. Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber nannte er erneut "Waschlappen".
Rund 9,3 Millionen Stimmberechtigte sind zur Wahl aufgerufen. Im Landtag sind insgesamt 180 Sitze zu vergeben, darunter 91 Direkt-und 89 Listenmandate. Die Wahllokale öffnen von 08.00 bis 18.00 Uhr.
"Das klare Wahlziel heißt 50 Prozent plus X. Ich bin guter Dinge, dass wir das erreichen", sagte Beckstein (64) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Und unter der Voraussetzung, dass mir der Herrgott Gesundheit, die bayerischen Bürger das Vertrauen und die Partei die Unterstützung geben, bin ich dann bis 2013 gewählt." Maget (54) hielt an seinem Ziel von mindestens 25 Prozent fest. Dies sei "ein ehrgeiziges Ziel, aber erreichbar", sagte er der dpa. Er bekräftigte erneut, ein Bündnis gegen die CSU schmieden und neuer Ministerpräsident werden zu wollen. "Wenn es erreichbar ist, eine Konstellation diesseits der CSU, dann stünde ich dafür zur Verfügung." Eine Kooperation mit der Linken schloss er erneut aus.
Die CSU lag in jüngsten Umfragen knapp unter 50 Prozent, die SPD bei rund 20 Prozent. Allerdings war fast jeder Zweite Wahlberechtigte noch unentschlossen. Entscheidend für die künftigen Machtverhältnisse wird auch sein, wie viele Parteien die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.
FDP vor Rückkehr ins Parlament
Neben CSU, SPD und Grünen steht die FDP nach 14 Jahren vor dem Wiedereinzug ins Parlament, den Freien Wählern könnte dies erstmals gelingen. Zudem rechnen sich die Linken, die in Umfragen knapp unter fünf Prozent lagen, gute Chancen aus. Vor allem im Falle eines Sechs-Parteien-Parlaments wäre die absolute Mehrheit der CSU im Landtag in Gefahr. Die FDP hat sich bereits als Koalitionspartner angeboten.
2003 hatte die CSU unter Edmund Stoiber mit 60,7 Prozent der Stimmen erstmals eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag errungen. Die SPD erzielte mit 19,6 Prozent ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis.
Grünen-Spitzenkandidat Sepp Daxenberger sagte der dpa, er rechne fest damit, dass die Grünen 10 Prozent der Stimmen holen und damit drittstärkste Kraft im Landtag bleiben. "Ich bin sehr optimistisch."
Die Spitze der Linken setzt darauf, dass die Partei den Einzug ins Parlament schafft. Damit würde sich nicht nur die politische Kultur in Bayern verändern, sondern auch ein Signal nach Berlin gesendet, sagte Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi. Parteichef Oskar Lafontaine betonte, die CSU brauche "endlich einen Denkzettel".
Gegen "Braune Banden"
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, rief die Wähler zu einem Bekenntnis gegen Rechts auf. "Braune Banden" dürften kein politische Gewicht erhalten.
Bundespolitisch würden größere Stimmenverluste für die CSU auch die Union insgesamt schwächen. Zudem könnte die Wahl Folgen für die Wahl des Bundespräsidenten im Mai 2009 haben. Sollte ein Rückgang der CSU-Stimmenzahl nicht durch einen Erfolg der FDP und der Freien Wähler kompensiert werden, könnte die knappe schwarz-gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten wählt, weg sein.
(apa/red)
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