Terror-Alarm am Flughafen Köln: Polizei nimmt zwei Verdächtige in Flugzeug fest
- Wollten sich offenbar am "Heiligen Krieg" beteiligen
- Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen in Österreich

Die Polizei hat am Kölner Flughafen zwei aus Somalia stammende Terrorverdächtige kurz vor dem Start ihrer Maschine nach Amsterdam festgenommen. Die beiden Islamisten seien entweder unterwegs in ein Terrorlager gewesen oder hätten sich direkt am bewaffneten Kampf in Ostafrika beteiligen wollen, hieß es in Sicherheitskreisen. Von Amsterdam aus hätten sie nach Uganda weiterfliegen wollen. Laut nordrhein-westfälischem Landeskriminalamt hinterließen die Männer Abschiedsbriefe. Eine Anschlagsgefahr in Deutschland habe aber nicht bestanden.
Der niederländische Justizminister Ernst Hirsch Ballin sagte in Den Haag, es habe weder gegen die Niederlande noch gegen die Fluggesellschaft KLM eine Drohung gegeben. Die Verdächtigen hätten über Amsterdam nach Afrika reisen wollen. Sie seien von den deutschen Behörden schon lange beobachtet worden: "Festnahmen wie diese finden nicht zufällig statt", sagte Hirsch Ballin. Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" war dann Pakistan das endgültige Reiseziel der Männer. Vermutlich hätten sie sich zur Islamischen Jihad Union (IJU) begeben wollen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die IJU wird auch hinter den vergangenes Jahr vereitelten Plänen der "Sauerland"-Gruppe vermutet.
Zwei weitere Verdächtige
Der Zugriff hat nach Angaben der Sicherheitsbehörden nichts mit der Fahndung nach zwei weiteren Verdächtigen zu tun, die nach der Ausbildung in Terrorlagern auf dem Weg nach Deutschland sein sollen. Der saarländische Konvertit Eric Breininger und sein libanesischer Freund Houssain al Malla wollten hier vermutlich Anschläge verüben, hieß es in einer internen Warnung der Polizei. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Pläne dieser beiden Islamisten bereiteten den Ermittlern weit mehr Sorgen als der Kölner Fall. Beide Männer werden als sehr gefährlich eingeschätzt und seit Donnerstag auch in Deutschland öffentlich mit Haftbefehl gesucht. Von einer konkreten Anschlagsgefahr will die Bundesregierung jedoch nicht sprechen.
Die KLM-Maschine nach Amsterdam hatte am frühen Morgen in Köln bereits die Startfreigabe erhalten, als Beamte der Bundespolizei die beiden Verdächtigen aus dem Flugzeug holten. Der 23-jährige Somalier und der 24 Jahre alte Deutsche, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren wurde, wohnten nach Polizeiangaben in Nordrhein-Westfalen. Bei der Gepäckkontrolle hätten die Sicherheitskräfte Schriftstücke entdeckt, die auf terroristische Absichten hindeuteten, hieß es in Sicherheitskreisen.
Keine konkrete Anschlaggefahr
Eine Verbindung zwischen beiden Fällen sehen die Ermittler nicht. Bei der Festnahme in Köln handle es sich um ein eigenständiges Verfahren der Polizei in Nordrhein-Westfalen, betonte das BKA. Trotz der beiden Fälle gibt es nach Einschätzung der Regierung keine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. "Es bleibt bei der Einschätzung, dass wir im Fadenkreuz des Terrorismus stehen", sagte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin.
Auch Hinweise aus der Bevölkerung, nach denen die Verdächtigen unter anderem in Ulm und Hessen gesichtet wurden, bestätigten sich nach BKA-Angaben nicht. Insgesamt seien bis zum Freitagnachmittag 40 Hinweise eingegangen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Einzelheiten nannte sie nicht.
Breininger hatte in Videos im Internet mehrfach gedroht, er werde ein Selbstmordattentat begehen. Zuletzt waren er und Al Malla nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Pakistan vermutet worden. Beide gelten als sehr gefährlich. Al Malla unterhielt auch Kontakte zu einem Mitglied der Sauerland-Gruppe, die im vergangenen Herbst schwere Sprengstoffanschläge in Deutschland vorbereitet haben soll.
Deutschland im Visier
Im Fall der beiden Verdächtigen vom Kölner Flughafen geht der Terrorismusexperte Rolf Tophoven davon aus, dass sie in ein Terror-Ausbildungslager in Pakistan oder Afghanistan unterwegs waren. "Die Herkunft der Täter ist nicht überraschend, denn seit längerem ist Somalia ein Rückzugs- und Vorbereitungsraum für Al-Kaida-Kommandos", sagte er Reuters TV. Der gesamte nordafrikanische Raum scheine ein neues operatives Feld für die Extremistenorganisation Al Kaida geworden zu sein. Gerade ostafrikanische Staaten seien für Jihadisten ein attraktives Ziel, weil dort die staatliche Gewalt häufig nur schwach sei. Der Fall Breininger wiederum zeige, dass die Warnungen des BKA ernst zu nehmen seien. "Deutschland ist im Visier des militanten Islamismus, daran gibt es keinen Zweifel", sagte Tophoven.
(apa/red)
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