Nach Polizeiverhör wieder laufen gelassen:
Finnischer Amokläufer erschießt 10 Schüler
- 22-Jähriger kündigte Bluttat über YouTube-Videos an
- Richtete sich nach Morden selbst. PLUS: Alle BILDER!
·BILDER: Amokläufer tötet neun Menschen
Finnland: Mann richtet in Berufsschule Blutbad an
·Täter-Videos auf YouTube mit Pistole
Hobbys: "Computer, Waffen, Sex und Bier"
·Blutige Amokläufe an Schulen und Unis
Die meisten Bluttaten gab es bisher in den USA
·Muster für Amok- läufe immer ähnlich
Ohnmacht, Misserfolge und Isolation sind schuld
·Wort "Amok" stammt aus dem Malaiischen
In 99 Prozent der Fällen sind Männer die Täter
Ein erst am Montag wegen Gewaltvideos von der Polizei verhörter Berufsschüler hat an seiner Schule im Westen Finnlands ein Blutbad angerichtet. Der schwarz gekleidete 22-Jährige schoss in der Fachoberschule von Kauhajoki wild um sich und tötete mindestens zehn Menschen, wie die Polizei mitteilte. Anschließend richtete er die Waffe gegen sich selbst und erlag später seinen Verletzungen.
Wie die finnische Innenministerin Anne Holmlund mitteilte, wurde der 22-Jährige nach seiner Vernehmung wieder freigelassen, da es keinen juristischen Grund für eine Festnahme gegeben habe. Bei dem Verhör ging es um Videos auf YouTube, das den jungen Mann beim Schießen mit einer Handfeuerwaffe zeigt. Nach Medienberichten wurde einer der Clips vor fünf Tagen ins Internet gestellt und verweist gezielt auf den Ort Kauhajoki, knapp 200 Kilometer nordwestlich von Helsinki. In einer Botschaft heißt es, das ganze Leben sei ein Krieg, und jeder kämpfe für sich allein.
In den vergangenen drei Wochen soll der Amokläufer schon drei weitere Clips veröffentlicht haben, die ihn beim Schießen zeigen. Für seine Waffe erhielt er laut Innenministerin Holmlund im August eine Lizenz. Schließlich drang er in seine Hotelfachschule ein und begann zu schießen. Bei sich trug er eine große Tasche. Nach Polizeiangaben wurden zehn Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Der Täter schoss sich anschließend in den Kopf und wurde in ein Krankenhaus in Tampere gebracht. Bald darauf verstarb er.
Dem Radiosender YLE zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Tat in dem Schulgebäude rund 200 Menschen auf. Unter den Schülern brach nach Augenzeugenberichten Panik aus. "Innerhalb kurzer Zeit habe ich mehrere Dutzend Schüsse gehört", sagte der Hausmeister Jukka Forsberg laut YLE.
Täter hatte Sprengstoff bei sich
Polizeisprecher Jari Neulaniemi sagte, der Täter habe - vermutlich in der großen Tasche - Sprengsätze bei sich gehabt, die ein Feuer auslösten. Einige der Toten waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nach Angaben des Rektors fand zum Zeitpunkt der Tat in einer Klasse mit etwa 20 Schülern eine Prüfung statt.
"Wir haben einen tragischen Tag erlebt", sagte Ministerpräsident Matti Vanhanen. Er rief zum nationalen Tag der Trauer aus.
Im November vergangenen Jahres hatte ein 18-Jähriger an seiner Schule in Südfinnland acht Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Auch vor diesem Blutbad war ein einschlägiges Video bei YouTube eingestellt worden. Die Regierung hatte nach dieser Tat angekündigt, die Altersgrenze für den Kauf von Schusswaffen von 15 auf 18 Jahre heraufzusetzen. Dies geschah aber nicht. In Finnland befinden sich 1,6 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privatpersonen. Das Land liegt damit Studien zufolge hinter den USA und dem Jemen weltweit an dritter Stelle. (apa/red)
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