Dienstag, 23. September 2008

Angeschlagen, aber noch nicht aufgegeben:
Brown verteidigt sich gegen seine Kritiker

  • Briten-Premier: 'Genügend Gründe, um ernst zu sein'
  • Nachfolgespekulationen um Außenminister Miliband

Der angeschlagene britische Premierminister Gordon Brown hat sich auf dem Labour-Parteitag gegen Kritiker zur Wehr gesetzt. "Ich bin nicht in die Politik gegangen, um prominent zu werden oder um beliebt zu sein", sagte Brown zu Beginn seiner mit Spannung erwarteten Rede in Manchester. Er wolle stattdessen "dem Land dienen" und sich für ein faireres Großbritannien einsetzen. "Wenn die Leute sagen, ich bin ernst, dann sage ich: Es gibt genügend Gründe, um ernst zu sein."

Brown nahm sich auch die Parteirebellen vor. "Die Menschen würden uns nicht verzeihen, wenn wir uns in diesen Zeiten nur um uns selbst kümmern." Brown sagte, er wisse, dass sich manche Sorgen über die Zukunft der Partei und den Zustand des Landes machten. Er werde wie "ein Fels" in turbulenten Wirtschaftszeiten stehen. Zuvor hatte Browns Frau Sarah die Delegierten wissen lassen: "Ich bin so stolz, ihn jeden Morgen hart für die Interessen der Menschen und des Landes arbeiten zu sehen." Sie erntete für diese Worte großen Applaus.

Browns Rede galt als die wichtigste in seiner Karriere. Seit Brown das Amt des Premierministers im Juni vergangenen Jahres von seinem Vorgänger Tony Blair übernahm, gab es für die Labour-Partei eine Serie schmerzlicher Niederlagen. Labour liegt seit Monaten mit einem Abstand von bis zu 28 Prozentpunkten hinter den oppositionellen Konservativen. Beobachter sagen der Partei auch herbe Verluste bei den nächsten allgemeinen Wahlen voraus, die spätestens Mitte 2010 angesetzt werden müssen. Kritiker in Labour-Partei fordern deshalb, dass Brown zurücktreten solle. Vor einer offenen Rebellion schreckten sich bisher jedoch zurück, weil ein neuer Labour-Führer aus Legitimitätsgründen innerhalb von kürzester Zeit Neuwahlen ausschreiben müsste, bei denen der Regierungspartei ein Debakel sicher wäre.

Miliband als Nachfolger
Erneut sorgten auch Spekulationen über die Ambitionen von Außenminister David Miliband für Wirbel. Miliband habe nach seiner Parteitagsrede gesagt, er habe sich absichtlich zurückgehalten, um Brown nicht herauszufordern, berichtete der Sender BBC. Miliband, der seit langem als Favorit für eine mögliche Nachfolge Browns gilt, wies die Berichte zurück. "Ich akzeptiere keine der Anschuldigungen, die in Umlauf gebracht werden", sagte er. Es handle sich lediglich um "Hörensagen".

Auch andere mögliche Nachfolger halten sich bedeckt, versichern Brown ihre Loyalität und nehmen ihn gegen Kritik in Schutz. Der ehemalige Blair-Stellvertreter John Prescott erklärte, er sei sich sicher, dass Brown diese Krise überstehen werde. "Er ist der beste Mann, den wir bekommen können, um mit dieser Art von globalen Problemen umzugehen", sagte Prescott. "Es gibt im Moment keinen anderen Politiker, der diese Erfahrung hat, um mit den globalen Problemen, ob es Klima oder die Wirtschaft ist, umzugehen."

"Brown der beste Mann"
Auch der britische Finanzminister Alistair Darling stellte sich hinter Brown und versprach der Labour Party eine starke Führung. "Gordon Brown ist der beste Mann, dieses Land zu führen. Und er wird es weiterhin tun." In der gegenwärtigen Finanzmarktkrise sagte Darling auch der britischen Wirtschaft die Unterstützung des Staates zu. "Ich werde sicherstellen, dass die Wirtschaft nach zehn Jahren starkem Wachstum auch diese Krise übersteht." Konkrete Ankündigungen machte er nicht.

Die steigenden Preise für Benzin, Lebensmittel und Heizung haben in der Öffentlichkeit dem Ansehen Browns sehr geschadet. Mit Sorge betrachten die Briten zudem die fallenden Immobilienpreise, die steigende Inflation und die möglichen Auswirkungen der US-Finanzmarktkrise. Der frühere Innenminister Charles Clarke, der prominenteste Kritiker Browns, forderte am Sonntag nochmals dessen Rücktritt. "Ich bin sehr skeptisch, dass er das Blatt noch einmal wenden kann." (apa/red)

23.9.2008 16:51