Dienstag, 23. September 2008

Politwerbung prägt die Branche 2008: Die Parteien werben viel - die SPÖ noch mehr

  • 7,7 Mio. Euro für Plakate und klassische Medien

Wer das Gefühl hat, die SPÖ sei im Wahlkampf in Medien stärker präsent als andere Parteien, hat dafür nun eine Bestätigung in Zahlen. Von der Werbung in Zeitungen und Zeitschriften kamen 44 Prozent von der SPÖ, 34 Prozent von der ÖVP und 13 Prozent von der FPÖ, geht aus dem Werbebarometer des Marktforschungsunternehmens Focus Media Research hervor. Da können Grüne (4 Prozent), BZÖ (3 Prozent) und LIF (2 Prozent) schon nicht mehr mithalten, ganz zu schweigen von den ganz kleinen Parteien.

Insgesamt ließen sich die politischen Parteien das Buhlen um die Gunst der Wähler zwischen Anfang August und 17. September 7,7 Mio. Euro kosten, 6,4 Mio. davon in klassischen Medien. In absoluten Zahlen heißt dies, dass ohne Plakate (die vom Werbebarometer nicht den einzelnen Parteien zugeordnet werden) die SPÖ vor der heißesten Woche des Wahlkampfes 2,7 Mio. Euro für Wahlwerbung ausgegeben hat. Die ÖVP machte 2,1 Mio. Euro locker, die FPÖ 800.000, die Grünen 300.000, das BZÖ 200.000 und das Liberale Forum 100.000 - gerechnet nach dem Bruttowerbewert, also Listenpreisen für Anzeigen.

Starke Akzente der SPÖ
Die SPÖ setze "sehr, sehr starke Akzente" im Wahlkampf, kommentierte Focus Media Research-Geschäftsführer Klaus Fessel die Ergebnisse im Gespräch mit der APA. Besonders interessant sei auch die Verteilung auf verschiedene Medien: In Titeln wie "Kronen Zeitung" und "Heute" deren Redaktionen sich "deutlich auf die Seite der SPÖ geschlagen haben", komme der Löwenanteil der Werbung (jeweils 45 Prozent) von der SPÖ, gefolgt von der FPÖ (30 bis 35 Prozent). Die ÖVP halte sich hier hingegen zurück. Insgesamt setze die SPÖ massiv auf auflagenstarke Medien, während die ÖVP viel selektiver vorgehe. Im ORF gibt es ein Wahl-Werbeverbot, die privaten Sender spielen hingegen praktisch keine Rolle, erinnert Fessel.

Allerdings könne man aus den Zahlen nicht herauslesen, dass sich Redaktionen auf die Seite der besonders stark in ihrem Blatt wahlwerbenden Parteien schlagen würden, betont Fessel. Auch in "Presse" oder "Kleine Zeitung" ist die SPÖ stärkste Wahlwerberin, hier gefolgt von der ÖVP. Gleich 80 Prozent der politischen Werbung stellt in diesem Wahlkampf die SPÖ in Medien des News-Verlags ("profil", "tv-media", "News").

Die kleineren Parteien konzentrieren ihre Werbeaktivitäten überhaupt auf einzelne Medien. So ist die FPÖ in der "Kronen Zeitung", "Heute", den "Bezirksjournalen", "Ganze Woche" und der "Kärntner Woche" überdurchschnittlich stark engagiert. Die Grünen setzen im Vergleich zu anderen mehr auf Online, wo sie für 69 Prozent der Werbung verantwortlich zeichnen, das "Weekend Magazin" und "Der Standard". Das BZÖ ist im Vergleich zu anderen Parteien besonders häufig in "Österreich", dem "Weekend Magazin" und der "Kärntner Woche" vertreten.

(apa/red)

23.9.2008 14:19