Dienstag, 23. September 2008

Kuschelkurs statt knallhart: Die Parteien präsentieren sich im Wahlkampf gemäßigt

  • "Bonzen, Krebszellen" & Co. nicht mehr anzutreffen
  • Thematisch dreht sich vieles um Wachteleier & Kaviar

Geradezu kuschelweich ist der jetzige Wahlkampf im Vergleich zu jenem im Jahr 2006. Waren damals noch Worte wie Bonzen, Rabauken, Krebszelle, Verleumdung und Verrat gefallen, beschränken sich die härtesten Angriffe diesmal auf "Lügen und Unsinn". Von Untergriffen völlig frei ist aber auch diese Wahlschlacht nicht. So stellte etwa die ÖVP den roten und den blauen Spitzenkandidaten in Zeitungsinseraten mit wenig vorteilhaften Porträts dar und wirft ihnen Belastungen der Steuerzahler vor. Thematisch dreht sich vieles um Wachteleier und Kaviar. Im Folgenden ausgewählte Beispiele der Wahlkampf-Rhetorik:

ÖVP gegen SPÖ
Wilhelm Molterer zu SPÖ-Anti-Teuerungs-Vorschlägen: "Jetzt schauen wir einmal, dass dieser Unsinn nicht passiert." ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon: "Wir dürfen den Unterschied zwischen dem Weihnachtsmann und Faynachtsmann nicht vergessen." Generalsekretär Hannes Missethon: "Faymanns Entlastungs-Lüge als sündteure SPÖ-Wahlkampf-Taktik entlarvt." Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka: "Lügen-Programm von Werner Faymann." Amon "beklagt Verfall der politischen Sitten bei SPÖ". Amon: "SPÖ will Lachs und Kaviar für die Genossen verbilligen."

ÖVP gegen die "Krone"
Parteichef Wilhelm Molterer: "Ich bin vielleicht nicht die Krone der Schöpfung, aber jedenfalls nicht die Schöpfung der 'Krone'." Außenministerin Ursula Plassnik an Herausgeber Hans Dichand: "Im Juli 2007 haben Sie mir bei einem Besuch im Pressehaus ein aus meiner Sicht 'unmoralisches Angebot' (...) gemacht." Kampagnenleiter Markus Gull: "Wir sind im Wilden Westen angekommen, wo das Faustrecht herrscht."

SPÖ gegen ÖVP
Wiens SPÖ-Landesparteisekretär Harry Kopietz: "Werner Faymann ist integrativ und konstruktiv, Molterer nihilistisch und destruktiv." Wiens Bürgermeister Michael Häupl an Molterer: "Er hat recht, mit ihm reicht es uns schon lange." Bundesgeschäftsführerin Doris Bures: "Durch persönliche Untergriffe und schlechten Stil kann der Mangel an politischen Ideen nicht wettgemacht werden."

SPÖ gegen FPÖ
Kopietz über FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: "Wolf im Schafspelz"; "Dieser Mann muss zurückzutreten, von mir aus auch im Stechschritt."

Grüne über SPÖ und FPÖ
Bundessprecher Alexander van der Bellen: "Ich gratuliere zu dieser Wachteleier-Koalition"; "Die FPÖ ist die Partei der ängstlichen Männer". Grüner Tierfreund Martin Balluch: "Jetzt beginnt dieser Krieg erst, diese Schlacht, dieser Kampf." -

FPÖ gegen BZÖ
Generalsekretär Harald Vilimsky: "Der schwer in die Jahre gekommene Jörg Haider vergnügt sich im Tollhaus nicht nur mit Knaben, sondern lässt wieder einmal seine Püppchen tanzen. (...) Vielleicht sei auch Stadlers übertriebenes Auftreten gegen Homosexualität nur eine Nebelgranate gewesen, um seine Nähe zu Haider zu vertuschen."

FPÖ gegen die anderen
"Volksvertreter statt EU-Verräter." Strache über Molterer: "Sie haben kein Gewissen; Sie sitzen wie Dagobert Duck auf dem Geld."

BZÖ gegen FPÖ und ÖVP
Jörg Haider: "Das Problem von Strache ist, dass ihm die intellektuelle Tiefe eines Haider fehlt." Haider an Molterer: "Erweichen Sie Ihr hartes Herz."

(apa/red)

23.9.2008 10:11