Mittwoch, 17. September 2008

Goldrausch bei den Paralympics

  • Mit Willen & Leidenschaft zum Sieg

Paralympics 2008. Wie Scherney & Co mit Willen und Leidenschaft Sportgeschichte schreiben.

Das Olympiastadion von Peking, das sogenannte „Vogelnest“, gleicht an diesem Montag wieder einem Tollhaus. Gut 50.000 Fans auf den Tribünen bejubeln den „Goldsprung“ der 42-jährigen unterschenkelamputierten Wienerin Andrea Scherney. Mit 4,82 Metern im Weitsprung holt sich die „Grande Dame“ der österreichischen Paralympics nach 1996 und 2004 ihre bereits dritte Goldmedaille.

Dreimal Gold in einer Woche. Der Bann ist gebrochen: Drei Tage nach der Sportdirektorin des Österreichischen Behindertensportverbandes gelingt Rollstuhlfahrer Andreas Vevera der nächste, ganz große Coup des rot-weiß-roten paralympischen Teams: In einem dramatischen Tischtennis-Finale besiegt der 36-jährige Wiener vom BSV Weißer Hof in Klosterneuburg seinen koreanischen Gegner, gegen den er in der Vorrunde noch verloren hat. Die Halle steht Kopf. Die chinesischen Fans verneigen sich vor dem neuen Champion.

Als Wolfgang Schattauer, vor seinem Unfall ein erfolgreicher Triathlet und mehrfacher „Ironman“-Starter in Hawaii, am nächsten Tag mit der Goldmedaille im Handbike-Zeitfahren noch eins draufsetzt, kommen die Betreuer und Fans im Österreich-Haus in Peking aus dem Feiern nicht mehr heraus. Das 38-köpfige Aufgebot des Österreichischen Paralympischen Committees (ÖPC) für die XIII. Paralympischen Spiele in Peking hat das Plansoll längst übererfüllt. Denn 48 Jahre nach den ersten „Behindertenspielen“ 1960 in Rom ist die Leistungsdichte so groß wie nie zuvor.

Ohne professionelle Vorbereitung geht schon lange nichts mehr. Vom Trainingsaufwand her stehen die Parathleten den Spitzensportlern in den olympischen Disziplinen um nichts mehr nach. Was als Beitrag zur Integration von Menschen mit Handicap begonnen hat, ist längst knallharter Leistungssport. ÖPC-Generalsekretärin Petra Huber: „Der Trainingsaufwand unserer Athleten unterscheidet sich kaum noch von dem anderer Spitzensportler. Auch die Qualifikationskriterien für die Paralympics werden immer höher.“

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17.9.2008 17:19