Sarah Palin - Amerikas Alptraum
- Die Waffennärrin und das Weiße Haus

Wie es die Bibel-Fundamentalistin und Waffennärrin bis ins Weiße Haus schaffen kann.
Ihre Frische kann mitunter verstören, sehr sogar. Sarah Palin, 44, Gouverneurin Alaskas und Vizepräsidentschaftskandidatin, wagte sich soeben an ihr erstes TV-Interview. Dass sie häufig irrte und wenig wusste, kümmert die Dame mit Bärenfell am Dienstsofa wenig. Die Devise: Hauptsache, das Image der strammen Konservativen hält dem Hurrikan der Fragen des Senders ABC stand. Die in außenpolitischen Fragen etwas ungeübte Waffenfetischistin hält etwa den Angriff Russlands auf Georgien, im Gegensatz zum Rest der Welt, für völlig unprovoziert und würde das Land als NATO-Mitglied verteidigen. Auch wenn dies Krieg zwischen Russland und Amerika bedeute? So what?, seufzte sie. Eisig fühlt sich die frische Brise auch in Sachen Iran an: Wenn Israel angreife, stünde sie voll dahinter. Und der Irak-Krieg sei ohnehin ein Teil des göttlichen Planes, den sie bis zum Sieg auch zu erfüllen gedenke. Mit aller Kraft. So wird ihr ältester Sohn Track, 19, schon demnächst einrücken.
Miss Barrakuda (nach einem sehr bissigen Fisch) nannte man die quirlige fünffache Super-Mom in Gymnasialzeiten. Die bloße Auflistung ihrer Hobbys macht müde: Marathons läuft sie unter vier Stunden, dazu führt sie mit ihrem Mann Todd einen Fischereigroßbetrieb und einen Ausrüstungsshop für Outdoor-Sport und gewinnt Hundeschlittenrennen. Hauptberuflich ist er im Ölgeschäft. Fünf Kinder heute zwischen 19 und einem Jahr hat sie geboren und ohne Vollzeit-Nanny großgezogen. Der jüngste Bub hat das Downsyndrom, es wurde vor seiner Geburt diagnostiziert.
Palin hält Abtreibungen, selbst wenn das Ungeborene schwer krank ist oder es bei einer Vergewaltigung entstand, für eine Sache des Teufels. Getreu den Lehren der fundamentalistisch christlichen Kirche, zu der sie gehört, ist auch Homosexualität ein Satanswerk, und Sexualkunde in der Schule müsste sich auf Erziehung zur Enthaltsamkeit reduzieren. An der Technik muss sie aber noch feilen. Ihre 17-jährige Tochter Bristol erwartet das erste Baby: empfangen außerhalb der heiligen Ehe.
Mamas Waffenlobby. Bis 2002 war Sarah Palin Bürgermeisterin der Stadt Wasilla, wo sie aufwuchs und als Teenager zur Schönheitskönigin gekürt wurde. So what?, scheint sich die passionierte Großwildjägerin gedacht zu haben, die bislang meist mithilfe der Waffenlobby gewählt wurde: Wenn ich Wasilla mit 6.000 Einwohnern immerhin Alaskas fünftgrößte Siedlung regieren kann, dann kann ich auch den ganzen Bundesstaat schaffen und irgendwann das ganze Land. Mit 42 wurde sie tatsächlich Gouverneurin. Jetzt ist sie am Sprung ins Weiße Haus, Seite an Seite mit dem 72-jährigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain.
Ich stehe für das Amerika, das ihr liebt, posaunte sie nach ihrer Kür zur möglichen Vize in die Menge. Und man glaubt es ihr, vielmehr: Die Sehnsucht nach dem Idyll des Amerikas der Kleinstädte, wo die Welt noch in Ordnung ist, wird gerade jetzt angesichts der Wirtschaftskrise so groß, dass ihr Mythos der Sauber-Mom eine größere Faszination ausstrahlt als jene Barack Obamas, bilanziert Joe Klein, Amerikas renommiertester Polit-Kommentator. Diese Nostalgie der ultrakonservativen Kleinstädte kann der kosmopolitische Barack Obama nicht bedienen. Sarahs Frischzellenkur half dem zähen Wahlkampf McCains kräftig auf die Sprünge. Selbst eingefleischte Demokraten, eben noch ganz im Banne Obamas, beginnen zu zweifeln. Geschickt lobte sie Hillary Clinton als eindrucksvolle, starke Frau, obwohl sie Paradefigur des verhassten liberalen Amerika ist. Die Rechnung präsentieren die Umfragen: Palin-McCain im Doppelpack holen auf. Mit 48 Prozent der Stimmen liegen die Republikaner derzeit deutlich vor Obama mit 44 Prozent.
Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS-Magazin 38/2008!
Bilderberg-Treffen07:04
Faymann bei GeheimtreffKanzler nimmt erneut an Konferenz der Welt-Elite aus Finanz und Politik teil
Fürst Albert & Charlene07:05
Ehe unter DruckGanz Monaco wartet auf einen Thronfolger: Ein Paar im Focus der Öffentlichkeit
