Auffanglösung für Bankenkrise ist in Sicht:
US-Regierung arbeitet an Übernahmeplan
- Aktienmärkte der USA reagieren mit Kursfeuerwerk
- PLUS: ATX Prime legt im frühen Handel um 5,9 % zu

·Auffanggesellschaft für "Kredite in Not"
Vorbild: Resolution Trust Corporation von 1989
·Börse: Ermittlung zu illegalem Leerverkauf
Investoren profitierten durch die "short-sellings"
·Wiener Börse macht
weltweite Kursrally mit
ATX Prime legt im frühen
Handel um 5,9 % zu
·Finanzkrise: Kunden der M&A betroffen
Fonds waren mit Garantie
von Lehman abgesichert
·300Mio. an Lehman-
Brothers überwiesen
Unmittelbar vor Pleite. KfW-Vorstände entlassen
·Notenbanken retten Geldmarkt vor Kollaps
Banken unterdessen von Fusionswelle überrollt
·Börsenwert größter US-Investmentbanken
GRAFIK: Überblick über Amerikas Bank-Riesen
·Lehman reißt auch heimische Banken mit
Constantia, C-Quadrat und M&A sind betroffen
·Keine Panikaktionen wegen Börsenkrise
Molterer: Konjunktur- paket sonst unleistbar
Nach der dramatischen Zuspitzung der Finanzmarktkrise deuten sich noch weitreichendere Rettungsbemühungen der US-Regierung an. Medienberichten zufolge wird eine Auffanglösung für die gesamte amerikanische Finanzbranche erwogen. US-Finanzminister Henry Paulson arbeite an einem Plan zur Übernahme von notleidenden Vermögenswerten der Institute, berichtete der US- Wirtschaftssender CNBC.
Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke berieten bereits mit Vertretern des US-Kongresses und der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, über das Vorgehen. Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten mit einem Kursfeuerwerk.
Zusammenarbeit mit Kongress
Die Regierung wolle sich zunächst der Unterstützung des Kongresses versichern, bevor sie das Vorhaben weiterverfolge, hieß es. "Wir beschäftigen uns mit einem Ansatz, die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten anzugehen", sagte Paulson nach den Treffen in Washington. "Wir sprachen über eine umfassende Herangehensweise, die per Gesetz das Problem der nicht-liquiden Vermögenswerte in den Bilanzen bewältigen soll." Bernanke beschrieb die Gespräche im Kongress als "sehr, sehr positiv". Er freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten, "um die Finanzkrise zu lösen".
Pelosi sagte: "Wir hoffen, sehr schnell voranzukommen. Tempo ist entscheidend." Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, er erwarte einen Vorschlag binnen Stunden.
Die Lösung wäre ähnlich wie beim Vorgehen in der schweren Krise von amerikanischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den späten 1980er Jahren, berichtete CNBC. Der Sender berief sich auf Informationen von der Wall Street nach entsprechenden Gesprächen mit Paulson. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und "faule Kredite" gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.
Bilanzen der Banken von Lasten befreien
Eine solche Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von Lasten befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden. In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen. "Das würde echtes Vertrauen in die Märkte zurückbringen", sagte der Chef der US-Investmentgesellschaft Lightyear Capital, Donald Marron, dem Sender.
In Reaktion auf die mögliche Auffanglösung kletterte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss um 3,86 Prozent auf 11.019,69 Punkte. Der S&P-500-Index gewann 4,33 Prozent auf 1206,51 Punkte. Der NASDAQ-Index kletterte am stärksten, und zwar um 4,78 Prozent auf 2199,10 Punkte. Auch die asiatische Leitbörse in Tokio legte zu Handelsbeginn am Freitag zu.
Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US-Investmentbank Morgan Stanley helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia über eine Fusion. Parallel versuche die Bank aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.
Verschärftes Vorgehen gegen Spekulanten
Die US-Justiz geht unterdessen wegen der Börsenturbulenzen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US-Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt.
(apa/red)
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