Samstag, 20. September 2008

Deutschlands dümmste Bank: 300 Mio. Euro
an insolventes Lehman Brothers überwiesen

  • Unmittelbar vor der Mega-Pleite des US-Institutes
  • Zwei Vorstände nach der Panne jetzt suspendiert

Als Konsequenz aus der Millionen-Panne bei der deutschen Staatsbank KfW werden zwei Vorstandsmitglieder vorläufig suspendiert. Es handelt sich um die Manager Peter Fleischer und Detlef Leinberger. Die KfW hatte unmittelbar vor der Lehman-Pleite dem US-Geldhaus noch 300 Millionen Euro überwiesen, aber nicht die vereinbarte Gegenzahlung erhalten.

Der KfW-Vorstand suspendierte zudem den für Risikocontrolling verantwortlichen Bereichsleiter bis zur Klärung des Vorfalls mit sofortiger Wirkung. Außerdem beauftragte die Bank eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorgänge. Laut der Bank soll es sich bei der Überweisung an Lehman Brothers um einen technischen Fehler gehandelt haben. Die deutsche Staatsbank wird erst seit drei Wochen vom neuen Vorstandschef Ulrich Schröder geleitet.

Die deutsche Bundesregierung hatte zuvor mit Empörung auf die fehlerhafte Überweisung reagiert und eine rückhaltlose Aufklärung angekündigt. Finanzminister Peer Steinbrück sprach von einem ungeheuerlichen Vorgang. "Ich jedenfalls habe in meinem Leben so etwas noch nicht erlebt". Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte, dies sei ein schlechter Tag für die KfW und damit für die deutschen Steuerzahler.

Umgestaltung gefordert
Der FDP-Politiker Jürgen Koppelin äußerte die Befürchtung, dass der Verlust noch auf 500 bis 600 Millionen Euro klettern könnte. Er forderte eine Umgestaltung der Bank. Auch "FAZ" und ZDF berichteten von einem Betrag in dieser Größenordnung.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Ulrich Maurer, schimpfte, wenn 300 oder mehr Millionen einer Pleitebank in den Rachen geworfen werden könnten, hätten alle Kontrollmechanismen versagt. Sein Fazit: "Glos und Steinbrück müssen politisch für die Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei der KfW gerade stehen."

Die KfW ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern gehört. Die Bankengruppe beschäftigte Ende 2007 rund 4.000 Mitarbeiter.

(apa/red)

20.9.2008 08:06