Lehman reißt auch heimische Banken mit:
Bis zu 600 Mio. Euro in den Sand gesetzt
- Raiffeisen mit 252 Mio. Euro am stärksten involviert
- PLUS: Rettungsmaßnahmen für AIG in letzter Minute
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Bank Lehman Brothers
Von Gründung vor 158 Jahren bis zur Insolvenz
·Traditionsmarke Lehman Brothers
1850 im US-Bundesstaat Alabama gegründet
·Börsenwert größter US-Investmentbanken
GRAFIK: Überblick über Amerikas Bank-Riesen

Die US-Finanzkrise wirkt sich auch auf österreichische Banken und Versicherungen aus, wenn auch in (noch) überschaubarem Ausmaß. Laut Medienberichten sollen Österreichs Banken mit rund 600 Mio. Euro beim insolventen US-Investmenthaus Lehman Brothers engagiert sein, den größten Brocken davon - 252 Mio. Euro - hat die RZB eingeräumt. Gemessen an den Bilanzsummen handelt es sich bei den Engagements aber um "Peanuts". Auch die Privatbanken Constantia und M&A sowie die Fondsgesellschaft C-Quadrat sollen Lehman als Garantiegeber eingesetzt haben. Ebenso die Versicherungen Allianz, Generali und Wüstenrot. Letztere sowie die UNIQA und Wiener Städtische sollen außerdem Lehman-Anleihen haben.
In dem kolportierten Volumen von bis zu 600 Mio. Euro, mit denen Österreichs Banken bei Lehman engagiert sein sollen, sind laut Medienberichten auch Papiere enthalten, die noch abgerechnet werden können. Der tatsächliche Ausfall werde also darunter liegen, verlautete aus Bankenkreisen.
RZB am stärksten betroffen
Mit einer Netto-Risikoposition von 252 Mio. Euro ist die Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) am stärksten von der Causa Lehman betroffen. Dabei handle es sich fast ausschließlich um Lehman-Anleihen im Senior Rang, wie das Geldinstitut mitteilte. Finanzexperten gehen davon aus, dass bei diesen Bonds, die derzeit mit zirka 60 Prozent Abschlag bewertet werden, am Ende nicht mehr als 40 Prozent Minus übrig bleiben werden. Gemessen an der Bilanzsumme von 159,2 Mrd. Euro per 30. Juni erreicht das Lehman-Exposure der RZB eine Größenordnung von 0,16 Prozent.
Bei der Bank Austria soll es sich beim Netto-Exposure gegenüber Lehman Brothers um eine niedrige, unter 50 Mio. Euro liegenden zweistelligen Millionenbetrag handeln - gemessen an 153 Mrd. Euro Kreditvolumen bzw. 15,3 Mrd. Euro Eigenkapital ein Promillewert. Vom Risiko soll je die Hälfte auf Derivate und Anleihen entfallen. Das Lehman-Engagement der Erste Group wurde "rund 40 Mio. Euro" in Anleihen, syndizierten Krediten und Derivaten beziffert. Das gesamte Kreditportfolio hat demgegenüber einen Umfang von 122 Mrd. Euro. Mit einer Wertberichtigung von rund 50 Mio. Euro rechnet die auch Volksbanken AG. Die BAWAG P.S.K und die Meinl Bank sind von der Lehman-Krise laut Eigenangaben ungeberührt.
Stark involviert in das Lehman-Destaster soll die Constantia Privatbank sein, berichtet das "WirtschaftsBlatt". Das betroffene Volumen liegt laut der Geschäftsführerin Elisabeth Staudner bei etwa 35 Mio. Euro nach den Kursrückgängen. Bei C-Quadrat und der M&A Privatbank wirkte sich die Lehman-Pleite laut "WirtschaftsBlatt" weniger schwerwiegend aus.
Anleihen an US-Bank
Anleihen an der insolventen US-Bank haben die Versicherungen Wiener Städtische, UNIQA und Wüstenrot. Die Städtische soll laut einem "Presse"-Bericht dem Vernehmen nach 60 bis 70 Mio. Euro investiert haben, die UNIQA 40 bis 50 Mio. Euro. Außerdem sollen beide Konzerne ein "limitiertes" Exposure an dem krisengeschüttelten US-Versicherungsriesen American International Group (AIG) haben. Die UNIQA bestätigte den Bericht der APA gegenüber indirekt, von der Städtischen gab es keinen Kommentar. Die Wüstenrot Versicherung hat für 20 Millionen Euro Lehman-Anleihen gekauft, sagte der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot Versicherung, Helmut Geier, zur APA. Überdies sei AIG der Garantiegeber für alle prämienbegünstigten Zukunftsvorsorgen von Wüstenrot. Etwa 30.000 Kunden sind betroffen. Das sei aber "derzeit überhaupt kein Problem", versicherte Geier. Für Ende 2008 rechnet er mit einer Wertberichtigung von rund 27,3 Mio. Euro.
Die Generali und die Allianz haben laut Eigenangaben keine Geschäftsbeziehungen zu AIG. Auch zu Lehman haben beide Häuser - außerhalb je eines Einmalerlagprodukts, bei dem die US-Bank Garantiegeber ist - keine Verbindungen. Die Allianz habe die Aktienquote bei Veranlagungen schon Anfang des Jahres um 70 auf 6 Prozent reduziert, sagte eine Sprecherin. Der Schwerpunkt liege auf Anleihen und Pfandbriefen.
Bei den Versicherungsmaklern ist unterdessen "grobe Unsicherheit" ausgebrochen, sagte Rudolf Mittendorfer, Obmann der Wiener Versicherungsmakler. Für jene Lebensversicherungen bei Allianz, Generali und Wüstenrot, bei denen Lehman als Kapitalgeber funktioniert, wäre eine "Rückabwicklung am sinnvollsten", so Mittendorfer. Das Gesamtvolumen der Tranchen beträgt rund 76 Mio. Euro, etwa 4.500 Kunden sind betroffen. Den Versicherungsnehmern ein außerordentliches Rücktrittsrecht anzubieten, sei möglich und fair, meinte Mittendorfer.
(apa/red)

