Mittwoch, 17. September 2008

Finanzkrise bringt nächsten Riesen ins Wanken: Morgan Stanley in Bedrängnis

  • Auch Goldman Sachs an Börse massiv unter Druck
  • Partnersuche: Bank prüft offenbar Zusammenschluss

Die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley gerät trotz überraschend guter Quartalszahlen immer tiefer in den Sog der Finanzkrise. Nach schon drastischen Kursverlusten in den Vortagen setzte die Aktie der Bank ihre steile Talfahrt fort und verlor zeitweise über 40 Prozent an Wert. In Medienberichten wird nun auch Morgan Stanley bereits als Übernahmekandidat gehandelt. Branchenprimus Goldman Sachs geriet an der Börse ebenfalls massiv unter Druck.

Der fast totale Verlust ihres Börsenwerts hatte zum Wochenanfang der US-Investmentbank Lehman Brothers mit das Genick gebrochen. Der drittgrößte Branchenvertreter, Merrill Lynch, musste sich am "schwarzen Montag" der US-Finanzbranche durch eine Übernahme in die Arme der Bank of America retten. Mit Morgan Stanley und Goldman Sachs kommen auch die letzten zwei unabhängigen US-Investmentbanken trotz vergleichsweise guter Quartalsergebnisse immer mehr in Bedrängnis. Die Branche erlebe eine bisher einmalige Umwälzung, sagte Morgan-Stanley-Finanzchef Thomas Kelleher in New York.

Morgan Stanleys Überschuss lag in dem Ende August abgelaufenen dritten Geschäftsquartal bei 1,4 Milliarden Dollar (0,984 Mrd Euro). Das war ein im Branchenvergleich relativ geringer Rückgang um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten hatten weit weniger Gewinn erwartet. Der Rest des Jahres bleibe aber eine Herausforderung, warnte Kelleher. Goldman Sachs musste zuvor einen heftigen Einbruch beim Überschuss von 70 Prozent verkünden.

Suche nach Partner
Allerdings könnte auch Morgan Stanley inzwischen laut Medien auf Partnersuche sein. Die 73 Jahre alte Investmentbank prüfe einen Zusammenschluss mit einem anderen Finanzhaus für den Fall, dass ihr Aktienkurs weiter einbreche, berichtete der Wirtschaftssender CNBC. Kelleher hatte zuvor allgemein von "einigen lächerlichen Gerüchten" gesprochen. "Es ist wichtig, wieder etwas Vernunft in den Markt zu bekommen."

Morgan Stanley hatte die Bekanntgabe der Zahlen angesichts einer zuletzt immer steileren Talfahrt der Aktie kurzfristig um einen Tag auf Dienstagabend (Ortszeit) vorgezogen. Die Bank verlor seit Jahresbeginn mehr als 60 Prozent ihres Börsenwerts. In einem insgesamt schwachen Markt stürzte der Kurs bis eine Stunde vor Handelsschluss um weitere rund 30 Prozent ab. Goldman Sachs büßte knapp 20 Prozent ein.

Morgan Stanleys Gewinn je Aktie fiel im dritten Geschäftsquartal von 1,38 auf 1,32 Dollar. Die Bank steigerte die Nettoerträge im dritten Geschäftsquartal leicht auf 8,0 Milliarden Dollar (5,7 Mrd Euro). Experten hatten dagegen wie bei Goldman Sachs einen Rückgang erwartet.

Wall-Street-Schluss: Massive Verluste
Angesichts weiterer spektakulärer Umwälzungen in der Finanzbranche sind die US-Börsen zur Wochenmitte erneut massiv auf Talfahrt gegangen. Der Ausverkauf bei Finanzwerten beschleunigte sich teils drastisch. Investoren flüchteten in vermeintlich sichere Anlagen wie Gold, andere Edelmetalle und festverzinsliche Anlagen.

(apa/red)

17.9.2008 22:30