Montag, 15. September 2008

Hechte und Karpfen im Teich der Airlines:
Umbrüche in der europäischen Luftfahrt

  • Preiskampf und hohe Kosten verschärfen Wettbewerb
  • Drei Riesen kämpfen um Vorherrschaft in Europa

Nicht erst seit der akuten Krise der Alitalia befindet sich die Struktur der europäischen Luftfahrt-Branche massiv im Umbruch. Als Resultat des seit Jahren tobenden Preiskampfs um Passagiere bei ständig steigenden Kosten - vor allem für Treibstoff, aber auch etwa für Kontrollen und Flugsicherheit - spüren nur noch wenige Airlines ausreichend ökonomischen Auftrieb unter ihren Tragflächen.

Das sind vor allem die drei großen verbliebenen europäischen Fluglinien Air France-KLM, Lufthansa und British Airways. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von kleinen und mittleren Flugunternehmen, bei denen die Lage entweder bereits prekär ist oder wo es in absehbarer Zeit eng zu werden droht.

Partnersuche
Ein Teil dieser Airlines ist bereits offiziell auf Partnersuche. Hierhin gehören neben der Alitalia und den heimischen Austrian Airlines auch die belgische SN Brussels. Mehrere weitere Fluglinien halten in unterschiedlicher Intensität und mit unterschiedlich offenen Karten Ausschau nach finanzkräftigen Käufern.

Die skandinavische SAS etwa - mit der Kontrolle kleineren Fluglinien wie Spanair oder airBaltic bis vor gar nicht langer Zeit selbst ein "Hecht" im europäischen Airlines-Teich - gab erst vergangene Woche zu, mit anderen Unternehmen über eine mögliche Übernahme Gespräche zu führen. Auch für den deutschen Billigflieger Air Berlin und British Midland gibt es Interessenten.

Wohl am häufigsten auf der Käuferseite genannt werden Lufthansa und Air France-KLM. Die British Airways als dritter im Bunde plant unter anderem den Zusammenschluss mit der spanischen Iberia.

Europäisches Übernahmespiel
Im europäischen Übernahme-Spiel sind aber nicht nur Fluglinien vom eigenen Kontinent mit von der Partie. Im Zusammenhang mit der AUA trat beispielsweise die sibirische S7 auf den Plan, weiters haben die russische Aeroflot und die chinesische Air China in Europa mehrfach Kaufgelüste an den Tag gelegt. Unicredit-Analyst Paul Wessely rechnet in Europa zumindest theoretisch auch den irischen Billigflieger-Pionier Ryanair und international noch die Singapore Airlines zu potenziellen Käufern.

Ryanair verfügt laut Wessely über ausreichend finanzielle Mittel, um andere Fluglinien mit an Bord nehmen zu können. Wegen der starken Ausrichtung der Geschäftsstrategie auf den Ölpreis glaubt der Analyst allerdings nicht, dass Ryanair oder andere Billigflieger eine große Rolle bei künftigen Übernahmen spielen werden.

Auch starke, aber hauptsächlich regional verankerte außereuropäische Fluglinien wie Turkish Airlines oder arabische Fluglinien könnten wegen zu hohen Kostenrisikos kaum mithalten, so Wessely. Nebenbei gibt er zu bedenken, dass es für sämtliche außereuropäische Bieter wegen der in Europa notwendigen Lizenzen eine zusätzliche Hürde zu überwinden gilt.
(apa/red)

15.9.2008 18:09