US-Finanzkrise spitzt sich dramatisch zu: Gespanntes Warten bei Österreichs Banken
- Auswirkungen auf heimische Geldinstitute "begrenzt"
- Analysten: Alle haben Geschäfte mit Lehman gemacht

·Massive Turbulenzen im US-Finanzsektor
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·Lehman: Garantie-
Geber in Österreich
Bei mehreren heimischen Versicherungsprodukten
·Investmentbanken - Haben sie ausgedient?
Kreditkrise brachte Aus für 3 von 5 US-Banken
·Geschichte der US-
Bank Lehman Brothers
Von Gründung vor 158 Jahren bis zur Insolvenz
·Traditionsmarke Lehman Brothers
1850 im US-Bundesstaat Alabama gegründet
·Börsenwert größter US-Investmentbanken
GRAFIK: Überblick über Amerikas Bank-Riesen
Die dramatische Zuspitzung der US-Bankenkrise mit dem Niedergang der einst viertgrößten US-Investmentbank Lehman Brothers lässt die Wogen auf den internationalen Finanzmärkten einmal mehr hochgehen. Die heimischen Großbanken ließen dazu ihre Chefanalysten Stellung nehmen. Der Grundtenor: Gespanntes Abwarten bei weiterhin festem Glauben an die Stabilität des österreichischen Bankensystems. Finanzmarktaufsicht und Oesterreichische Nationalbank beruhigten in einer offiziellen Stellungnahme: Die Auswirkungen auf die heimischen Banken seien "begrenzt".
Nach ersten Erhebungen bei den großen österreichischen Finanzinstituten bewegen sich deren Engagements bei Lehman Brothers laut FMA und OeNB in einem begrenzten Rahmen. Das österreichische Finanzsystem sei "weiterhin stabil". Die Entwicklungen der Finanzmärkte als Folgewirkung der Ereignisse rund um Lehman Brothers würden weiterhin sehr genau beobachtet und analysiert.
Globale Auswirkungen erwartet
Die direkten Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte wagt noch niemand einzuschätzen. Aber soviel ist sicher: "Das hat einen globalen Effekt", sagte etwa der Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank, Peter Brezinschek. Branchenkenner sprechen von einem "systemweiten Problem", das wir jetzt hätten.
Zudem habe jede europäische Bank sicher Geschäfte mit Lehman gemacht. "Daher wird es weltweit Ausfälle geben." Ein stürmischer Herbst stehe den Finanzmärkten ins Haus. Es gehe um möglicherweise 200 Mrd. Dollar (142 Mrd. Euro) Verlust, die auf den Erdball verteilt sind. "Das kann bei manchen Instituten den Nerv ziehen und erklärt die Angst vor den Lehman-Folgewirkungen", erklärte Brezinschek.
Verunsicherung am Markt
Lehman Brothers hat 613 Mrd. Dollar Schulden (143,6 Mrd. Dollar Anleihen) ausstehen, die nach dem Antrag auf Gläubigerschutz unter dem amerikanischen "Chapter 11" (Bankruptcy Petition) abgewickelt werden müssen. Nun gelte es, das ausstehende Volumen an CDS-Kontrakten (Credit Default Swaps) zu verringern. Auf dem Markt greift Verunsicherung um sich. "Noch weiß keiner, was das abwicklungstechnisch letztlich wirklich bedeutet", sagte die Chefanalystin im Asset Management der Bank Austria, Monika Rosen, zur APA.
Der Ausfall von Lehman Brothers werde auch andere Finanzinstitute in Mitleidenschaft ziehen, da aufgrund der starken Verwobenheit der Finanzwerte untereinander Abschreibungen auf Lehman-Positionen notwendig seien, teilte die Pressestelle der RZB mit. Die Lehman-Krise "ist sicherlich eine große Herausforderung für den Markt, die nun zu verarbeiten ist", so Rosen. "Wir sind überzeugt, dass sich der Markt wieder stabilisieren wird und mit dem Problem fertig wird, aber in der Vermögensverwaltung fahren wir im Moment eine zurückhaltende Strategie", betonte die US-Marktexpertin.
Teure Refinanzierungskosten
Das Exposure der einzelnen Banken ist vorerst noch schwer einschätzbar. Die Krise werde jedenfalls dazu führen, dass die Refinanzierungskosten für alle Finanzinstitute teurer und teurer werden, weil gewisse Risikoaufschläge da sind und die Kreditkosten - ungeachtet der derzeitigen Konjunktursituation - nach oben hin angepasst werden müssen, erwarten Marktexperten. Bereits in den Monaten vor der Lehman-Misere hätten sich die Aufschläge versiebenfacht. Die Banken waren schon bisher restriktiv bei der Kreditvergabe.
"Eine Pleite hat massive Auswirkungen auf das Vertrauen in der gesamten Finanzwirtschaft, daher ist die Erwartung, dass es eine Rettung gibt", sagte Erste-Bank-Sprecher Michael Mauritz zur APA. Die Auswirkungen der Lehman-Krise könne man erst einschätzen, wenn man wisse, was dort im weiteren Verlauf wirklich passiere. Das Netto-Exposure der Erste Bank über syndizierte Kredite beziehungsweise Anleihen bezifferte Mauritz mit 40 Mio. Euro - bei einem "Gesamtausleihungsvolumen von rund 150 Mrd. Euro" sei dies "ein minimaler Anteil".
Die meisten Beobachter hatten zuvor noch gedacht, die US-Regierung werde bei Lehman einspringen. Doch dann wurde die Investmentbank - für viele überraschend - über das Wochenende fallen gelassen, was naturgemäß auch potenzielle Käufer - Barclays und die Bank of America - abschreckte. Bei Merrill Lynch - der nunmehr viertgrößten US-Investmentbank, die möglicherweise als nächstes ins Fadenkreuz des Marktes geraten wäre, - sei die Gefahr mit dem Einstieg der Bank of America vorerst gebannt.
(apa/red)

