Ex-Libro-Chef muss für acht Monate ins Gefängnis: "Wollte niemanden schädigen"
- Verhandlung zu versuchter betrügerischer Krida
- Wollte sein Vermögen vor Gläubigern verheimlichen

·Tiefer Fall des Ex-
Libro-Bosses Rettberg
'Manager des Jahres' wird
zum Skandal-Pleittier
Ex-Libro-Chef Andre Rettberg muss für acht Monate ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Wien bestätigte die Strafe von drei Jahren Haft - davon acht Monate unbedingt - wegen versuchter betrügerischer Krida. Der ehemalige "Sanierer" von Libro wurde verurteilt, weil er versucht hatte, im Zuge der Insolvenz sein privates Vermögen vor seinen Gläubigern zu verheimlichen.
Der Vorsitzende Richter des Dreiersenats am OLG Wien, Herbert Körber, führte zur Begründung der Entscheidung aus, die Höhe der Strafe sei angemessen. Rettberg habe versucht, umgerechnet 50 Mio. Schilling (3,63 Mio. Euro) vor seinen Gläubigern zu verheimlichen.
"Geht am Sachverhalt vorbei"
Der Verurteilte selber gab im Verhandlungssaal keinen Kommentar ab, beim Hinausgehen drückte er jedoch gegenüber der APA seinen Unmut mit der Entscheidung aus: "Ich kann dazu nichts sagen, das Ganze geht am Sachverhalt vorbei", so der frühere Libro-Manager Rettberg.
Rettberg hatte sich zuvor verteidigt: "Ich habe nie geplant, irgendjemand zu benachteiligen oder zu schädigen". Er habe sich bei einem Wirtschaftsanwalt, der ihm empfohlen war, Rat gesucht und sei dessen Rat gefolgt. Die Strafe für den jungen Anwalt wurde ebenfalls bestätigt - Drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt. Der Jurist sei schuldig, weil er Rettberg beim Versuch geholfen habe, sein privates Vermögen vor den Gläubigern zu verheimlichen.
Der Ex-Libro-Chef schloss sich während der Verhandlung den Ausführungen seines Anwalts Elmar Kresbach an, der für eine bedingte Strafe plädierte. Er arbeite heute als Konsulent in Osteuropa, bei einer unbedingten Freiheitsstrafe könne er seine Familie nicht mehr erhalten, gab der frühere Libro-Generaldirektor zu bedenken. Rettberg war als Sanierer der Buch- und Papierwarenkette Libro geholt worden und hatte diese in Folge zu ehrgeiziger Expansionspläne im Jahr 2002 in den Konkurs geführt. Die Handelskette Libro gehört heute zum Wirtschaftsimperium des Industriellen Josef Taus.
(apa/red)

