Milchskandal nimmt drastische Ausmaße an: Rund 53.000 Kinder in China bereits erkrankt
- Mit Melanin versetzt: Milchpulver greift die Nieren an
- Die meisten erkrankten Kinder sind jünger als drei

Die Zahl der kranken Babys durch verseuchtes Milchpulver in China ist drastisch gestiegen. Nach offiziellen Angaben werden derzeit knapp 13.000 Säuglinge und Kleinkinder in den Krankenhäusern des Landes behandelt, weil sie Milchprodukte getrunken haben, die mit der giftigen Chemikalie Melamin versetzt waren. Außerhalb der Spitäler werden weitere 40.000 Kinder wegen Beschwerden versorgt, die mit dem Milchpulver in Verbindung gebracht werden.
Das staatliche chinesische Fernsehen berichtete, dass der hauptsächlich betroffene Betrieb Sanlu in der Provinz Hebei den intern seit Monaten bekannten Skandal am 2. August den örtlichen Behörden gemeldet habe. Diese hätten die Informationen jedoch nicht weitergegeben und auch keine Maßnahmen ergriffen. Der verantwortliche Bürgermeister wurde am Montag entlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Am Montag musste demnach auch der Spitzenbeamte im Bereich Qualitätskontrolle seinen Platz räumen. Außerdem habe die Behörde für Industrie und Handel eine landesweite Inspektion aller Produzenten von Milchprodukten, aller Zulieferer und Händler angekündigt.
Behörden handeln endlich
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die chinesischen Behörden bei der Bewältigung des Skandals jetzt auf einem guten Weg. "Sie machen es nun auf die richtige Art und Weise", sagte eine WHO-Sprecherin, nachdem die Organisation China zuvor heftig kritisiert hatte. WHO-Vertreter in Asien hatten den Behörden vorgeworfen, nicht schnell genug gehandelt zu haben.
Sanlu "hat die Verseuchung seines Baby-Milchpulvers über Monate hinweg vertuscht", zitierte Xinhua aus einem ersten offiziellen Untersuchungsbericht. Mit dem Melamin sollte ein erhöhter Eiweißgehalt des gestreckten Milchpulvers vorgetäuscht werden. Mehr als 100 Kinder zeigten momentan schwere Krankheitssymptome, teilte das Gesundheitsministerium in Peking. Bisher sind vier Babys an Nierensteinen gestorben, die sich durch das Gift im Milchpulver für ihre Fläschchen gebildet hatten.
99,2 Prozent der insgesamt 53.000 erkrankten Kinder seien unter drei Jahren alt, teilte das chinesische Gesundheitsministerium mit. Bis zum Sonntag war nur von 6.200 Melamin-Krankheitsfällen berichtet worden.
"Rein chinesisches Problem"
Der Melamin-Skandal sei ein rein "chinesisches Problem", betonte auch Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherschutz-Organisation "Foodwatch" in Deutschland, im ZDF-Morgenmagazin. Angesichts vermehrter illegaler Lebensmittelimporte über die Schwarzmeer-Häfen in Osteuropa seien neben Kontrollen allerdings auch politische Maßnahmen gefragt. Bode forderte eine verstärkte Haftung auch von Importeuren und Einzelhändlern für die von ihnen verkauften Produkte.
(apa/red)
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