Islamisten bekennen sich zu Anschlag:
Unbekannte Gruppe zerbombte "Marriott"
- "Partisanen des Islam" verübten Attentat in Pakistan
- Forderung nach Ende der Zusammenarbeit mit USA

Pakistan kommt nach dem Selbstmordanschlag auf das "Marriott"-Hotel in Islamabad nicht zur Ruhe. Am Montag entführten Unbekannte in Peshawar den designierten Botschafter des Nachbarlands Afghanistan. An der Grenze zwischen beiden Ländern schossen pakistanische Truppen unbestätigten Berichten zufolge auf US-Militärhubschrauber. Im Westen Afghanistans wurden unterdessen mehr als 140 Arbeiter verschleppt, die beim Bau eines Armeestützpunkts eingesetzt waren. Zu dem Anschlag in Islamabad bekannte sich eine bisher kaum bekannte Islamistengruppe.
Um Verwirrung sorgt eine Erklärung des pakistanischen Innenministeriums, wonach die Regierungsspitze eigentlich zu dem Zeitpunkt in dem Nobel-Hotel hätte speisen sollen, als am Samstagabend 53 Menschen starben. An dem Essen hätten nach den Angaben sowohl Präsident Asif Ali Zardari als auch Regierungschef Yousaf Raza Gilani und der Armeechef an einem Abendessen teilnehmen sollen. Der Ort der Veranstaltung sei aber auf Anraten Gilanis kurzfristig verlegt worden.
Dieser Aussage stehen die Angaben des "Marriott"-Managements entgegen. Es habe von Regierungsseite keine Reservierung gegeben, sagte der Sprecher des Hotelbesitzers Sadruddin Hashwani am Montag in Islamabad. Auch Gäste des Abendessens erklärten, alle Einladungen, die eine Woche zuvor verschickt worden waren, seien für die Residenz des Premiers gewesen. Ein Selbstmordattentäter hatte am Samstag mit einem Lastwagen die Sicherheitsabsperrung um das Hotel durchbrochen und mehr als eine halbe Tonne Sprengstoff gezündet.
"Partisanen des Islam" bekennen sich
Der Sender Al-Arabiya berichtete, ein Anrufer habe sich im Namen einer Gruppe, die sich Fedayeen Islam (Fedajin Islam, "Partisanen des Islam") nenne, zu dem Anschlag bekannt. Die Gruppe fordere von Pakistan, die Zusammenarbeit mit den USA zu beenden. Die Echtheit der Erklärung sei nicht geklärt, hieß es in dem TV-Bericht. Islamabads Polizeichef Asghar Raza Gardezi sagte, es gebe noch keine Festnahmen im Zusammenhang mit der Tat. Zu Einzelheiten der Ermittlungen äußerte er sich nicht.
Rettungskräfte beendeten unterdessen die Suche nach weiteren Todesopfern in dem zerstörten Luxushotel. Wie der Sender Geo TV am Montag unter Berufung auf die Behörden berichtete, wurden in den 298 Gästezimmern sowie in den öffentlichen Bereichen des ausgebrannten Hotels keine weiteren Leichen gefunden. Auch sei ausgeschlossen, dass das stark beschädigte Gebäude einstürzen könnte. Vermisst werden weiterhin ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums sowie ein dänischer Diplomat. Die Leiche des getöteten tschechischen Botschafters, der Prager Medienberichten zufolge mit seiner vietnamesischen Freundin anderen Opfern hatte helfen wollen, wurde am Montag mit einer Sondermaschine nach Tschechien ausgeflogen.
Schüsse auf US-Hubschrauber?
In der Grenzprovinz Nord-Waziristan schossen pakistanische Truppen Sicherheitskreisen zufolge auf zwei US-Militärhubschrauber, die aus Afghanistan über die Grenze vordringen wollten. Die Armee bestätigte die Angaben nicht. Einen ähnlichen Vorfall vergangene Woche hatten pakistanische und US-Stellen dementiert.
Bei der Massenentführung in der afghanischen Provinz Farah brachten die Täter nach Angaben des Gouverneurs drei Busse mit Arbeitern in ihre Gewalt. Stammesälteste bemühten sich um eine Verhandlungslösung. Einer der Unterhändler sagte, die Tat gehe auf das Konto von Taliban aus der Region.
Bei der Entführung des afghanischen Diplomaten Abdul Chalik Farahi wurde dessen Fahrer nach Polizeiangaben erschossen. Das Auto des bisherigen Generalkonsuls in Peshawar sei auf dem Nachhauseweg unter Beschuss geraten, sagte ein Behördenmitarbeiter. Ein Augenzeuge berichtete, die Täter hätten auch eine zweite Person verschleppt. Die Sicherheitslage in der Hauptstadt von Pakistans Nordwestprovinz hat sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert. Im Juni startete das Militär deshalb in den Außenbezirken einen Offensive gegen Extremisten und Kriminelle.
Wegen der prekären Sicherheitslage stoppte British Airways vorläufig alle Flüge in das Land. Eine Unternehmenssprecherin sagte, die bisher sechs Verbindungen pro Woche blieben ausgesetzt, bis eine Überprüfung der Lage abgeschlossen sei.
(apa/red)
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