Koalition in Simbabwe steht: Regierung
und Opposition unterzeichnen Abkommen
- Einigung nach südafrikanischer Vermittlung erzielt
- Mugabe tritt Machtbefugnisse an Tsvangirai ab

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Fast ein halbes Jahr nach den umstrittenen Wahlen in Simbabwe haben Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ein historisches Abkommen zur Bildung einer Einheitsregierung unterzeichnet. Der Zeremonie in Harare waren wochenlange Verhandlungen unter Vermittlung Südafrikas vorausgegangen. Nach der Unterzeichnung kam es in Harare zu Zusammenstößen zwischen den politischen Anhängern. Der seit 1980 regierende Mugabe warb für eine enge Zusammenarbeit. Tsvangirai sprach sich für Simbabwes Öffnung für ausländische Hilfe aus. Die EU und die USA reagierten zurückhaltend auf die Einigung.
Mugabe und Tsvangirai hatten sich nach zähen Verhandlungen unter Vermittlung von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki auf einen Kompromiss zur Machtteilung verständigt. Dieser sagte später, die Verhandlungen über die neue Regierung seien noch nicht vollkommen beendet. "Es gibt noch Diskussionen über die Struktur der Regierung, und die sind noch nicht beendet." Er sei jedoch zuversichtlich, dass dies schnell passiere.
Buhrufe für Mugabe
Bei der Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens wurde Mugabe von einem Teil der versammelten Politiker mit Buhrufen empfangen, der künftige Premierminister Tsvangirai von der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) erntete hingegen Applaus. Die langjährigen Gegner reichten sich nach der Vertragsunterzeichnung die Hand. Vor dem Konferenzgebäude kam es zu einem Zwischenfall, bei dem sich rund 100 Anhänger Mugabes und Tsvangirai mit Steinen bewarfen und gegenseitig verprügelten. Polizisten lösten die Menge mit Wasserwerfern auf.
Die Einigung sieht die Schaffung eines sechsköpfigen Kabinetts und einer Regierung aus 31 Ministern vor. 15 Ministerposten gehen an Mugabes ZANU-Partei, 13 an Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) und der Rest an die MDC-Splitterpartei von Arthur Mutambara, der ebenfalls unterzeichnete. Tsvangirai wird auch Mitglied des Sicherheitsrats und die Regierungspolitik mitbestimmen. Die neue Führung erwartet laut dem Abkommen von Großbritannien Entschädigungszahlungen für die Enteignungen von Landbesitzern während der Kolonialzeit.
Mugabe gibt sich kämpferisch
Während Tsvangirai in seiner Rede den Aspekt der Versöhnung betonte, gab sich Mugabe erneut kämpferisch und machte die frühere britische Kolonialmacht für Simbabwes Probleme verantwortlich. Er betonte die Bedeutung einer afrikanischen Lösung des Konflikts sowie die Perspektive einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Tsvangirai. "Was immer in der Vergangenheit passiert ist, ist Geschichte - lasst uns nach vorne blicken", sagte der 84-Jährige, der erneut an die Zeiten des Befreiungskampfes erinnerte. "Lasst uns Verbündete sein", sagte Mugabe. Tsvangirai sagte, die Einigung sei das "Versprechen schmerzhafter Kompromisse". "Die Spaltungen gehören der Vergangenheit an." Zugleich sprach er sich für eine Öffnung Simbabwes für die Hilfe internationaler Organisationen aus.
Nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Ende März war das Land in Chaos und Gewalt versunken, weil die MDC den Sieg bei beiden Wahlen für sich beanspruchte, Mugabe seine Niederlage aber nicht eingestand. Am zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl im Juni nahm Tsvangirai wegen massiver Einschüchterung nicht mehr teil.
Die Europäische Union kündigte an, angesichts der politischen Fortschritte in Simbabwe Sanktionen vorerst nicht zu verschärfen. Die EU-Außenminister begrüßten am Montag in Brüssel die Einigung zwischen Mugabe und Tsvangirai. Die EU sei bereit, der geplanten Übergangsregierung mit einer Reihe von Maßnahmen zu helfen. Über eine Aufhebung der Sanktionen gegen Simbabwe werde frühestens im Oktober entschieden, sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana in Brüssel. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte in Washington mit, Priorität der neuen Regierung müsse der "Wille des Volkes" sein.
(apa/red)
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