Wiederholung und Fadesse bei Thurnher:
Faymann und Strache kauen alte Argumente
- Der news.at-Kommentar zum jüngsten TV-Duell
- Über Abwehrstrategien und verpuffte Angriffspläne
Als sich Bruno Kreisky 1975 erstmals gegen seinen Kontrahenten Josef Taus im Fernsehen duellierte, glich dies einer Sensation. Damals noch ohne Moderation revolutionierte dieses Format die Fernseh- und Politikgeschichte gleichermaßen. Heute gehören solche TV-Konfrontationen zum Standard-Programm eines Wahlkampfes. Doch die exzessive Handhabung dieses Formates treibt diese Form des Streitgesprächs in den Ruin. Als sich Faymann und Strache gegenüber saßen, konnten sie kaum Neues präsentieren. Dieselben Themen wurden von denselben Gesichtern abgespult. Der Verlauf war vorprogrammiert und bot kaum Überraschendes.
Der höfliche Beginn der Konfrontation wurde jäh unterbrochen, als Thurnher auf das Thema Integration zu sprechen kam. Strache versuchte mit allem zu feuern was er hatte: Ausländer im Gemeindebau, Probleme im Schulwesen und Fremdenrecht. Doch der FPÖ-Chef verpulverte seine Munition völlig ungezielt. Lächelnd erinnerte Faymann daran, dass das letzte Fremdenrechtspaket mit den Stimmen der SPÖ beschlossen wurde und mit souveräner Gelassenheit stellte er die von Strache präsentierten Zahlen richtig. Die Aufgeregtheit des HC-Man prallt am souveränen Lächeln des Newcomers ab.
Auch der letzte verzweifelte Versuch Straches, die Schwachpunkte seines Gegners bloß zu legen, wurde sowohl von der Moderation als auch von Faymann unterbunden. Der Verweis auf die Bawag, wo der FPÖ-Chef einen neuen Skandal witterte, ging im Wortschwall von Thurnher und Faymann unter. Auch hier konnte HC-Man nicht punkten. Das wirkte sich auch auf die Umfrage von news.at aus: Über 78 Prozent sehen in Faymann den eindeutigen Sieger der Konfrontation.
Ein Thema, auf das die Moderation insistierte, war natürlich die Möglichkeit einer rot-blauen Koalition. Dem wurde von Faymann eine Abfuhr erteilt mit dem schon bekannten Lächeln. Doch dieses Thema ist weniger für die Wählerschaft von Interesse, als vielmehr für die SP-Funktionäre. Obwohl ein Großteil der unentschlossenen Wählerschaft gerade eine Abgrenzung der Roten von der SP wünscht drängen viele Funktionäre auf eine Änderung des Ausgrenzungskurses. Das einzige Thema, das bei Faymann tatsächlich einen Nerv treffen könnte. Doch auch hier blieb die Eskalation weitgehend aus.
Im Vorfeld wurde viel über die schwierige Rolle Faymanns bei diesem Duell geschrieben. Einerseits müsse er die scharfen Attacken Straches abwehren und trotzdem Haltung bewahren. Dies hatte zwar seine Berechtigung, doch die scharfen Attacken Straches verpufften zu einem Gutteil und den Rest konnte Faymann mit seinem gewohnten Lächeln aus der Welt schaffen. In der Wiederkehr des Althergebrachten kann man nicht mehr mit einem Überraschungsangriff rechnen.
(Sebastian Baryli)

