Grüne mit ÖVP-SPÖ im Regierungsboot?
Van der Bellen strebt Dreierkoalition an
- Würde SPÖ auch Koalition mit BZÖ und FPÖ zutrauen
- Grünen-Chef prognostiziert Kleinparteien-Scheitern

·Große Koalition seit 1945 Standardmodell
Rot-Schwarz stellte in 35
von 63 Jahren Regierung
·Kurzporträts der
Spitzenkandidaten
Diese Politiker werden
bei der NR-Wahl antreten
·"Konkrete Lösungen statt Waden beißen"
Grünen-Politikerin Eva Glawischnig im Interview
Grünen-Chef Van der Bellen strebt eine Zweier-Koalition mit der SPÖ oder ÖVP an - und er glaubt auch, dass sich das ausgeht. Im APA-Interview prognostizierte er das Scheitern der Kleinparteien und die Aufteilung der Restmandate auf die Parlamentsparteien. Damit wären 45 Prozent zusammen mit einer Großpartei für eine Koalition ausreichend, so Van der Bellens Rechnung. Sein Wahlziel sind 15 Prozent.
Wem der beiden Großen er die restlichen 30 Prozent eher zutraut - die SPÖ liegt in Umfragen derzeit bei 28 Prozent, die ÖVP bei 26 Prozent - wollte er freilich nicht beantworten. "Das ist mir im Grunde genommen nebensächlich", so Van der Bellen. Bezüglich einer möglichen Koalition sei vielmehr die Frage, wer von den derzeitigen Regierungsparteien eher bereit ist, große Innovationen im Bildungswesen sowie in der Energiepolitik umzusetzen, so der Professor.
Hürden bei Zusammenarbeit
Eine Zusammenarbeit mit der ÖVP kann sich Van der Bellen nur bei einem gemäßigterem ÖVP-Kurs in der Zuwanderungspolitik vorstellen. Bei der SPÖ stört ihn, dass sie "jede Chance auf eine moderne Energie- und Klimapolitik verschlafen hat" und ihre neue EU-Linie.
SPÖ-FPÖ-BZÖ?
Den Sozialdemokraten traut er bezüglich Koalitionen so einiges zu. Neben der vielzitierten "Wachteleier"-Koalition mit der FPÖ, hält Van der Bellen auch eine Dreier-Koalition zwischen SPÖ, FPÖ und BZÖ für möglich - sollten das die Mehrheitsverhältnisse erfordern.
Ziel: 15 Prozent
Als Wahlziel hält der Parteichef an 15 Prozent fest. Dass er zuvor von 17 Prozent gesprochen hat, soll man "nicht so ernst nehmen". Es gehe den Grünen einfach darum, zuzulegen, um in die Regierung zu gelangen. Einmal mehr hob er den 28. September als "Richtungswahl" zwischen Grün und FPÖ hervor, die beide um Platz drei rittern.
Stimmenpotenzial: Die Unentschlossenen
Hoffnung setzt der Professor in die noch unentschlossenen Wähler. Stimmenpotenzial ortet der Grünen-Chef dabei mit Ausnahme der "Hardcore-Freiheitlichen" in allen Lagern. Die Konkurrenz des LIF fürchtet Van der Bellen nach eigenen Angaben nicht. Er verweist darauf, dass die Liberalen bei ihrem letzten Antritt 2002 knapp ein Prozent erreicht haben. "Auf was hinauf, sollen sie sich vervierfachen?", fragt der Professor.
(apa/red)
