Freitag, 12. September 2008

Das Millionen-Geschäft in der Grauzone:
Handyuser mit Zusatzdiensten abgezockt

  • FORMAT: 18 Millionen Euro werden damit umgesetzt
  • Hunderttausende Nutzer zahlen jedoch nicht freiwillig

Sie sind nützlich für Allergiker, die das Pollen-Wetter kennen müssen, sie bereiten Kunden Spaß mit Erotik oder lustigen Klingeltönen - für Hunderttausende Handybesitzer sind sie in regelmäßigen Abständen aber ein echter Garant für Ärger. 18 Millionen Euro geben die Österreicher für kostenpflichtige Zusatzdienste am Handy aus. Hunderttausende Nutzer leider nicht freiwillig.

Die Rede ist von sogenannten Mehrwert-SMS, kostenpflichtigen Zusatzdiensten für das Handy. Diese sind in Österreich mit seiner hohen Handy-Durchdringung ein einträgliches Geschäft für alle Beteiligten: für Inhalte-Produzenten, Plattformbetreiber und Mobilfunker. 18 Millionen Euro wurden 2007 mit Klingelton-, Spiel- und Erotik-Diensten umgesetzt.

Das Gros der Kunden bestellt die Dienste aktiv, doch das Geschäft lässt auch genug Spielraum für schwarze Schafe. Die senden an Hunderttausende Handynummern wahllos SMS, deren Erhalt bereits kostenpflichtig ist oder wo mit einem falschen Klick bereits ein Abo-Geschäft abgeschlossen wird. Pro SMS werden da drei, fünf, ja sogar zehn Euro abgebucht. Wer seine Rechnungen nicht genau studiert, wird es in der Regel gar nicht bemerken, bestätigt ein Mitarbeiter eines Netzbetreibers. Kleinvieh macht hier viel Mist, vor allem in der Masse. "Nur fünf bis zehn Prozent der Kunden beschweren sich", sagt ein hochrangiger Mitarbeiter einer Mobilfunkfirma, "und solange alle daran verdienen, hat keiner ein ehrliches Interesse, diesen Unfug wirklich abzustellen."

Ausweg: Sperre
Mangelndes Problembewusstsein will sich Gerald Tauchner, Chef des Plattformbetreibers Dimoco, nicht vorwerfen lassen. Dimoco gehört zu einer Hand voll Firmen in Österreich, welche die zu drei Viertel aus dem Ausland kommenden Inhalte-Anbieter technisch an die Mobilfunkbetreiber anbinden. "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren zwei bis drei unserer Kunden deaktiviert, weil es zu viele Beschwerden gab", sagt er. "Private, die sich mit dubiosen Angeboten ein paar Tausend Euro verdienen wollen, werden von uns gar nicht mehr angeschlossen." Er verweist auf die Initiative www.sms-sperre.at, wo sich Handynutzer formlos für den Empfang solcher Mehrwert-SMS sperren lassen können. Wenn ein solcher Kunde etwa bei TV-Votings mitmachen will, dann klappt das aber nach wie vor.

Über die Seite des Regulators, www.rtr.at, können Kunden unter Eingabe der Absender-Nummer leicht herausfinden, welcher ausländische Anbieter dahintersteckt. Eine Gutschrift können sie aber nur beim Rechnungsleger, dem Netzbetreiber, erwirken - innerhalb der Einspruchsfrist von üblicherweise vier Wochen.

Bis auf weiteres hilft also nur, die Rechnung zu kontrollieren und unbekannte SMS-Botschaften sofort zu löschen. Wer auf diese SMS antwortet, hat oft schon verloren und ein Klingelton-Abo "gewonnen".

Die ganze geschichte lesen Sie im aktuellen FORMAT 37/2008

12.9.2008 17:27