Schummeln 2.0 mit Handy, Computer & Co.:
E-MEDIA über den elektronischen Spickzettel
- Hightech-Methoden um Lehrer austricksen zu können
- Vom Laptop am Klo bis zum Wasserflaschen-Trick

Was waren das für Zeiten, als wir vor der Matheschularbeit zuhause winzige Formeln auf kleine Zettel kritzelten. Aber auch später, als die Technik weiter fortschritt, war Schummeln eher mühsam: E-MEDIA-Chefredakteur Atha Athanasiadis etwa plagte sich mit Nadel und Zwirn ab, um seinen Sony-Walkman in ein Kapuzenjäckchen einzunähen. Den Lehrstoff hatte er zuvor auf Kassette gesprochen
Der MP3-Player sagt an. Mit dem Auftauchen der ersten MP3-Player schien sich ein Eldorado für Schüler aufzutun. "Früher ging's noch rein, dass man erklärte, während der Schularbeit Musik zur Entspannung zu brauchen", erzählt Klaus Baumgartner, Vorsitzender der Aktion Kritischer Schüler. "Aber die Lehrer haben bald geschnallt, dass auf dem Player ganz was anderes ist als Musik, und die Verwendung von Kopfhörern verboten." Schade eigentlich
Klüger dank SMS
Auch das Handy kann während einer schriftlichen Arbeit wahre Geistesblitze in Schülerköpfen auslösen - wenn man sich nicht erwischen lässt. Eine SMS mit dem Rechenbeispiel an den großen Bruder etwa, der eine Mathekoryphäe ist, kann nie verkehrt sein. Gewiefte verwenden gleich ein Fotohandy, lichten den Angabezettel ab und schicken ihn weiter. Auch als Taschenrechner oder "Formeltresor" eignen sich die Phones. Kleiner Tipp für Lateiner: Im Internet gibt's Plattformen, die komplette Übersetzungen liefern. Oft reicht es schon, drei, vier Worte aus einer Textstelle zu googeln
Mobiles Internet hingegen ist kaum ein Thema in den Klassenräumen. Klaus Baumgartner: "Die meisten Schüler haben billige Handymodelle, mit denen das noch nicht möglich ist." Da muss dann die Pinkelpause herhalten, um mit jemandem außerhalb der Schule zu kommunizieren.
Der Laptop am Klo
Ebendiese Pinkelpause könnten findige Schüler auch nützen, um über ein dort verstecktes Notebook ins Netz zu gelangen. Dass das kaum geschieht, erklärt Klaus Baumgartner mit der Angst vor Diebstahl. Und fürs Schummeln unter dem Tisch sind die Notebooks einfach noch zu groß.
Eigendesign
Zu den beliebtesten Schummeltricks zählt aber nach wie vor der Spickzettel. Allerdings in einer fortgeschrittenen Variante: Der webaffine Schüler bastelt sich zuhause am Computer ein Etikett für seine Wasserflasche - die Logos verschiedener Mineralwasserfirmen finden sich im Internet. Auf die Rückseite des Etiketts wird alles draufgeschrieben, was man während der Prüfung brauchen könnte - in minimaler Schriftgröße. "Das Wasser wirkt dann wie eine Lupe und vergrößert den Text", erklärt Klaus Baumgartner. Und die Wasserflasche hat den großen Vorteil, dass sie einem selbst vom argwöhnischsten Lehrer nicht abgenommen wird.
Das Gesetz bin ich
Apropos Argwohn: Was Lehrer im Unterricht erlauben, liegt in ihrem Ermessen. Ob Handys oder MP3-Player im Unterricht stören, bestimmen allein sie. Wobei Klaus Baumgartner Grundtendenzen ortet: "Die älteren Lehrer lassen mehr zu, die jüngeren, die schon mit Internet und Handy aufgewachsen sind, handhaben das strenger." Und: "Lehrer, die als Schüler selbst geschummelt haben, checken die Tricks ihrer Schüler eher." Im Extremfall sammelt der Lehrer vor einer Schularbeit alle Geräte ein und setzt die Klasse komplett um, wobei die Schüler nur einen Stift - und eine Wasserflasche ;-) - mitnehmen dürfen.
Den kompletten Beitrag können Sie im E-MEDIA 18/08 nachlesen
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