Donnerstag, 11. September 2008

Heimspiel für den Kronprinzen

  • Josef Pröll startet Intensivwahlkampf

Josef Pröll startet in Niederösterreich seinen Intensivwahlkampf und stellt mit großer Professionalität die Bundespartei in den Schatten.

Kann das Pröll-„Gen“, dieses politische Kraftfutter Marke Niederösterreich, den offensichtlichen Abwärtstrend der Bundes-ÖVP im Wahlkampffinale doch noch einbremsen? Das jedenfalls hat sich der Jüngere der Pröll’schen Politdynastie, Agrar- und Umweltminister Josef Pröll, 40, vorgenommen: „Mein Ziel ist klar definiert – die Nummer 1 in Niederösterreich zu werden. Wir waren das bei vielen Nationalratswahlen nicht, wurden oft von der SPÖ geschlagen. Zwar können wir uns auch vom allgemeinen Bundestrend nicht ganz verabschieden, aber ich bin stolz drauf, mich auf die beste ÖVP-Landesorganisation der Republik stützen zu können.“

Tatsächlich: Die Truppe seines Onkels Erwin, die diesem erst im Frühjahr den triumphalen 54,4-Prozent-Wahlsieg organisierte, hat erneut den Turbo angeworfen: für einen Vorzugsstimmenwahlkampf samt eigenem Wahlstart mit Tausenden Funktionären und noch satten 300 Lokalevents quer durchs Land binnen 17 Tagen – Niederösterreich marschiert. Um so viele Stimmen für Wilhelm Molterer einzufahren, dass dieser seine Kanzlerchance vielleicht noch wahren kann.

„Kein Grund zur Besorgnis!“ Dafür, dass die Bundespartei ziemlich schwächelt, dafür, dass alle Demoskopen Molterer & Co schon als Wahlverlierer sehen, gibt sich Sepp Pröll erstaunlich locker. Diese Wahl werde erst in den allerletzten Tagen entschieden, macht er sich und seinen Getreuen Mut. Dabei: „Das Rennen um Platz 1 wird sicher äußerst knapp. Aber es geht um Vertrauenswürdigkeit, um Professionalität, darum, wer dieses Land führen kann. Und da hat Molterer als einziger der Spitzenkandidaten die Nase vorne“, übt sich der Niederösterreicher in demonstrativer Loyalität. Ärgerlich fand er neben anderen innerparteilichen Missstimmigkeiten vor allem die zuletzt nur mit größter Mühe im Keim erstickte Debatte, ob nicht er der viel bessere Spitzenkandidat als Molterer gewesen wäre: „Die Führungsfrage ist geklärt“, so Pröll trocken.

Schwächelnde Bundespartei hofft auf die Unentschlossenen. Nicht wirklich optimal verlief der Start des Intensivwahlkampfs der Bundespartei zuletzt in Graz. Zu dem sich Niederösterreichs VP-Chef Erwin Pröll für knapp 90 Minuten sogar mit dem Hubschrauber einfliegen ließ, nur um VP-Chef Molterer beizustehen. Der schwarze Kanzlerkandidat ist sich der Dramatik der letzten Wahlkampftage sehr bewusst. Molterer: „Keine leichte Ausgangsbasis für uns, es geht wirklich um alles! Sonst droht Rot/Grün oder Rot/Blau als Regierung, wenn wir nicht Erster werden.“ Er und Josef Pröll hoffen, im Teich der noch 35 Prozent unentschlossenen Wähler siegbringend fischen zu können. Molterer: „Ich bin überzeugt, dass es klappen wird.“

Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS-Magazin

11.9.2008 11:30