'Die Beichte eines Irren'

  • Report über den Kannibalen-Prozess

Jener Mann, der einen Mitbewohner tötete und ausweidete, kommt in eine ,Anstalt für geistig Abnorme‘.

Wie sieht ein Mensch aus, der einen anderen „einfach so im Streit“ um zwei DVDs, zwei Plastikfeuerzeuge und ein Paar Kopfhörer, „im Blutrausch“ zu Tode prügelt und dann die Leiche seines Opfers öffnet, „vom Kopf bis zu den Füßen“, Organe aus dem Körper herausnimmt, „um endlich zu wissen, wie ein Mensch von innen ausschaut“?

Ein „ruhig gestellter“ Angeklagter. Die Bilder, die von Robert Ackermann nach seiner Wahnsinnstat im August 2007 gemacht wurden, sind um die Welt gegangen. Sie wurden in Zeitungen und im Fernsehen gebracht und zeigten einen schmächtigen Burschen, der mit „bösem Blick“ und nach unten gezogenen Lippen in die Kamera starrte. Und der so ganz anders wirkte als der junge Mann, dem nun am 4. September 2008 im Wiener Landesgericht der Prozess gemacht wird.

Langsam, mit schleppenden Schritten, kommt er, mit ausdruckslosem Gesicht und zu Boden gerichteten Augen, flankiert von zwei Justizwachebeamten, den Gang entlang. Die Schnürsenkel der Turnschuhe, nur lose zusammengebunden, die Jeanshose, sie sitzt tief, fast schon unter dem Steißbein, das weiße Hemd spannt. 46 Kilo hat Robert Ackermann in einem Jahr hinter Gittern zugenommen. Die Psychopharmaka, das kalorienreiche Essen.

Ruhiger ist er geworden in den vergangenen Monaten, er schlägt nicht mehr, wie früher, wild um sich, er schreit nicht, apathisch nimmt er auf der Anklagebank Platz, beinahe so, als würde er nicht verstehen, wieso er hier sitzt. „Warum, Herr Ackermann“, fragt die Richterin, „haben Sie Josef Schweiger getötet?“ Im Stakkato folgt die Antwort: „Wir haben gekämpft, wir haben bloß gekämpft.“

„Warum haben Sie miteinander gekämpft?“ Zwei Obdachlose, psychisch krank, untergekommen in einer Notschlafstelle eines privaten Hilfsvereins in Wien-Fünfhaus … „DVDs von mir waren weg, ich bin zu Schweiger in sein Zimmer gegangen. Ich hab gesagt, wo sind die DVDs, er hat gesagt, ich hab sie nicht, ich hab Feuerzeuge von mir bei ihm gefunden und mein Headset.“

„Ich bin zornig geworden.“ Und dann? „Ich bin zornig geworden. Ich hab auf Schweiger eingeschlagen, ja, ich hab eingeschlagen auf ihn, er hat mit einem Sessel auf mich einschlagen wollen, ich hab ihn gepackt und weggestoßen, den Sessel, und ich hab noch mehr eingeschlagen auf ihn, auf den Schweiger.“ „Herr Ackermann, könnten Sie bitte ein bisschen verständlicher und langsamer sprechen?“, ersucht der Protokollschreiber. „Das schnelle Reden gehört zum Krankheitsbild des Beschuldigten“, erklärt die Richterin. Die psychiatrischen Gutachter, die den Zwanzigjährigen untersucht haben, nicken. „Gut eingestellt“ sei der Patient mittlerweile, die medikamentöse und therapeutische Behandlung zeige also bereits Wirkung.
Diagnose: schwere Schizophrenie.

Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS-Magazin 37/2008!

10.9.2008 16:01
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