Rufer aus der Wüste: Wie steht es um die Fusionierungspläne der Telekom wirklich?
- FORMAT: Gespräche sind bereits weiter als gedacht
- Nemsic fährt Strategie des "Deckel-Draufhaltens"

·Orascom Ägypten will
Telekom übernehmen
ÖIAG angeblich auch an Aktientausch interessiert
·Strahlemann Boris Nemsic räumt auf
FORMAT: Knochenharter Job für den Telekom-Boss
·Telekom Austria mit unerwartetem Minus
Ergebnis bei Festnetz um 47 Prozent eingebrochen
Die Pläne für eine Fusion der Telekom Austria mit dem Imperium des Ägypters Naguib Sawiris sind weiter gediehen als gedacht. Über das Stadium der Annäherung ist man längst hinaus. Seit einem halben Jahr wird geredet. Sitz des neuen Konzerns soll Wien sein.
Roadshows bei Investoren in den USA sind für Manager an sich kein Honiglecken. Die Fragen der Fondsmanager sind hart, umso mehr, wenn die Gewinne niedriger als gewohnt ausfallen - wie aktuell bei der Telekom Austria (TA). Die Antworten werden klar und präzise erwartet. So kam es TA-Boss Boris Nemsic höchst ungelegen, als ihn am Dienstag dieser Woche zwischen zwei Investorengesprächen in den USA die Nachricht erreichte, dass zuhause ein möglicher Deal mit der ägyptischen Orascom öffentlich geworden ist.
In den vergangenen Wochen war die Telekom-Führung nämlich peinlich darum bemüht, den Eindruck, sie sei aktiv auf Partnersuche, zu verwischen. Zur Diskussion über einen weiteren Privatisierungsschritt sagte Nemsic in einem FORMAT-Interview nur: "Wir täten uns schon leichter, wenn wir zwei- oder dreimal so groß wären." Die Anfragen von ausländischen Telekom-Konzernen und Finanzinvestoren wurden aber als reine Interessenbekundungen abgetan.
Eine spektakuläre Fusion
Diese Strategie des Deckel-Draufhaltens wird sich jetzt nur noch schwer durchstehen lassen, seit die Zeitung "Kurier" berichtete, es werde an einer Transaktion mit der ägyptischen Orascom-Gruppe gebastelt. Boris Nemsic schweigt dazu zwar nach wie vor. Aber FORMAT-Recherchen haben ergeben, dass die Sache schon ziemlich weit gediehen ist. Zwar können der TA-Kernaktionär, die Verstaatlichtenholding ÖIAG, und Nemsic keine richtigen Verhandlungen mit Orascom-Boss Naguib Sawiris führen, weil es keinen Privatisierungsauftrag für die Telekom Austria gibt. Über das Stadium der Annäherung ist man trotzdem längst hinaus. Seit einem halben Jahr wird geredet, sagt einer, der es wissen muss.
Worüber man sich verständigt hat, ist allemal als spektakulär zu bezeichnen. Die Österreicher und der Ägypter, Spross der reichsten Familie Afrikas, streben eine Fusion von Telekom Austria und der im Besitz von Sawiris stehenden Holding Weather Investments an. Sitz der neuen Gesellschaft wäre Wien, das ist ausgemacht. Auch dass dieses Headquarter eines großen Multis langfristig in Österreich bleibt, soll sichergestellt werden. Der Konzern wäre an der hiesigen Börse gelistet und der größte Wert im Hauptindex ATX.
Auf diese Weise würde die neue, mit Weather verschmolzene Telekom Austria die Dachgesellschaft für sämtliche Mobilfunk-Aktivitäten: für die Orascom, die von Ägypten bis Bangladesch tätig ist, für Wind Italien und Wind Griechenland und die österreichische A1 mobilkom. Das Festnetz der TA bliebe ebenfalls im Verbund. Auch über die künftige Führung wurde schon gesprochen: Boris Nemsic soll Vorstandschef werden, Naguib Sawiris der Vorsitzende des Aufsichtsrates.
Headquarter in Wien, Mehrheit bei Sawiris
Die Börsenkapitalisierung läge nach aktuellen Werten bei 20 bis 22 Milliarden Euro, womit die "Weather Telekom Austria" auf Rang fünf bis sieben in Europa vorstieße. Eine exakte Bewertung der einzelnen Unternehmensteile fehlt zwar noch. Aber es lässt sich schon abschätzen, dass sich der Anteil der Staatsholding ÖIAG, die derzeit knapp 28 Prozent an der TA hält, auf rund zwölf Prozent belaufen würde. Die TA-Streubesitzaktionäre hätten weniger als 30 Prozent, wobei sich die Frage eines Übernahmeangebots stellen wird. Die Mehrheit hätte Sawiris.
TA-Zampano Boris Nemsic und seine Vorstandskollegen halten ein Zusammengehen mit Orascom & Co für strategisch höchst aussichtsreich. Gemeinsam mit den expansiven Ägyptern will man rasch neue Märkte erobern: etwa die GUS-Staaten, weitere asiatische Länder oder die Ukraine. Die Orascom weist zwar nach der auf Pump finanzierten Übernahme von Wind Italien einen hohen Verschuldungsgrad auf. Dennoch hat die TA mit Sawiris, dessen Privatvermögen auf 13 Milliarden Euro geschätzt wird, ganz andere Möglichkeiten für Zukäufe.
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