Am seidenen Faden: Gibt Textilindustrie herben Vorgeschmack für Gesamtwirtschaft?
- FORMAT über Umsatzeinbußen und Absatzstagnation
- Textilbranche als Indikator für konjunkturelle Trends

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Positive Meldungen aus der US-Wirtschaft lassen auf eine gar nicht so schlechte heimische Konjunktur hoffen. Ein wichtiger Indikator, die Textilindustrie, stimmt aber weniger zuversichtlich. Denn seit kurzem melden österreichische Hersteller Umsatzeinbußen und stagnierenden Absatz.
Knalliges Pink, das ist die Farbe, die derzeit auf der New Yorker Fashion Week ins Auge sticht. Models führen ihre knappen Shorts und Miniröcke in greller Pracht über den Laufsteg. In Österreich hingegen ist die Farbe der Saison eher Rot, Alarm-Rot.
Seit einigen Wochen nämlich melden heimische Textilhersteller stagnierenden Absatz und warnen vor schmerzhaften Umsatzeinbußen. Der harte Konkurrenzkampf in Asien, der starke Euro, steigende Energiekosten und die schwache Nachfrage ließen die Ergebnisse fast aller großen Fasererzeuger und Stoffproduzenten - nach mehreren guten Jahren - im zweiten Quartal 2008 erstmals wieder sinken. Experten erwarten für das Gesamtjahr lediglich 1 bis 1,5 Prozent Wachstum. "Die Situation und der weitere Ausblick sind schwierig", formuliert es der Standesvertreter der Wirtschaftskammer, Reinhard Backhausen, vorsichtig.
Sensible Textilbranche
Diese Prognose ist brisant. Denn die Textilbranche ist wie kaum eine andere sensibel für konjunkturelle Trends und sechs bis sieben Monate früher als die meisten anderen Sparten von ökonomischen Turbulenzen betroffen. Gerade jetzt, da der Ölpreis wieder etwas nachgibt, der Dollar steigt und die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac durch eine Rettungsaktion der Regierung vor der Pleite bewahrt wurden, hofften viele, der internationale Wirtschaftsabschwung werde mild ausfallen und von kurzer Dauer sein. Doch die Meldungen aus der heimischen Textilindustrie lassen kaum Erwartungen zu, dass die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen doch nach oben revidieren könnten. "Die exportorientierte Sachgütererzeugung ist bereits massiv von einem Abschwung betroffen, und die Konjunkturaussichten für den Herbst sind nicht gut", bestätigt Markus Marterbauer vom Wirtschaftsforschungsinstitut. In einer Prognose vor dem Sommer rechnete der Experte mit 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum - 2007 waren es noch 3,1 Prozent.
Produktionsrückgang, Mitarbeiterabbau
Die Textilindustrie könnte so einen bitteren Vorgeschmack auf die kommende Wirtschaftsentwicklung geben: Bei Linz Textil etwa sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 8,5 Prozent auf 71 Millionen Euro. Per Ende Juni wurde deswegen auch die Weberei in Reutte mit vierzig Mitarbeitern geschlossen. Derzeit baut das Unternehmen eine Viskosespinnerei in Nanjing in China, die Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. Der Linzer Konzern mit Großkunden auf der ganzen Welt muss allerdings schon vor deren Eröffnung Kapazitäten reduzieren. "Wir haben 25 Prozent weniger Kapazität in China installiert als geplant", bekennt Linz-Textil-Chef Dionys Lehner.
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