Niedrigste & mittlere Einkommen entlasten:
WIFO-Chef Aiginger im FORMAT-Interview
- Aiginger: 'Kalte Progression muss abgegolten werden'
- Einkommen zwischen 2.000 und 6.000 Euro entlasten

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Trotz Kampf gegen die Teuerungswelle bleibt die Steuerreform die große Unbekannte im Wahlkampf. Und das, obwohl die steuerliche Entlastung der Österreicher oberste Priorität haben müsste. Im Interview mit FORMAT schlägt WIFO-Chef Karl Aiginger die Anhebung der Steuergrenzen, Tarifsenkungen und eine Vermögenszuwachssteuer vor.
FORMAT: Welche Eckpunkte müsste eine Steuerreform enthalten?
In allen Steuergruppen muss zumindest die kalte Progression abgegolten werden. Das alleine kostet etwa zwei Milliarden Euro. Dafür sollten alle Einkommensgrenzen angehoben werden. Darüber hinaus sollten in erster Linie die niedrigsten, in zweiter Linie mittlere Einkommen entlastet werden. Deshalb müssen - neben den Steuersätzen - auch die Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden, da man bis zu einem Jahreseinkommen von 14.000 Euro keine Steuern zahlt.
FORMAT: Würde eine Flat Tax oder ein integrierter Steuersatz mit Sozialversicherung nicht vieles vereinfachen?
Aiginger: Erst ab einer Flat Tax von 43 Prozent hätten nicht die höchsten Einkommen die höchste Entlastung. Jede Flat Tax darunter ist mit dem Ziel einer sozialen Gleichstellung nicht vereinbar.
FORMAT: Die Politik will vor allem den Mittelstand entlasten. Bei welchem Einkommen würden Sie den ansetzen?
Aiginger: Zwischen zwei- und sechstausend Euro brutto pro Monat.
FORMAT: Bei vielen Mehrentlastungen braucht es eine Gegenfinanzierung. Womit könnte die Entlastung der Arbeit ausgeglichen werden?
Aiginger: Eine Vermögenszuwachssteuer könnte etwa 200 bis 500 Millionen Euro bringen, auch wenn vergangene Zuwächse nicht besteuert werden und Pensionssparen ausgenommen ist.
FORMAT: Bleibt nach der aktuell von SPÖ, BZÖ und FPÖ diskutierten Mehrwertsteuersenkung genügend Geld, um die Lohnsteuersätze zu reduzieren und die Steuergrenzen anzuheben?
Aiginger: Nur wenn das Volumen insgesamt erhöht wird. Denn nach unseren Berechnungen bleiben von den drei Milliarden, die jetzt verfügbar wären, eineinhalb Milliarden über. Damit ist wenig möglich: Man könnte den Eingangssteuersatz bestenfalls um zwei Prozent senken. Das alleine wäre außerdem nicht sinnvoll, das Ziel ist vielmehr eine vernünftige, progressive Kurve der Summe von Sozialversicherung und Steuern.
Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT 08/37!

