Hoffnung für Lehman Brothers? Bank of
America als Übernahmefavorit gehandelt
- Berichte: Auch Barclays als Interessent gehandelt
- Auch andere Banken sind in der Immobilien-Krise

Für die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers ist möglicherweise bald Rettung in Sicht. Als Favorit für eine Übernahme der 158 Jahre alten Traditionsbank wurde in Medien- und Analystenberichten die Bank of America (BofA) gehandelt. Der für seine genauen Vorhersagen für Lehmans Entwicklung bekannte Analyst Richard Bove von Ladenburg Thalmann schrieb in einer Kundenmitteilung: "Ich denke, dass die Bank of America die Auktion für Lehman Brothers gewinnen wird." Die beiden Geldhäuser passten einfach gut zueinander.
An den Finanzmärkten wurde spekuliert, dass Lehman eine Erklärung noch vor Handelsbeginn an der New Yorker Börse abgeben würde. Die Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren. In Kreisen hatte es zuvor geheißen, dass sich Lehman gänzlich zum Verkauf stellen wolle.
Zuletzt hatten sich im Ringen um eine Rettung der krisengeschüttelten Bank die Ereignisse überschlagen. Nachdem ein Überleben der Traditionsbank infrage gestellt wurde und ihr Aktienkurs um mehr als 40 Prozent einbrach, stellte sich das Bankhaus Kreisen zufolge komplett zum Verkauf. Mehrere Geldhäuser nähmen derzeit Lehman genauer unter die Lupe, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mindestens ein Konzern sei an einer vollständigen Übernahme interessiert.
Ist Barclays interessiert?
Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtete, die Bank of America führe Gespräche mit Lehman. In anderen Medienberichten wurde Barclays als Interessent genannt. Bank of America und Barclays lehnten eine Stellungnahme ab. In Kreisen hieß es weiter, zur Diskussion stehe bei Gesprächen von Lehman mit der US-Regierung neben einer vollständigen Übernahme auch der Verkauf von Unternehmensteilen oder ein Eingreifen der Regierung. Die letzte Option werde von Lehman jedoch nicht angestrebt, sagte eine mit den Unterredungen vertraute Person. Das US-Finanzministerium erklärte auf die Frage nach den Berichten über Lehman erneut, man behalte die Märkte im Auge und sei mit den Marktteilnehmern in regelmäßigem Kontakt.
Die "Washington Post" berichtete unterdessen unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise, die US-Regierung wolle einen Verkauf von Lehman Brothers vermitteln. Das Finanzministerium und die US-Notenbank fädelten ein Geschäft mit einem Konsortium privater Firmen ein. Die Transaktion solle noch am kommenden Wochenende bekanntgegeben werden. Ein anderer Informant erklärte allerdings, Lehman wehre sich gegen eine staatliche Einmischung.
Auch andere Banken in der Krise
Lehman Brothers hatte einen Quartalsverlust von 3,9 Mrd. Dollar bekanntgegeben. Das 1850 von deutschen Einwanderern gegründete Traditionshaus braucht dringend Kapital, um Verluste aus faulen Immobilienkrediten auszugleichen. Auch andere Banken bekamen die Finanzkrise deutlich zu spüren. Die angeschlagene US-Bank Washington Mutual teilte mit, wegen der Kreditmarktkrise mit weiteren Milliardenabschreibungen zu rechnen. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen wegen der Hypothekenkrise bereits 2,17 Mrd. Dollar in den Sand gesetzt.
Die Krise bei Lehman erinnert stark an das Schicksal der US-Rivalin Bear Stearns: Die Investmentbank hatte im März wegen ähnlicher Schwierigkeiten auf Druck der US-Notenbank ihrem Zwangsverkauf zugestimmt. Die US-Bank JPMorgan zahlte für Bear Stearns nur einen geringen Preis. (apa/red)

