Wegen überversorgter Märkte: OPEC senkt Förderquoten und will schärfer kontrollieren
- Angolaner als neuer OPEC-Präsident gewählt worden
- Indonesien suspendiert seine OPEC-Mitgliedschaft
Angesichts stark gesunkener Rohölpreise hat die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bei ihrem Treffen in Wien beschlossen, ihre Förderung um rund 520.000 Fass pro Tag zu kürzen. Dies bestätigte OPEC-Präsident Chakib Khelil. Angesichts der "überversorgten Märkte" werde man ab sofort auch auf eine strikte Einhaltung der neuen Förderquoten achten, sagte der Minister nach einer Nachtsitzung der 13 Ölminister. Vor allem Saudi-Arabien hatte seit August deutlich mehr Rohöl gefördert als von der OPEC vorgesehen.
Die Entscheidung der Ölminister kam letztlich überraschend. OPEC-Analysten hatten fast einhellig damit gerechnet, dass die Konferenz die Quoten zumindest bis zur nächsten außerordentlichen Sitzung am 17. Dezember in Oran (Algerien) nicht antasten würde.
Irak und Indonesien nicht einbezogen
Offiziell senkte der Konferenz der Ölminister die bisher gültige Förderquote von zurzeit 29,67 Mio. Barrel auf 28,8 Mio. Barrel (je 159 Liter). Dies entspreche der Quote vom September 2007, hieß es. Allerdings wurden bei der Berechnung die stark schwankende Förderung des Iraks und die Indonesiens nicht mit einbezogen. Zuletzt lag die reale Förderung aller 13 OPEC-Länder bei über 32 Mio. Barrel pro Tag.
OPEC-Präsident Khelil betonte nach dem Treffen, er gehe davon aus, "dass die Preise trotz der Verringerung (der Produktion) weiter fallen" würden. Der zurzeit steigende US-Dollar werde sich mäßigend auf die Preise auswirken. Zuvor hatte OPEC-Sprecher Omar Ibrahim erklärt, die gegenwärtige "Überversorgung" der Ölmärkte mache die Kürzung der Förderquoten nötig. Die jüngsten, deutlich gesunkenen Ölpreise deuteten zunehmen auf eine "Veränderung des Trends" zugunsten steigender Ölpreise hin.
Nicht zuletzt aufgrund der starken Überproduktion Saudi-Arabiens von rund 600.000 Barrel täglich war der Preis für Rohöl in den vergangenen Wochen von rund 147 US-Dollar auf knapp über 100 US-Dollar am Dienstag gesunken.
Indonesien nicht mehr OPEC-Mitglied
Die neue Förderquote von 28,8 Mio. Barrel täglich schließt die neuen OPEC-Mitgliedsländer Ecuador und Angola ein, nicht aber den Irak und Indonesien, das bei der Tagung seine Mitgliedschaft in der Organisation bis auf weiteres suspendiert hat. Die 13 Ölminister wählten den angolanischen Ölminister Desidério da Graca Verissímo e Costa (74) zum amtierenden Präsidenten der OPEC-Konferenz für das Jahr 2009. Er Minister löst dann den Algerier Chakib Khelil ab, der der Konferenz im laufenden Jahr vorstand. Sein Vize wird der ecuadorianische Amtskollege Galo Chiriboga Zambrano.
Russland will seine Zusammenarbeit mit der Organisation erdölexportiernder Länder (OPEC) ausbauen. Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) sei dem Ölkartell bereits übermittelt worden, sagte der russische Vizepremierminister Igor Sechin am späten Dienstagabend in Wien. "Die Zusammenarbeit mit der OPEC ist eine der wichtigsten Ziele Russlands", sagte Senchin, der auch Vorsitzender des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ist. Analysten brachten die Absichtserklärung mit den Spannungen zwischen dem Westen und Russland über den Georgien-Konflikt in Verbindung. (apa/red)


