Dienstag, 9. September 2008

Ägyptisches Interesse an Telekom Austria:
Markt und Politik sehen Gerücht gelassen

  • Laut Matznetter bestehe "kein Handlungsbedarf"
  • Derzeit fehlt Privatisierungsauftrag der Regierung

Politik, Belegschaftsvertreter und der Markt haben sehr gelassen auf das neueste Übernahmegerücht betreffend der börsenotierten, teilstaatlichen Telekom Austria reagiert. Dass ein möglicher Einstieg durch die ägyptische Orascom Telecom im Gegensatz zu früheren Kaufgerüchten wenig Staub aufgewirbelt hat dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass der Deal derzeit ohnehin nicht spruchreif ist. Es fehlt der Privatisierungsauftrag durch die Regierung, und dass sich SPÖ und ÖVP im Intensivwahlkampf bzw. in den Koalitionsverhandlungen nach geschlagener Nationalratswahl auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen, wird durch die Bank ausgeschlossen.

Aus dem Büro von Eigentümervertreter Finanzminister Wilhelm Molterer hieß es, man werde sich alle Anfragen der Telekom Austria anschauen und prüfen, während Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter betonte, es gebe derzeit "keinen Handlungsbedarf". Aus Betriebsratskreisen hieß es, dass an den Übernahmespekulationen ohnehin "nichts dran" sei. Die Telekom-Führung selbst gab, wie schon zuvor bei anderen Marktgerüchten, keinen Kommentar ab. Zuletzt wurde 2006 in Medien berichtet, die griechische Hellenic Telecom (OTE) wollte die Telekom übernehmen, Athen verlor aber bald die Lust daran.

Orascom bereits in Italien und Griechenland aktiv
Mit Orascom wäre die Nummer 4 in der arabischen Welt Partner des österreichischen Ex-Monopolisten geworden. Das Unternehmen gehört zur börsenotierten Orascom Group im Besitz von Gründer Naguib Sawiris. In Europa sind die Ägypter als Kernaktionär an dem italienischen Mobilfunker Wind und der griechischen TIM Hellas beteiligt. Der französische Anbieter Bouygues soll sich im Visier Sawiris befinden. Der Manager scheut aber auch nicht vor schwierigen Märkten zurück, so wird er das erste kommerzielle Mobilfunknetz in Nordkorea betreiben.

Orascom sieht sich als "führendes Mobilfunkunternehmen" und als "langfristig, strategisch ausgerichteter Marktteilnehmer", so Sawiris, nachdem Ende des Vorjahres Gerüchte auftauchten, er wollte sein Firmenimperium verkaufen. Steigt er bei der Telekom Austria ein, hat er auch den Staat an Board, was bei Sawiris bisher auf wenig Begeisterung stieß. In einem Interview meinte er: "Regierungen sind langsam, bürokratisch, stur und politisch. Das zerstört Werte." Der Staat hält an der Telekom Austria noch 27,37 Prozent.

(apa/red)

9.9.2008 16:15