Dienstag, 9. September 2008

Russische Airline S7 buhlt heftig um AUA:
Auch am Flughafen Wien Interesse bekundet

  • S7 halte 'Ausschau nach einem strategischen Partner'
  • Wien könnte als Brücke nach Westeuropa dienen

Die russische Fluggesellschaft S7, die bereits Interesse an den Bundesanteilen der Austrian Airlines angemeldet hat, wirbt massiv um eine Kooperation mit der AUA und dem Wiener Flughafen. "Wir halten Ausschau nach einer strategischen Partnerschaft", kündigte S7-Chef Wladislaw Filew vor Journalisten in Wien an. Derzeit gebe es Gespräche mit dem Flughafen Wien. Eine Partnerschaft mit der AUA und dem Flughafen wäre laut Filew eine "Win-Win-Situation": "Wir können einander helfen, für den anderen neue Geschäft zu generieren".

Zu einem möglichen Angebot für den Bundesanteil der AUA - die ÖIAG hält 42,75 Prozent - hielt sich Filew aber heute bedeckt. Eine Kapitalbeteiligung sei nur ein Schritt bei einer angestrebten umfassenden Partnerschaft, die für beide Seiten gewinnbringend sein solle. Mitglieder im Bieterrennen um die AUA sind im laufenden Verfahren zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Die stark wachsende Airline S7 ist mit einem Marktanteil von knapp 16 Prozent im Russlandverkehr die größte russische Inlandsfluggesellschaft vor der Aeroflot (14 Prozent im ersten Halbjahr 2008), Utair (11,2 Prozent), STC Russia (6,1) und Air Union (5,9 Prozent), mit der AUA und Lufthansa eine Zusammenarbeit vereinbart haben. Für den Auslandsverkehr sieht sich S7 aber nach einer Alternative zu einer bestehenden Zusammenarbeit mit der deutschen Lufthansa um. Wien sei geografisch günstig zwischen Russland und Europa gelegen.

Bedarf an europäischem Drehkreuz
"Ein europäisches Drehkreuz ist sehr wichtig für uns", sagte Filew. Über Wien als Drehkreuz wäre er "sehr glücklich". Denn "Österreich war immer dem Osten des Kontinentes am nächsten". Über Alternativen denke er nicht nach: "Denken Sie an Alternativen, wenn Sie eine Frau heiraten wollen?", fragte er.

Die ehemals staatliche sibirische Airline "JSC Siberia", die seit Mai 2006 unter dem Namen S7 Airlines operiert, befindet sich heute zu 65 Prozent in Privatbesitz, Eigentümerin ist Filews Frau Natalja. Der Rest liegt weiterhin in staatlicher Hand.

Die Flotte umfasst derzeit knapp 70 Flugzeuge. 33 russische Maschinen der Typen Tupolew-154 und Iljuschin-86 sollen in den nächsten Jahren durch neue Boeing 737-800 NG und Airbus A320 ersetzt werden. Insgesamt hat S7 70 neue Flugzeuge bis 2014 bestellt. Im selben Jahr sollen auch 15 Boeing 787 Dreamliner an S7 als den ersten russischen Kunden ausgeliefert werden.

Wien könnte als Brücke nach Westeuropa dienen
Bis zum Jahr 2012 könnten rund 3 Millionen Passagiere aus Russland über Wien als Drehkreuz an andere Destinationen weiterfliegen, stellte Filew in Aussicht. Im Jahr 2008 fliegen knapp 25 Millionen Russen über die Drehkreuze Moskau Domodedowo und Frankfurt bzw. München weiter zu Destinationen in Europa und Amerika, im Jahr 2012 soll diese Zahl auf 43,4 Millionen steigen.

Filew verwies auf das erwartete starke Wachstum der Luftfahrt in Russland: Im Jahr 2007 und im ersten Halbjahr 2008 sei die Zahl der Passagiere im Land um 19 Prozent gestiegen. Die Zahl der Fluggäste habe sich seit 1999 von 7,1 Millionen bis 2007 auf 20,9 Millionen annähernd verdreifacht, ähnlich rasant soll die Entwicklung weitergehen. Bisher haben lediglich 10 Prozent der 142 Millionen Russen einen Reisepass.

Bisher gibt es in Russland 13 Millionenstädte, weitere 20 Städte weisen mehr als eine halbe Million Einwohner auf.
(apa/red)

9.9.2008 15:07