Domenech wird eine Gnadenfrist zugebilligt:
Frankreichs Teamchef darf vorerst aufatmen
- 2:1-Erfolg gegen Serbien dank Henry und Anelka
- "Einbahn-Fußball" bei Färöer-Rumänien endete 1:0

·Nach der Sensation folgt das Trauerspiel
ÖFB-Team verliert gegen Litauen verdient mit 0:2
·Spiele und Tabellen
der WM-Qualifikation
Spanien, England und
Deutschland als Leader
Kapitän Thierry Henry und sein Stürmerkollege Nicolas Anelka haben mit ihren Toren in Paris gegen Serbien nicht nur den 2:1-Sieg gesichert, sondern auch ihren Teamchef Raymond Domenech vorerst aus dem Schussfeld der Kritik genommen. Der "Selectionneur" war nach dem enttäuschenden 1:3 zum Auftakt der Fußball-WM-Qualifikation in Wien gegen Österreich wieder einmal besonders unter Erfolgsdruck gestanden.
Nach der zur Gruppe 7 zählenden Partie vor rund 45.000 Zuschauern in Paris, darunter auch der technische Sportdirektor des ÖFB, Willi Ruttensteiner, bekam Domenech von höchster Stelle Schonfrist. "Wir warten das dritte Spiel am 11. Oktober gegen Rumänien in Constanta ab, um dann die Situation zu beurteilen", erklärte Jean-Pierre Escalettes, der Präsident des französischen Fußball-Verbandes (FFF), in den Katakomben des Stade de France.
Domenech, der sich mit dem Vize-Weltmeister schon nach der Gruppen-Phase vom heurigen EM-Turnier hatte verabschieden müssen, steht seit der Endrunde unter Beobachtung und benötigt Resultate. Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er zu den Medien und einigen Spieler ein gestörtes Verhältnis habe. Und bei jedem Heimspiel wird er von den Fans mit Pfiffen und Unmutsäußerungen bedacht.
Domenech behält Ruhe
Manche Anhänger forderten auch währendes des Spiels neuerlich den Rücktritt des Teamchefs, der sich durch solche Sprechchöre jedoch nicht aus der Ruhe bringen lässt. "Ich habe davon nichts gehört, ich konzentriere mich voll auf das Spiel und nehme auch keine Notiz von dem, was rundherum passiert", erklärte Domenech, der diesmal Regisseur Yoann Gourcuff erstmals von Beginn gebracht und Anelka eingewechselt hatte.
Anelka und zuvor Henry waren es, die die "Bleus" knapp nach der Pause innerhalb von neun Minuten 2:0 in Führung schossen. Doch es war noch lange nicht alles Gold, was glänzte an diesem Abend. Die Abwehr wirkte wie am Wochenende im Wiener Prater nicht sattelfest, das Anschlusstor durch Ivanovic (76.) fiel nach einem Eckball, und in einigen Phase war in der ganzen Mannschaft Nervosität zu spüren.
"Das sind Dinge, wo es noch krankt und wo wir uns verbessern müssen", befand Domenech, der an seiner Elf nach den Teamrücktritten von Claude Makelele und Lilian Thuram noch zu viel zu arbeiten hat. Wie der Teamchef unter Druck steht, war auf der Pressekonferenz zu hören, als ein serbischer Journalist Domenech auf Französisch fragte, warum Henry und Anelka den Coach in ihrem Torjubel ignoriert haben. Darauf der Exzentriker: "Ich spreche nicht ihre Sprache. Die nächste Frage bitte."
"Einbahn-Fußball" bei Färöer-Rumänien
Im dritten Spiel der Österreich-Gruppe zwischen Färöer und Rumänien sah ÖFB-Spion Ernst Weber "Einbahn-Fußball" pur, auch wenn es das Resultat mit 1:0 für die Gäste, die mit einem 0:3 daheim gegen Litauen gestarten waren, nicht vermuten ließe. "Die Rumänen waren klar besser, technisch um zwei Klassen stärker, forcierten das Kurzpass-Spiel, hatten etwa 75 Prozent Ballbesitz und hätten höher gewinnen können", befand der Frauen-Teamchef.
Lobont, der Torhüter der Piturca-Truppe, habe erst kurz vor der Pause durch einen Rückpass erstmals den Ball bekommen. Die Färinger, die den entscheidenden Treffer durch Vasilic nach fast einer Stunde in Überzahl (Ausschluss von Ghionea) erhielten, hätten lange Zeit mit acht Mann verteidigt und seien nur in den letzten Minuten des Spiels offensiver geworden. Beide Mannschaften waren nicht in Bestbesetzung angetreten.
Zahlreiche Ausfälle bei Rumänen
Der EM-Teilnehmer musste ohne die verletzten Stars Adrian Mutu und Christian Chivu sowie die Stürmer Daniel Niculae und Cipran Marica sowie Mittelfeldmann Banel Nicoloita auskommen. Weber erfuhr bei seiner Beobachtung, dass auch den Hausherren drei Mann nicht zur Verfügung gestanden wären. Österreich tritt im nächsten Gruppen-Spiel am 11. Oktober in Torshavn an.
Der nächste Gegner hat am 12. September 1990 in der schwedischen Stadt Landskrona mit dem 1:0-Sieg in der EM-Qualifikation für eine der größten Blamagen in Österreich Fußball-Historie gesorgt. Damals war in seiner ersten ÖFB-Ära Josef Hickersberger, der Vorgänger von Karel Brückner, Teamchef. Im letzten EM-Quali-Spiel des Jahres haben die Schützlinge des Tschechen dann am 15. Oktober in Wien die Serben zu Gast.
(apa/red)
