Mittwoch, 10. September 2008

Nach Dusel-2:1 über Fußball-Zwerg Zypern:
Titelverteidiger Italien hat 2. Sieg im Visier

  • Europameister Spanien will vs. Armenien überzeugen
  • Kroatien vs. England großer Schlager des 2. Spieltags

Titelverteidiger Italien hat die WM-Qualifikation für 2010 mit einem erst in letzter Minute fixierten, mühevollen 2:1-Erfolg auf Zypern aufgenommen. Heute hat die Squadra in Udine gegen die von den Kriegswirren am Kaukasus gebeutelten Georgier die Chance, die matte Vorstellung mit einer bessere Leistung vergessen zu machen. Die Osteuropäer waren in Mainz mit einem 1:2 gegen Irland in die Gruppe 8 gestartet.

Nach dem 2:1 Italiens in Larnaka musste selbst Teamchef Marcello Lippi, der nach dem Gewinn des WM-Titel 2006 zurückgetreten war und nach der heurigen EM Roberto Donadoni beerbt hatte, zugeben: "Wir haben mehr bekommen als wir uns verdient haben." Lippi wird seine Elf auf alle Fälle an einigen Positionen ändern. Er muss es, denn nach Chiellini und Materazzi fehlen ihm jetzt auch noch Gamberini, Grosso und Gattuso.

Dazu könnte er Stürmer Luca Toni ein Pause gönnen. "Normalerweise lasse ich von Beginn an drei Mann stürmen, aber ich weiß nicht, ob wir das auch in Udine so machen werden. Ich will gegen Georgien erneut einen Sieg, aber wir dürfen nicht mehr mit so viele Risiko spielen", sagte der 60-Jährige, dessen Truppe in der Vorbereitung in Nizza gegen Österreich ein 2:2 erreicht hatte.

Defizite bei Toni
Lippi, der für Gattuso Mittelfeldspieler Antonio Nocerino von US Palermo nachnominierte, machte bei Toni körperliche Defizite aus. "Aber ich bin sicher, er wird in Zukunft wieder seine Tore erzielen und ein Schlüsselspieler für Italien werden." Im zweiten Spiel der Gruppe 8 haben die Montenegriner, die am Samstag zu Hause gegen Bulgarien 2:2 spielten, Ex-Salzburg-Maestro Giovanni Trapattonis Iren zu Gast.

Auch nicht überzeugend startete Europameister Spanien im Pool 5 den Wettlauf nach Südafrika. Die Iberer, die in Murcia gegen Bosnien-Herzegowina nur 1:0 gewannen, treten in Albacete gegen die Armenier an, die mit einem 0:2 aus dem Heimspiel gegen die Türken anreisten. "Ich vertraue meiner Mannschaft, sie muss mit höchster Konzentration, Intensivität und Intelligenz zu Werke gehen", sagte Aragones-Nachfolger Vicente del Bosque.

Capello unter massivem Druck
Der Schlager des Abends steigt zweifellos im Zageber Maksimir-Stadion, wo Kroatien und England aufeinandertreffen und wo es zu einem Wiedersehen der EM-Ausscheidung kommt, in der die Kroaten im letzten Spiel mit dem 3:2 in Wembley Beckham und Co. zum EURO-Zuschauer machten. Vor dem sechsten Duell innerhalb kurzer Zeit und mit absolut ausgeglichener Bilanz (je zwei Siege und ein Remis) stehen die Briten mit ihrem neuen Teamchef Fabio Capello bereits unter enormen Druck.

Weder die unter dem Italiener absolvierten Testspiele, noch das magere 2:0 in Gruppe 6 in Andorra waren dazu angetan, die englischen Fans von den Fähigkeiten Capellos zu überzeugen. Dennoch warnte Slaven Billic, der gegen die Gäste sowohl als aktiver Teamspieler als auch als Coach noch kein einziges Match verloren hat. Eine Niederlage der "Lions" könnten auf der Insel die ersten hohen Wellen schlagen.

Jubiläum für die Türkei
Im Pool 5 bestreiten die Türken ihre 100. WM-Quali-Partie (35 Siege, 17 Remis, 47 Niederlagen), Gegner ist mit Belgien ebenfalls ein Auftakt-Sieger. Erstmals greifen Tschechien (in Nordirland), San Marino (daheim gegen Polen/jeweils Gruppe 3), Finnland (daheim gegen Deutschland/jeweils 4) und die Niederlande (in Mazedonien/9) ein. Nach dem Abgang von Karel Brückner zum ÖFB gibt der 49-jährige Petr Rada sein tschechisches Pflichtspieldebüt.

Vor seinem Einstand in einem Bewerbsspiel steht auch Bert van Marwijk für die Niederlande. Der Nachfolger von Teamchef Marco van Basten hat den Probegalopp mit seiner Truppe in Eindhoven gegen Australien 1:2 verloren. Jetzt warten in Skopje u.a. die Mattersburg-Legionäre Ilco Naumoski und Goce Sedloski, die zum Auftakt Schottland durch ein Tor des SVM-Stürmers 1:0 geschlagen haben. "Die Oranjes sind eines der besten Teams in Europa. Wir haben nichts zu verlieren, wollen wieder einen Dreier", sagte Mazedonien-Teamchef Srecko Katanec.

Finnen mögen Alkohol
Deutschland, mit dem höchsten Erfolg (6:0 in Liechtenstein) gestartet, tritt in Gruppe 4 auf Finnland. Obwohl die jüngste DFB-Niederlage gegen Suomi schon 85 Jahre zurückliegt, zeigen die Gäste Respekt. "Sie sind gespickt mit Spielern von der Insel", warnte Teamchef Joachim Löw. Die Hausherren müssen in Helsinki aber nicht nur auf den erkrankten Routinier Jari Litmanen und den rekonvaleszenten Teemu Tainio, sondern auch auf Ukraine-Legionär Alexej Jeremenko verzichten. Letzterer wurde als alkoholisierter Autolenker erwischt.

Wieder in den Schweizer Teamkader zurückgekehrt ist für das Gruppe-2-Spiel daheim gegen Luxemburg Dortmund-Legionär Alex Frei, der im ersten EM-Spiel am 7. Juni gegen Tschechien verletzt ausschied und zum dritten Mal innerhalb eines Jahres am Knie operiert werden musste. "Ich bin wieder fit, doch mir fehlen noch Spiel-Rhythmus und -Praxis", sagte der Schützling von Ottmar Hitzfeld. (apa/red)

10.9.2008 20:40