Mittwoch, 10. September 2008

Serbien-Match Sargnagel für Domenech?
"Equipe Tricolore" zum Siegen verdammt

  • Henry schätzt Serbien höher ein als Österreich
  • Auch Rumänien nach Auftaktdebakel unter Druck

Raymond Domenech hat als französischer Fußball-Teamchef schon fast alles überlebt. Eine weitere Pleite heute in der WM-Qualifikation zu Hause gegen Serbien wäre aber wohl selbst für den Trainer, der Frankreich 2006 ins WM-Finale geführt hatte, zu viel. Ein Sieg ist Pflicht, will die zuletzt gar nicht große "Grande Nation" nach dem 1:3 gegen Österreich in Gruppe 7 nicht den Anschluss verpassen.

"Es ist noch viel zu früh, um sich Sorgen zu machen", beruhigte Domenech. "Wir haben ein Spiel gegen Serbien und dann auch noch eines gegen Rumänien (am 11. Oktober), auf das wir uns vorbereiten müssen. Dann werden wir eine Bewertung machen." Fünf Punkte hatte die Vorgabe für die ersten drei Quali-Spiele gelautet. Damit müssen nun Siege her. "Eine fehlende Reaktion gegen Serbien würde Domenech nicht überleben", schrieb die Sportzeitung "L'Equipe".

Nachfolger stehen bereit
Der Verband hatte dem Teamchef nach dem blamablen Aus mit nur einem Tor und einem Punkt in der Gruppenphase der EURO 2008 überraschend die Treue gehalten, gerät nun aber selbst immer mehr unter Druck. Mit Alain Boghossian wurde Domenech bereits ein Weltmeister von 1998 als Assistent zur Seite gestellt, mit Didier Deschamps und Laurent Blanc werden zwei weitere immer wieder als mögliche Teamchef-Kandidaten genannt.

Domenech lässt das alles kalt. Der eigenwillige Trainer dürfte zum Großteil auch gegen Serbien jener jungen Mannschaft das Vertrauen schenken, die sich in Wien blamiert hatte. Einzig der überforderte Innenverteidiger Philippe Mexes dürfte durch Sebastien Squillaci ersetzt werden. "Man kann nicht sofort von ihnen verlangen, Zidane oder Maradona zu sein", sagte Domenech über seine Jungstars Samir Nasri und Karim Benzema. "Sie brauchen eben Zeit."

Konflikt im Teamcamp
Im Teamcamp in Clairefontaine liegen die Nerven allerdings blank. Nach der Pleite in Wien waren gleich mehrere Spieler, darunter die Leitwölfe Thierry Henry und William Gallas, mit dem Trainerteam aneinandergeraten, berichtete die "L'Equipe". Grund soll der Zeitpunkt des Nachmittagstrainings gewesen sein, der die Spieler um ihren freien Nachmittag gebracht hat. Den Ernst der Lage sollten aber auch die Kicker erkannt haben.

"Wir haben auf einen Stromschlag gehofft, der uns aufwecken würde. Aber das ist nicht passiert", erklärte Kapitän Henry. "Hoffentlich springt der Funke gegen die Serben über, obwohl wir uns bewusst sind, dass sie ein schwererer Gegner sind als Österreich." Mit dem Publikum im Stade de France im Rücken sollen die "Bleus" auf die Siegerstraße zurückkehren, wenngleich deren Teamchef auch in der Öffentlichkeit bereits viel von seinem Kredit verspielt hat.

Serbien nicht überzeugend
"Die Franzosen waren nach der Auslosung der große Favorit auf den Gruppensieg. Nach der Niederlage in Österreich sind sie aber in einer komplizierten Situation", erkannte Serbiens Teamchef Radomir Antic. Sein eigenes Team hatte beim 2:0 gegen die Färöer aber ebenfalls alles andere als brilliert. Antic dürfte daher mehrere Umstellungen vornehmen. Selbst Salzburg-Legionär Sasa Ilic werden Chancen auf einen Platz in der Startformation eingeräumt.

Rumänien unter Druck
In Torshavn steht ebenfalls ein Trainer unter Druck. Nach dem katastrophalen Start gegen Litauen (0:3) muss Rumänien die Pflichtaufgabe auf den Färöern erfüllen, um Victor Piturca nicht weiter in Bedrängnis zu bringen. Die Rumänen müssen allerdings nicht nur auf ihre verletzten Topstars Adrian Mutu und Christian Chivu, sondern auch auf die Stürmer Daniel Niculae und Cipran Marica sowie Mittelfeldspieler Banel Nicolita verzichten. (apa/red)

10.9.2008 20:38